Musik Kritiken
CD Kritik: Katharsis von Chris Geisler Trio feat. Johannes Enders
Von Rainer Molz 5. Mai 2010, 08:42

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Katharsis bedeutet aus dem Griechischen übersetzt „Reinigung“. Man kann es aber auch anders ausdrücken, nämlich innere Konflikte und Aggressionen ausleben um starke Emotionen zu reduzieren. Mit Musik der aktuellen CD „Katharsis“ des Chris Geisler Trio entschleunigt der Hörer auf ganzer Strecke. Auch wenn hier und da mal mit flotten Fingern über die Tasten gewirbelt wird, so versprühen die Kompositionen Lockerung und ein reines Hörvergnügen. Ausleben und Räume schaffen. Zurücklehnen und genießen!
Chris Geisler ist schon lange in der Szene, besonders in der um Stuttgart, kein Unbekannter mehr. Der Musikpädagoge, Arrangeur, Komponist, Pianist und Bandleader ist unentwegt in Sachen Musik zu greifen und engagiert unterwegs. Viele Stationen hat er bereits erfolgreich durchlaufen. Sein wichtigstes Projekt zur Zeit sicherlich das Chris Geisler Trio. Sein Debüt mit dieser Besetzung liefert er nun mit „Katharsis“ ab. Entschleunigende Musik die vom Alltag ablenkt. Angenehme, treibende und entspannende Jazzklänge von hoher Qualität und Intension. Poesievolles und lyrisches Pianospiel trifft auf spannungsvolle Rhythmussection.
Unterstützung findet das Trio in Johannes Enders – seines Zeichens deutscher Jazz-Saxophonist. Bekannt wurde er durch die Formation Enders Room – u.a. mit Rebekka Bakken, Joo Kraus und Wolfgang Haffner, dem Tied & Trickled Trio, sowie der Band Triotope. 2003 erhielt Enders den SWR Jazzpreis und 2007 den Neuen Deutschen Jazzpreis der IG Jazz Mannheim. Nun hört man Johannes Enders an der Seite des Chris Geisler Trio und ist überrascht, wie harmonisch die Formation kreiselt. Man hätte, auch wenn sich Enders durchaus hier und da etwas weiter nach vorne aus dem Fenster lehnt als der Rest der Band, mit mehr Profilneurosen des Saxophonisten gerechnet. Doch dem ist eher nicht so. Wenn Enders Saxophon singt sei es ihm und uns gegönnt. Wenn es allerdings mal nicht singt, blitzen gleißend die Qualitäten der mitstreitenden Musiker.
Allen voran der Namensgeber des Trio Chris Geisler. Sein warmes und poetisches Klavierspiel verführt zu Träumereien. Tadellos vollendet und meisterlich über weiße und schwarze Tasten gleiten die Finger des Allrounders. Er beweist ein geistreiches und pfiffiges Gespür für musikalische Ideen, die sich in seinen Kompositionen widerspiegeln. „.....die Freiheit nehm ich mir......-“, so könnte eine Aussage des Pianisten lauten.
Spannungsbögen erschaffen und kreative Reibungen mit der Band ausleben, die sich wie folgt zusammensetzt: Chris Geisler (Piano, Keys), Kurt Holzkämper (Bass), Bern Settelmeyer (Drums, Percussion) und Johannes Enders (Sax). Andreas Francke (Alto-Sax), Heiko Giering (Bariton-Sax), Bernd Hufnagel & Ralf Reichert (Trumpet), sowie Eberhard Budziat (Trombone) bilden eine Hornsection, die auf zwei Stücken zum Einsatz kommt. Alles eingespielte Musiker, die traumwandlerisch miteinander agieren.
„Katharsis“ des Chris Geisler Trio – eine Befreiung von inneren Spannungen. Filigrane, leise Töne werden von spannungsgeladenen Soundeskapaden abgelöst. Spannung – Entspannung. Reizvolle Musik für die Gehörgänge.
Chris Geisler Trio Live: 05.05. Stuttgart/Bix, 09.05. Möglingen/Jufo, 30.06. Göppingen/Moloko, 16.07. Tübingen/Bechstein Centurm, 17.12. Köngen/Jazzclub. Infos unter www.chrisgeisler.de
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