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Zeitumstellung bringt innere Uhr aus dem Takt

27. Mär 2010, 13:59

Die Zeitumstellung auf die Sommerzeit steht bevor. © DPA

Die Zeitumstellung auf die Sommerzeit steht bevor. © DPA

Hamburg - Die Zeitumstellung bringt die innere Uhr aus dem Rhythmus. Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Müdigkeit können die Folgen sein. Betroffen ist jedoch längst nicht jeder.

Individuelle Unterschiede und der eigene Chronotyp sind dabei entscheidend, sagt Prof. Horst-Werner Korf vom Senckenbergischen Chronomedizinischen Institut der Universität Frankfurt im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Welche gesundheitlichen Risiken birgt die Zeitumstellung?

Korf: «Das lässt sich nicht global beantworten. Die Zeitumstellung wird von Menschen unterschiedlichen Chronotyps unterschiedlich verarbeitet. Man unterscheidet Lerchen ­ die klassischen Frühaufsteher ­ und Eulen, die spätvormittags aufstehen und bis in den frühen Morgen wach bleiben. Die Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit macht den Eulen zu schaffen.»

Wie kann sich das auswirken?

Korf: «Es kann sein, dass morgens verstärkt Schläfrigkeit auftritt und dass das Konzentrationsvermögen nicht so gut ist. Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass es am Montag nach der Zeitumstellung vermehrt zu Verkehrsunfällen kommt. Die körperlichen Auswirkungen können bis hin zu vegetativen Störungen gehen, also Veränderungen von Puls und Blutdruck. Das gilt aber sicherlich nicht für alle Menschen.»

Das heißt, Eule und Lerche ticken unterschiedlich. Welche Prozesse stecken dahinter?

Korf: «Grundsätzlich ist es so, dass das innere Uhrwerk über sogenannte Uhrengene gesteuert wird. Dieses Uhrwerk ist allerdings anpassungsfähig ­ Reize aus der Umwelt können die Uhr verstellen. Der wichtigste Zeitgeber ist der tägliche Hell-Dunkel-Wechsel. Diese Informationen werden über die Netzhaut unserer Augen in die innere Uhr eingefüttert. Von der Grundlagenforschung wissen wir inzwischen, dass die Uhr sehr viele Körperfunktionen beeinflusst ­ nicht nur Schlaf-Wach-Verhalten und die Konzentrationsfähigkeit, sondern auch den Stoffwechsel der Leber, Blutdruck und Puls, die Körpertemperatur, wahrscheinlich sogar die Zellteilung, den Zellzyklus.»

Wie lange braucht der Mensch, um sich umzustellen?

Korf: «Das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Die einen stellen sich innerhalb weniger Tage um, die anderen brauchen zwei, drei Wochen.»

Sind alte und kranke Menschen besonders betroffen?

Korf: «Da gibt es keine wissenschaftlich fundierten Untersuchungen. Bei älteren Menschen ist die innere Uhr generell anfälliger. Deshalb kommen im Alter wesentlich stärker Schlafstörungen hervor. Wenn sie dann noch an bestimmten Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer leiden, werden diese Symptome stärker.»

Wie kann man Symptomen wie Müdigkeit entgegenwirken?

Korf: «Wichtig ist, dass man sich körperlich betätigt und das möglichst nicht im Fitness-Center unter künstlichem Licht, sondern im Freien. Die Frühjahrsmüdigkeit allerdings ist unabhängig von der Zeitumstellung. Sie hat viele Ursachen. Eine kann sein, dass es in den relativ kurzen Wintertagen zu einem Mangel an Vitamin D kommt und man sich deshalb schlapp fühlt.»

© 2010 dpa - Deutsche Presse-Agentur

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