TV Reportagen
Maskenbildner machten Ferres zur fiesen Hexe
ARD und ZDF bescheren den Zuschauern wieder märchenhafte Stunden
Von Christina Zimmermann 1. Dez 2010, 18:34

Kaum wiederzuerkennen: In 'Das blaue Licht' (Samstag, 25. Dezember, 15.40 Uhr, ARD) spielt Veronica Ferres eine Hexe. © HR / Kinderfilm GmbH / Felix Holland
Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit, da entdeckten die öffentlich-rechtlichen Sender das Märchen für sich. Machen mussten sie damals nicht sonderlich viel, schließlich lieferten Jacob und Wilhelm Grimm das perfekte Drehbuch. Daher galt es nur noch, ein paar prominente deutsche Schauspieler zu verpflichten und die geballte kreative Energie in die prächtigen Kostüme und Kulissen zu stecken. Das funktionierte recht gut, und so kam ein Film zum nächsten. Mit dem Ergebnis, dass es bei ARD und ZDF auch in diesem Jahr rund um das Weihnachtsfest wieder viele märchenhafte Stunden gibt.

'Sechs auf einen Streich' heißt die hochkarätig besetzte Reihe, an der sich WDR, MDR, SWR, HR, NDR und RBB seit 2008 mit je einem einstündigen Film beteiligen. Bereits drei Jahre zuvor zeigte das ZDF jährlich einen Grimm-Klassiker zur Weihnachtszeit. 2010 gibt es bei den Mainzern abermals eine Märchen-Offensive, die am Samstag, 18. Dezember, mit den Wiederholungen von 'Rotkäppchen' (8.45 Uhr), 'Der Froschkönig' (10.00 Uhr), 'Schneewittchen' (11.35 Uhr) und dem slowakischen Märchen 'Der Salzprinz' (14.45 Uhr) startet. Am Sonntag, 19. Dezember, folgen 'Dornröschen' (14.20 Uhr) und 'Der Teufel mit den drei goldenen Haaren' (15.45 Uhr).

Der festliche Sendeplatz am Heiligabend ist für eine Neuproduktion reserviert: 'Aschenputtel' (15.30 Uhr). In die Rolle des armen Mädchens, das zur Prinzessin wird, schlüpfte die 18-jährige Emilia Schüle ('Freche Mädchen'). Vor allem die 'Reise in eine andere Zeit' habe sie an diesem Projekt, das diesen Sommer unter der Regie von Susanne Zanke in Österreich entstand, gereizt. An Emilias Seite: 'Tatort'-Kommissarin Simone Thomalla als böse Stiefmutter.

Wer die Heilige Nacht nicht zum Tag macht und am nächsten Morgen schon früh auf den Beinen ist, findet auf dem märchenhaften ZDF-Gabentisch 'Hänsel und Gretel' (Samstag, 25. Dezember, 9.25 Uhr). Auch am nächsten Tag geht's früh los: Um 8.35 Uhr stampft 'Rumpelstilzchen' durch die Wohnzimmer. Die Zeit zwischen den Jahren ist beim Zweiten dann erst einmal Fabel-frei, erst am Samstag, 01. Januar, kommt 'Der falsche Prinz' (8.40 Uhr). Den Abschluss der Märchen-Reihe im Zweiten bildet Hans Christian Andersens 'Des Kaisers neue Kleider' (Sonntag, 02. Januar, 11.00 Uhr) mit dem 2005 verstorbenen Harald Juhnke in der Titelrolle.

Und genau hier überschneiden sich die Pläne der Sendeanstalten: Schon am Sonntag, 26. Dezember, 16.05 Uhr, zeigt das Erste eine Neuverfilmung von 'Des Kaisers neue Kleider'. In die Rolle des selbstverliebten Monarchen schlüpfte hier Matthias Brandt, der neue Kommissar im Münchner 'Polizeiruf 110'. Für Schauspielerin Alissa Jung, die im Film die sagenhafte Robe des Kaisers näht, ist die Geschichte vor allem eines - zeitlos: 'Niemand traut sich, der Obrigkeit die Wahrheit zu sagen, aus Angst um den eigenen Kopf, und lässt sie lieber ins Verderben laufen.

Dafür findet man doch immer noch täglich Beispiele: von der Petersilie, die dem Gegenüber zwischen den Zähnen hängt, bis zur aktuellen politischen Lage.' Nicht umsonst ist 'Des Kaisers neue Kleider' auch das Lieblingsmärchen der 29-Jährigen.
Auch für ARD-Programmdirektor Volker Herres ist der Faktor Zeitlosigkeit von Belang. Überlieferte Erzählungen böten seiner Meinung nach genügend Vorlagen für moderne Storys: ''Gier stürzt dich ins Unglück', ist die Botschaft von Grimms 'Das blaue Licht' lange vor der Bankenkrise.

Und: Nie sollte man der Obrigkeit bedingungslos trauen, schon gar nicht, wenn sie uns in den Krieg schicken will. Geht es noch aktueller?'
In dem im Sommer 2010 in der Fasanerie Fulda und im Freilichtmuseum Hessenpark entstandenen Märchen 'Das blaue Licht' (Samstag, 25. Dezember, 15.40 Uhr) kehrt ein Soldat (Christoph Letkowski) aus dem Krieg zurück, wird vom König allerdings um seinen Lohn betrogen. Im Wald trifft er auf eine schöne Frau, gespielt von Veronica Ferres, die dem Hungrigen Essen verspricht. Doch die Gönnerin entpuppt sich als grausame Hexe - vor allem die Maskenbildner leisteten hier gute Arbeit.

Der Soldat, der sich weigert, das blaue Licht der Hexe aus dem Brunnen zu holen, trifft im tiefen Schacht auf einen Geist (Christian Tramitz), der ihm fortan alle Wünsche erfüllt.
Bei 'Die Prinzessin auf der Erbse' (Samstag, 25. Dezember, 16.40 Uhr, mit Iris Berben!) sieht ARD-Chef Herres dann gar eine Parallele zu modernen Casting-Shows - 'mit dem Unterschied, dass am Ende die Liebe siegt und die eigene Entscheidungsfähigkeit'. Auch die Thematik in 'Der Meisterdieb' (Sonntag, 26. Dezember, 15.05 Uhr) ist aktuell, wie Produzentin Elke Ried betont: 'In diesem Märchen geht es um das Recht auf Freiheit zur Selbstbestimmung.

'Der Meisterdieb' plädiert für Offenheit und Respekt gegenüber anderen Lebensformen und ist damit heute so aktuell wie in allen Zeiten.'
Im vergangenen Jahr versammelte die ARD-Reihe durchschnittlich drei Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen. Das Konzept 'Sechs auf einen Streich' gilt auch 2010: Zu den vier Neuverfilmungen kommen zwei erfolgreiche Produktionen des Vorjahres - 'Rapunzel' (Samstag, 25. Dezember, 14.40 Uhr) und 'Tischlein deck dich' (Sonntag, 26. Dezember, 14.05 Uhr). Für 2011 wurden bereits zwei weitere Klassiker in Auftrag gegeben: 'Die Sterntaler' und 'Die zertanzten Schuhe'.

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