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Der Duft der weiten Welt: Kaffee-Ernte im Ruhrgebiet

Von Dorothee Barsch 29. Mär 2010, 11:28

Die roten Kaffeekirschen an einem Arabica-Kaffeebaum schaut sich Gärtnerin Martina Stratmann im Tropenhaus des Essener Gruga-Parks an. (Bild: dpa) © DPA

Die roten Kaffeekirschen an einem Arabica-Kaffeebaum schaut sich Gärtnerin Martina Stratmann im Tropenhaus des Essener Gruga-Parks an. (Bild: dpa) © DPA

Essen - Auf den ersten Blick sehen die knapp drei Meter hohen Bäume im Tropenhaus des Essener Grugaparks aus wie große grüne Zimmerpflanzen. Dann bemerkt man die roten Kirschen und weißen Blüten: Die zehn Arabica-Kaffeebäume tragen Früchte.

Noch bis Mitte April dauert die Kaffee-Ernte mitten im Ruhrgebiet. Besucher können sich in Workshops selbst als Kaffeepflücker versuchen und nebenbei lernen, wie aufwendig Kaffee produziert wird. Von der Kirsche bis zum duftenden Kaffee in der Tasse vergehen mehrere Wochen, in denen die Bohnen vom roten Fruchtfleisch befreit, fermentiert, getrocknet, sortiert, geröstet und gemahlen werden.

Das alles erklärt Alex Kunkel, der als «Der Röster» seit 2003 in die Welt des Kaffees einführt. Die Workshops bietet der Werkzeugmacher ehrenamtlich an, Kaffee mit all seinen botanischen, wirtschaftlichen, politischen und geschichtlichen Aspekten fasziniert ihn: «Man schnuppert ja sofort die große weite Welt wenn man eintaucht in den Kaffee - Kolumbien, Guatemala, Brasilien, Afrika...»

Bei seiner Beschäftigung mit dem Thema kann Alex Kunkel auch Trends beobachten. Einerseits sehe er einen steigenden Verbrauch von Instant-Kaffee aus den billigeren Robusta-Bohnen. «Gleichzeitig besteht aber auch eine Tendenz zu hochwertigem Kaffee und Espresso.» Neben edlen Hochlandkaffees gebe es auch wachsende Nachfrage nach sogenannten zertifizierten Kaffees mit Bio- oder Fair-Trade-Siegel, teilt der Deutsche Kaffeeverband mit. Allerdings seien diese zertifizierten Produkte mit einem Anteil von etwa zwei Prozent des gesamten Kaffeemarkts immer noch eine Nische.

Die Essener Pflanzen tragen etwa 15 bis 20 Kilogramm hochwertige Arabica-Bohnen während der Erntezeit. Daraus könnte man fünf bis sieben Kilogramm Kaffee herstellen. Allerdings friert Alex Kunkel direkt nach der Ernte immer kleine Portionen von frischen Kaffeekirschen ein, um Anschauungsmaterial auch für die späteren Workshops zu haben. Da die Kirschen nicht alle gleichzeitig reif werden, dauert die Erntezeit zwei bis drei Monate.

«Kaffeebäume gibt es sicher auch in anderen botanischen Gärten, aber dass wie bei uns die Kirschen gepflückt werden, davon habe ich noch nicht gehört», sagt Kunkel. Von Mai bis September sind die Pflanzen dann auf dem Gelände des Kaffeegartens in der Mustergartenanlage zu sehen. Hier informieren Alex Kunkel, das Eine Welt Netz NRW und der Verein Exile Kulturkoordination über Kaffeeanbau und Fairen Handel.

Termine für die Kaffee-Ernte: www.kaffeegarten-ruhr.de«Der Röster» Axel Kunkel: www.derroester.de

© 2010 dpa - Deutsche Presse-Agentur

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