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Vorhang auf für Demjanjuk-Satire in Heidelberg

Von Martin Oversohl 30. Mär 2010, 10:32

Um den mutmaßlichen Massenmörder John Demjanjuk geht es in dem Heidelberger Theaterstück. © DPA

Um den mutmaßlichen Massenmörder John Demjanjuk geht es in dem Heidelberger Theaterstück. © DPA

Heidelberg - In München muss sich der mutmaßliche KZ-Wächter John Demjanjuk derzeit dem Vorwurf des Massenmordes stellen - in Heidelberg ist sein Schicksal Thema eines Theaterstücks.

Unter dem Titel «Die Demjanjuk-Prozesse» setzt sich der kanadisch-jüdische Autor Jonathan Garfinkel am Mittwoch im Theater der Neckarstadt mit der mysteriösen Biografie des 89-Jährigen auseinander. Er versucht dabei vor allem, die Frage nach der Beweisbarkeit von Schuld mit den Mitteln der Satire zu beantworten. «Demjanjuk ist zuletzt vor allem ein Symbol geworden», sagte Garfinkel in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Ein Symbol vor allem für Organisationen und politische Forderungen.»

Für seinen Text greift der 36-Jährige auf Originalaussagen und Dokumente der Prozesse gegen Demjanjuk in Jerusalem und München zurück. Der 89 Jahre alte Mann gilt als einer der letzten NS-Verbrecher, die für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden sollen. «Das Alter sollte keinen Einfluss auf ein Urteil haben», sagt Garfinkel. «Wenn jemand schuldig ist, dann sollte er auch bestraft werden.»

Der Autor geht davon aus, dass sicherlich nicht alle überzeugt sein werden von seiner Herangehensweise: Singende KZ-Schergen mit Liedern im Brecht-Format, absurde Dialoge, unpassende Kostüme wechseln sich ab mit seriösen Szenen im Gerichtssaal. «Aber wenn einige Besucher mit mehr Fragen über den Holocaust nach Hause gehen als sie sich vorher gestellt haben, dann bin ich zufrieden», sagt er.

Der gebürtige Ukrainer Demjanjuk ist angeklagt, 1943 bei der Ermordung von 27 900 Juden in den Gaskammern des Vernichtungslagers Sobibor geholfen zu haben. Als Kriegsgefangener der Deutschen hatte er sich laut Anklageschrift freiwillig zum SS-Helfer ausbilden lassen und dann als Wachmann die Nazis bei ihren Massenmorden unterstützt.

Demjanjuk war im Mai 2009 von den USA nach Deutschland abgeschoben worden. Derzeit muss er sich in München vor Gericht verantworten. «Es ist sicherlich ein wichtiger Prozess, aber Demjanjuk war kein sehr bedeutender Nazi», meint Garfinkel. Mit satirischen Elementen hat er trotz des belastenden Themas keine Probleme: «Die Satire erlaubt es uns, Dinge in einem akzeptierbaren Rahmen zu sagen.» Grundsätzlich sei es dabei egal, ob der Autor ein deutscher sei oder in seinem Fall ein Kanadier. «Es gibt da keine moralische Regel mehr», meint Garfinkel. «Aber aus der Distanz zu schreiben ist für mich sicherlich einfacher als für einen Deutschen.»

http://dpaq.de/Stueck-Info

© 2010 dpa - Deutsche Presse-Agentur

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