TV Reportagen
Auf dem Sprungbrett nach Hollywood
Die Gewinner des 'Shocking Shorts Awards 2010' drehen im Herbst eine Kino-Fassung ihres Siegerfilms
Von Rupert Sommer 1. Jun 2011, 11:06

'Mit dem fertigen Film fliegen wir im Mai nächsten Jahres natürlich wieder nach Hollywood', sagt Marco J. Riedl (links, mit Carsten Vauth). Die beiden drehen im Herbst eine 'On Air'-Kinofassung. © Jonas Mohr / Universal Networks International
'Es fühlt sich immer noch ein wenig an wie ein Märchen', sagt Carsten Vauth. Seine Erfolgsgeschichte der letzten zwölf Monate mag er noch gar nicht recht glauben. Zusammen mit dem Kameramann und Regisseur Marco J. Riedl, den er mehr oder weniger durch Zufall kennengelernt hatte, drehte er den 20-Minuten-Kurzthriller 'On Air' (2010) - und landete prompt einen Volltreffer. Nicht nur, dass der so gar nicht märchenhafte, sondern eigentlich nervenaufreibend spannende Psychopathen-Schocker unter 180 Einreichungen ausgewählt wurde und im vergangenen Jahr den vom Pay-TV-Sender 13th Street verliehenen 'Shocking Shorts Award' gewann.

Die beiden nutzten ihren Siegpreis, ein zweiwöchentliches Hollywood-Praktikum, um Branchen-Kontakte zu knüpfen. Und im Herbst beginnen bereits die nächsten wichtigen Dreharbeiten: Aus 'On Air' soll ein 90-Minüter werden, den die beiden in die deutschen Kinos bringen wollen.
'Das nötige Quäntchen Glück muss man einfach haben', sagt Carsten Vauth, der 1980 im niedersächsischen Wesertal geboren wurde und 2007 die eigene kleine Filmproduktion Big Bear gegründet hatte, im Rückblick. Für seinen Abschlussfilm hatte er einen Kameramann gesucht und war auf den Oberpfälzer Marco J. Riedl (Jahrgang 1969) gestoßen.

Der schreibt seit seinem Film- und Fernsehstudium in Dortmund mit großer Leidenschaft auch Drehbücher und hatte eines Tages einen ehrgeizigen Plan gefasst: 'Ich wollte einen Film drehen', so Riedl, 'um damit den 'Shocking Shorts Award' zu gewinnen'. Den Kontakt zum Hauptdarsteller Markus Knüfken, der in 'On Air' den einsamen Radio-DJ 'Doc Roc' spielt, der live in der Sendung einen furchterregenden Anruf eines Serienmörders erhält, stellte Vauth her.
'Kurzfilme sind auch bei renommierten Schauspielern sehr beliebt', erzählt der Nachwuchsregisseur Riedl. 'So können sie auch einmal ihre Genrefilm-Fähigkeiten unter Beweis stellen.

' Bei der geplanten 90-Minuten-Fassung, die Vauth und Riedl ab Herbst in Angriff nehmen und gemeinsam ins Kino bringen wollen, wird Knüfken auf jeden Fall wieder dabei sein, auch wenn er für die Kurzfilm-Fassung - wie übrigens alle Beteiligten - ohne Honorar auskommen musste.

Möglich macht den großen Wurf, für den die beiden jungen Filmemacher natürlich lieber heute als morgen mit dem Drehen beginnen würden, ein echter 'Shocking Shorts Fan': Daniel Polster, ein Unternehmer, der sonst keine Verbindungen zur Film- und Fernsehbranche hat, wird mit seiner in Leipzig neu gegründeten PPP Polster & Pohl Pictures die 'On Air'-Langfassung Wirklichkeit werden lassen.
'Polster hat unseren Film durch Zufall entdeckt', freut sich Carsten Vauth noch heute. 'Er kauft sich jedes Jahr die Shocking-Shorts-DVD mit den Gewinnerfilmen.' Vom gemeinsamen Thriller war Daniel Polster offenbar von der ersten Minute an begeistert.

Derzeit sitzt Marco J. Riedl über der Drehbuchfassung, die er bis Ende Juni fertig haben möchte: 'Natürlich erzählen wir jetzt auch eine kleine Vorgeschichte von Doc Rock, seiner Familie und dem Nachtschlitzer. Außerdem wird es natürlich einen zweiten Handlungsstrang geben.' Mit dem renommierten Kurzfilmpreis im Rücken und der Unterstützung durch den Investor müssen die beiden jetzt weniger Klinken putzen und können schneller planen. 'Man kommt jetzt viel leichter an die wichtigen Leute heran', erzählt Carsten Vauth nicht ohne Stolz.

Dem Selbstbewusstsein der beiden Filmemacher einen großen Schub gegeben hat natürlich auch das von der 13th Street-Mutter Universal Networks spendierte 'Hollywood Stipendium', bei dem Vauth und Riedl einmal dort hinter die Kulissen blicken durften, wo sie sich ohnehin heimisch fühlen. 'Wir machen gerne Filme', sagt Carsten Vauth, 'die sich eher am amerikanischen als am deutschen Stil orientieren'.

Mit einem exklusiven 'Backstage Pass' öffneten sich für die beiden während des zweiwöchentlichen Aufenthalts viele Türen - nicht nur in den Universal Studios, sondern auch bei anderen großen Filmfirmen, Produktionsgesellschaften und Casting-Agenten.
Am meisten beeindruckte sie ihre Teilnahme an einem der regelmäßigen Drehbuchtreffen der Hollywood-Studios, wo in großer Runde besprochen wird, was die Ideen-Scouts über ein Wochenende an neuen Stoffen zum Lesen mit nach Hause genommen hatten. 'Wie schnell hier über Filme geurteilt wird, war schon aufregend', so Marco J. Riedl.
Auch bei Set-Besuchen, etwa zu den Dreharbeiten für den Actionfilm 'Fast & Furious Five', der Ende April in die deutschen Kinos kam, wurden die beiden Deutschen immer offen und freundlich empfangen. 'Immer wieder hörten wir aufmunternde Worte', so Riedl. 'Jungs, Ihr macht das ganz richtig' - dieses Lob hat ihn am meisten gefreut.
Ein Höhepunkt des Hollywood-Trips war schließlich ein Treffen mit dem deutschen Erfolgsregisseur und Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck ('Das Leben der Anderen', 'The Tourist'), der mit seinem Frühwerk 'Doberman' den ersten 'Shocking Shorts Award' gewonnen hatte. Immerhin wollen die beiden aktuellen Preisträger den Wettkampf mit dem großen Vorbild sportlich vorantreiben. 'Wir sind jetzt schon schneller als von Donnersmarck mit seinem ersten Spielfilm', scherzt Carsten Vauth augenzwinkernd. Und Marco J. Riedl freut sich schon auf das nächste Wiedersehen. 'Mit dem fertigen Film fliegen wir im Mai nächsten Jahres natürlich wieder nach Hollywood.' Tradition verpflichtet.
Der nächste 'Shocking Shorts Award' wird am 28. Juni im Rahmen des Münchner Filmfests verliehen.© 2011 teleschau - der mediendienst Kommentiere diesen Artikel'Shocking'-Jury steht fest
14. Jun 2011, 16:45
Acht Juroren müssen es sein, und jetzt steht sie, die prominente Jury des zwölften 'Shocking Shorts Awards', der auch in diesem Jahr vom ... ... mehr






Manu 9. Jun 2011, 05:14
Marco, ihr schafft das! Go on!
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