Krieg' ich da Ärger mit der Anwaltskammer? - Für die Titelrolle ihrer neuen SAT.1-Serie 'Danni Lowinski' holte sich Annette Frier professionellen Rat im Bekanntenkreis.
Annette Frier ist Danni Lowinski, die Anwältin der Fußgängerzone. © SAT.1 / Frank Dicks
'Rechtsberatung für einen Euro pro Minute' gibt's jetzt bei SAT.1. Wenn Annette Frier Titelheldin ihrer eigenen Serie wird. Endlich bekommt die etwas andere Anwältin 'Danni Lowinski' einen Sendeplatz (ab 12.04., montags, 21.15 Uhr) und packt von ihrem Klapptisch im Einkaufszentrum aus die juristischen Probleme der sogenannten kleinen Leute an.
Muss sich nicht mit Hochglanz-Anwaltsserien messen: Annette Frier ist 'froh, dass unsere Serie im Einkaufszentrum spielt'. © SAT.1 / Frank Dicks
Den Fachjargon dafür musste sich die Schauspielerin, die mit ihrem Ehemann, Drehbuchautor Johannes Wünsche, und den zweijährigen Zwillingen Josefina und Bruno in Köln lebt, nicht mehr eigens draufschaffen. Warum, das erklärt die 36-Jährige im Interview.
teleschau: Frau Frier, haben Sie eine Rechtsschutzversicherung?
Annette Frier: Ja! Hab ich.
teleschau: Weil Sie selbst aus einer Anwaltsfamilie stammen?
Annette Frier: Nein, mein bester Freund hat mir dazu geraten. Der ist nämlich auch zufällig Anwalt!
teleschau: Konnte er Sie auch zur neuen SAT.1-Serie 'Danni Lowinski' beraten?
Annette Frier ist selbst Tochter eines Rechtsanwalts. © SAT.1 / Frank Dicks
Annette Frier: Ich erzählte ihm das natürlich, und es kam eine sehr lustige, sehr typische Anwaltsreaktion: Er lächelte ein bisschen gönnerhaft. Als ich ihn fragte, ob das rechtens sei, dass eine Anwältin mitten in der Einkaufspassage ihren Schreibtisch aufstellt, dachte er richtig drüber nach und meinte: 'Kann schon sein, dass du da Ärger mit der Anwaltskammer kriegst ...' Dann kommt immer so ein Stirnrunzeln. Er war ein bisschen herablassend freundlich, aber sehr gespannt!
teleschau: Es ist ja keine dieser typischen Anwaltsserien ...
Annette Frier: Überhaupt nicht! Weder Setting noch Inhalt erinnern daran.
teleschau.
Annette Friers Gegenspieler bei 'Danni Lowinski' ist Jan Sosniok als Anwalt Oliver Schmidt. © SAT.1 / Frank Dicks
Was vielleicht ganz gut ist, wenn man bedenkt, dass deutsche Anwaltsserien zuletzt beim Publikum nicht so gut ankamen ...
Annette Frier: Vielleicht, weil man davon schon so viel wahnsinnig Gutes gesehen hat: 'Ally McBeal', 'Practice' ... Es gibt unglaublich gute Anwaltsserien, die in diesem typischen Genre spielen, dass man tatsächlich eine besondere Idee haben muss, um innerhalb eines solchen Rahmens noch Neues zu erzählen. Ich bin froh, dass unsere Serie im Einkaufszentrum spielt!
teleschau: Vor wenigen Monaten startete bei SAT.1 auch die Daily 'Eine wie keine' mit Marie Zielcke als Heldin, die sich von unten durchboxt und nichts gefallen lässt. Danni Lowinski ist eine Anwältin der sogenannten 'Kleinen Leute'. Ist der Glamour gerade aus der Mode? Ist jetzt eher die Zeit für eher handfeste Themen?
