TV Programm
kiss and run - Mo. 31.01 - ZDF: 00.15 Uhr
Pornophilosoph auf der Suche nach dem Glück
Von Franziska Kramer 31. Jan 2011, 00:15

'Erwarte nicht zu viel vom Leben, dann wirst du auch nicht enttäuscht': Max (Ken Duken) philosophiert gern über das Leben und natürlich Filme, am liebsten Pornos. © ZDF / Jaqueline Krause-Burberg
Ein Film, der glücklich macht. Knappe eineinhalb Stunden lang beobachtet man einen Haufen klassischer Versager, und am Ende fühlt man sich trotzdem richtig gut. Regisseurin Annette Ernst hat 2002 mit der Komödie 'kiss and run' (Grimme-Preis 2005) ein wahres Prachtstück deutschen Kinos geschaffen. Das Setting passt dabei ganz gut zum späten Sendetermin im ZDF: In einer schäbigen, dunklen Videothek treffen sich junge Menschen auf der Suche nach Liebe, Erfolg und Sex.

So träumt Emma (Maggie Peren) vom Durchbruch als Schauspielerin, während ihr bester Freund Max (Ken Duken, 'Störtebeker', 'Krieg und Frieden') bereits reichlich desillusioniert und zugleich ein Meister des Extrem-Philosophierens über Pornofilme ist.
Die Videothek als Auffangbecken gescheiterter, unglücklicher oder einfach nur gelangweilter Menschen in einer Frankfurter Hochhaussiedlung. Drehbuchautorin Maggie Peren, die auch die Hauptrolle spielt, hat liebenswerte Charaktere erschaffen, die zweifelsohne äußerst skurril sind.

Die Dialoge und vor allem Monologe von Pornoexperte und Pillentester Max bewegen sich weit entfernt von Plattitüden, sind wirklich witzig und manchmal nachdenklich.
'Der Eiffelturm ist ein riesiger Minderwertigkeitskomplex!' Aus einem scheinbar schier unerschöpflichen Fundus unnützen Wissens kann sich Max in jeder Situation bedienen, nur um sich durch sein Dauergerede niemals auf eine emotionale Basis begeben zu müssen. Außerdem bereitet es ihm einen Heidenspaß, die sowieso schon wenigen Kunden der Videothek zu vergraulen.

Emma ist dadurch oft genervt, und trotzdem fühlt sie sich eigentlich nur richtig glücklich, wenn Max in ihrer Nähe ist.
Daneben gibt es noch das Paar Malia (Anja Herden) und Christo (Hinnerk Schönemann). Sie heiraten in zwei Wochen, doch es herrscht Stillstand auf allen Ebenen: keine Kommunikation, kein Sex. Auch die anderen Personen in 'kiss and run' schleppen ihre Problemchen, wie beispielsweise das nicht enden wollende Jungfrauentum, mit sich herum. Das tun sie aber alle auf eine extrem liebenswerte und witzige Weise.
Vor Kulissen, die die frustrierte, eintönige und doch von Freundschaft und Rückhalt geprägte Atmosphäre nicht besser hätten illustrieren können, und mit Einspielern der teils ziemlich kranken Visionen der Charaktere (Max hat Suizidfantasien, Malia erscheint ihr Zukünftiger als Greis), wird die alte Geschichte von '1.000 Mal berührt' auf äußerst amüsante und zugleich anrührende Weise umgesetzt.
Ken Duken ist 2011 wieder in einem größeren Projekt zu sehen - allerdings in einer weit weniger sympathischen Rolle: Im ARD-Zweiteiler 'Laconia' spielt er einen Kommandanten, der im Zweiten Weltkrieg mit seinem U-Boot einen britischen Luxusdampfer versenkt. Gemeinsam mit Duken stand auch Franka Potente vor der Kamera.
© 2011 teleschau - der mediendienstMehr über Anja Herden
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