Annette Frier: Es bleibt abzuwarten, ob die Leute das sehen wollen. Wenn man mal auf die 50er-Jahre schaut - da ging es den Leuten schlecht und im Film wollten sie schöne Landschaften sehen, durch die Peter Alexander tanzt. Was das Publikum heute bevorzugt, kann ich leider nicht beantworten. Ich sehe nur, dass es in der Realität nicht mehr darum geht: Wie verpacken wir Dinge? Wie machen wir aus einer Sache ein Event? Das wurde im Zuge der Wirtschaftskrise ja alles zuerst gestrichen: Dinge, die man eigentlich nicht zum Leben braucht.
teleschau: Sie meinen nicht nur im TV-Business, sondern allgemein?
Annette Frier: Ganz grundsätzlich. Deshalb finde ich es auch folgerichtig, solche Situationen darzustellen. Sodass die Zuschauer vielleicht einhaken können und sagen: Ja, so ist das gerade. Ich glaube auch, dass das schon vor fünf Jahren aktuell war. Da gab's auch Armut. Aber es ist jetzt medientauglicher und wird viel öfter benannt nach dem Motto: 'Die fetten Jahre sind vorbei'. Wahrscheinlich gibt es vor allem einen medialen Unterschied zu vorher. Aber vielleicht wollen die Leute auch gerade jetzt den puren Luxus sehen? Ich bin gespannt! Ich hoffe, dass wir den Zeitgeist treffen.
teleschau: Sie sind ja Kölnerin: Ist es auch eine Köln-typische Serie oder könnte sie in jeder Stadt spielen?
Annette Frier: Wir haben uns bewusst dagegen entschieden. Es spielt zwar in Köln, aber wir sprechen Hochdeutsch, um nicht zu gemütlich zu werden.
teleschau: Wie ist Köln für Sie? Sie wurden dort geboren, machten da Ihre Ausbildung und leben immer noch dort ...
Annette Frier: Ich komme nicht weg! Ich habe schon ganz oft versucht auszubrechen. Aber immer, wenn ich mich entscheide, nach Berlin zu ziehen, bekomme ich hier einen Tage später ein Jobangebot. Wenn ich also mal arbeitslos bin, muss ich bloß wieder einen Umzug planen! Für mich ist es natürlich Heimat, Freundschaft und Familie. Ich habe mich inzwischen mit mir selbst darauf geeinigt, dass ich berufsbedingt immer mal wieder rauskomme, aber vermutlich hier sitzen bleiben werde.
teleschau: Sie sind selbst Tochter eines Rechtsanwalts - hat das für diese Rolle geholfen?
Annette Frier: Nur insofern, als dass mir der ganze Fachjargon sehr geläufig ist. Ich kenne auch sonst viele Anwälte - ich weiß gar nicht, wie das passieren konnte. Mein Vater war allerdings nicht der leidenschaftlichste Anwalt, den es gibt. Er fand das eher öde und hat uns auch wirklich nur die Sahnestückchen erzählt. Er wünschte sich manchmal, lieber was mit Literatur gemacht zu haben, weil der Anwaltsberuf sich im Alltag natürlich wesentlich trockener gestaltet als in einer Fernsehserie.
teleschau: Hat das Ihre eigene Berufswahl beeinflusst?
Annette Frier: Ja, kann sein. Diese Sehnsucht meines Vaters nach Literatur ... Kultur wurde bei uns in der Familie generell großgeschrieben. Wir gingen viel ins Theater, meine Mutter kommt aus einem sehr musischen Haushalt.
teleschau: Waren die Eltern dann begeistert, als Sie verkündeten: Ich werde Schauspielerin?
Annette Frier: Mein Vater reagierte eher verhalten konservativ. Als er aber zwei, drei Stücke von mir gesehen hatte, freute er sich, glaube ich, dass ich etwas tue, wozu ich Lust habe. Meine Mutter fand's von Anfang an super. Meine kleine Schwester ist nun auch Schauspielerin und seit einem Jahr eine Kollegin sozusagen. Die große macht Management im Showbereich.
teleschau: Bei drei Schwestern gab's doch früher zu Hause bestimmt auch viel Krach - kannte der Vater besondere Tricks zur Schlichtung?
Annette Frier: Mein Vater war sehr geduldig, aber man durfte einen Punkt bei ihm nicht überschreiten, den man zum Glück optisch feststellen konnte: nämlich wenn er ganz schmallippig wurde. In dem Moment haben dann alle immer eingelenkt ...
teleschau: Stellen Sie solche Mechanismen im eigenen Haushalt heute mit Ihren Zwillingen auch fest?
Annette Frier: Die äffen uns ja schon nach! Ich war heute Morgen blass vor Schreck deswegen. Mein Sohn schmiss meinen Kaffee um, schlug sich mit der Hand gegen die Stirn und sagte dann 'Oh Gott, oh Gott, oh Gott' in einer Endlosschleife - das hat er von mir abgeschaut. Und er hat auch so einen Hang zur Übertreibung. Das finde ich überhaupt toll bei kleinen Kindern: Die sind wie schlechte Schauspieler, wenn sie große Reaktionen spielen. Da könnte ich mich kaputtlachen.
teleschau: Wie ist das eigentlich mit zweijährigen Zwillingen? Man würde meinen, da kommen Eltern zu gar nichts mehr ... Aber sie machen nebenbei sogar sehr viel.
Annette Frier: Alles eine Frage der Logistik. Es ist sehr anstrengend, es ist oft viel zu viel und eine latente Überforderung, das will ich gar nicht wegreden. Aber es macht Spaß und es funktioniert. Geordnet ist was anderes. Aber ich habe jetzt das Chaos in meinem Leben begrüßt. Das war ohnehin schon immer da, und jetzt ist es eben für jedermann sichtbar.
teleschau: Danni Lowinski erinnert auch ein bisschen an Reese Witherspoon in 'Natürlich blond' als aufgrund ihrer Haarfarbe unterschätzte Superanwältin. Kennen Sie solche Vorurteile auch?
Annette Frier: Als Komödiantin muss man oft so eine dramatisches-Fach-Rechtfertigung machen. Ähnlich wie bei ernster und Unterhaltungsmusik. Ich habe aber auch dieses Thema für mich abgehakt und sage mir: Je mehr ich versuche, anderen zu erklären, wie ich bin, umso weniger funktioniert das. Es ist immer besser, unter- als überschätzt zu werden! Gerade bei 'Danni Lowinski' bin ich zum Beispiel sehr gespannt, wie das ankommt: Ich glaube, die Leute werden eine lustige Serie erwarten, weil ich dem breiten Publikum als Komödiantin bekannt bin. Ich mag es aber gerade, dass die Serie nicht so eindeutig zwischen lustig und nicht lustig unterscheidet. Dass ich nicht davon ausgehen kann, dass am Ende der Szene die Pointe kommt. Das langweilt mich noch zu Tode, dass man immer nur auf die Pointe geht und sich alle darauf geeinigt haben!
teleschau: Außer mit juristischen Fällen haben Sie's in letzter Zeit auch auffallend oft mit Geistern zu tun. 'Im Spessart sind die Geister los' lief schon bei SAT.1, außerdem haben Sie 'Geister all inclusive' für RTL gedreht ... Warum haben Geister denn jetzt plötzlich wieder Konjunktur, können Sie sich das erklären?
Annette Frier: Überhaupt nicht, ich hatte davor in meinem ganzen Leben noch mit keinem zu tun - filmisch.
teleschau: Und nicht filmisch?
Annette Frier: In einer gewissen Form glaube ich schon an so was wie Engel oder Geister. Ich glaube, dass es viele Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, und dass nicht nur das lebendig ist, was ich für lebendig halte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dazwischen gewisse Energien vorhanden sind.
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'Cover me' 2007 in Köln]"Annette Frier", bürgerlich "Annette Wünsche geb. Frier", (* 22. Januar 1974 in Köln) ist Schauspielerin und Komikerin.Nach dem Abitur studierte sie drei Jahre klassisches Schauspiel an ....
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