Film Star Portrait
Tom Hanks - Tausendsassa des Monats
Tom Hanks ist nicht nur in 'Larry Crowne' (Start: 30.06.) mit seinem Leben zufrieden
Von Claudia Nitsche 24. Jun 2011, 15:34

In 'Larry Crowne' spielt Tom Hanks einen Supermarkt-Leiter, der plötzlich seinen Job verliert. © Kinowelt
Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen. Wenn es stimmt, das Sprichwort, muss Tom Hanks ganz schön erschlagen sein von seinem Leben. Dieser stete Erfolg ist sicher längst garstige Langeweile. Zwei Rekorde hält er, der skandalfreie Ehemann, Papa und neuerdings auch Großvater. Er ist weder Weglächler noch Durchschleimer, das wäre eine Unterstellung und eigentlich glatt gelogen. Denn Tom Hanks ist anders. Ganz anders als seine tollpatschigen Rollen. Wenn er will, ist er eine One-Man-Show, wie bei seiner aktuellen Produktion 'Larry Crowne' (Start: 30. Juni).

Hanks entschied sich nach 'Der Krieg des Charlie Wilson' (2007) und 'Illuminati' (2009) für eine einfache Story. Ein simples Märchen vom gefeuerten Supermarktmanager, der im Zuge der Midlifecrisis aufs College geht, Roller fährt und sich in seine Professorin verliebt. Der 54-Jährige produziert, dirigiert und spielt selbst - nach einem Drehbuch von sich selbst, mit dem er Julia Roberts überzeugen konnte. Das heißt aber auch, Hanks kann niemanden beschuldigen außer sich selbst, wenn 'Larry Crowne' nicht der erwartete Erfolg wird.
Aber der Kalifornier würde ohnehin nie jemand anderen zum Sündenbock erklären.

Auch wenn es zum Beispiel eine zweite Drehbuchautorin gab: in diesem Fall Nia Vardalos, die 2002 auch 'My Big Fat Greek Wedding' schrieb. Niemals wäre es ihr Fehler gewesen, wenn Julia Roberts die Geschichte nicht witzig genug gefunden hätte. Hanks ist in einem Punkt sehr konsequent: Er gibt immer sich selbst die Schuld. Und genau das ist das Geheimnis seiner Bodenhaftung.
Jeden Abend, so sagte er in einem denkwürdigen Moment, 'lege ich mich ins Bett und überlege mir, was ich schlecht gemacht habe'. Wie bitte? Ja, so ist das bei ihm. Er könnte besser sein.

Er hat ja nur zwei Oscars in Folge erhalten, was vor ihm nur Spencer Tracy in den 30-ern gelang, in denen es noch nicht die Vielfalt und Auswahl an guten Schauspielern gab. Hanks erhielt die höchste Auszeichnung 1994 für 'Philadelphia' und im Jahr darauf für 'Forrest Gump'. Von den BAFTA Awards, den Golden Globes und Weiterem gar nicht angefangen. Er ist der jüngste Würdenträger des American Film Institutes, dort wurde ihm schon vor neun Jahren die Auszeichnung für sein Lebenswerk verliehen. Mit Mitte 40. So jung hat das noch keiner geschafft. Und das nur wegen seines knautschigen Gesichts? Sicher nicht.

Lange Jahre musste sich der freundliche Mann vom Image des schüchternen Jungen freischwimmen. Er wirkt, als spiele er seine Rollen im Vorbeigehen, doch sein Aufwand war oft gewichtig: Schon 1992 nahm er für den Baseballtrainer in 'Ein Klasse für sich' 15 Kilogramm zu, angeblich vor allem mit Hilfe von Eiscreme. 30 Pfund verlor er für 'Philadelphia', um für 'Cast Away - Verschollen' (2000) erst 50 Pfund zu- und dann wieder abzunehmen.
Dabei muss er nicht alles ausprobieren, auf die Bösen legt er wenig wert. Den Antihelden will er nur spielen, wenn er seine Motivation verstehen kann, nicht um des Effektes willen.
Ansonsten bleibt er gerne bei dem, was er gut kann. Er taugt zum kleinen Mann, zum hilflosen Helden. Weil er es schafft, das Allgemeine zum Besonderen zu erheben, auf der Leinwand und im Dialog.
Und er ist witzig, wenn andere langweilig sind. Geht es zum Beispiel um die Standardlobrede über Kollegen, lästert Hanks fantasievoll los oder sagt so etwas wie 'Keine Ahnung, wie der/die in den Film kam. Mir hat da keiner Bescheid gesagt, ehrlich.' Er ist der Jedermann des Hollywood-Kinos und eine treue Seele. Dreimal spielte er mit Meg Ryan in einer romantischen Komödie, 'Joe gegen den Vulkan' machte 1990 den Anfang, dann folgte der sensationell erfolgreiche 'Schlaflos in Seattle' 1993 und schließlich fünf Jahre später 'E-Mail für Dich'.
Bruce Springsteen ist sein alter Kumpel aus Jugendtagen, die ihm nicht gut gefallen haben - zu viele neue Stiefmütter, zu viele Umzüge. Denn seine Eltern waren sehr progressiv für das Jahr 1960 und ließen sich scheiden. Er hingegen spart sich Plattitüden wie 'Ehemann und Vater ist seit mehr als 20/30 Jahren meine schönste Rolle', er posaunt nicht herum, dass er seit Februar Großvater ist. Sagt stattdessen Dinge wie 'Die Kinder sollen raus aus dem Haus!' und nimmt den Faden inhaltlich wieder auf, wenn er die Journalisten Jahre später wieder zum Interview trifft.
Hanks hat vier Kinder, zwei von seiner verstorbenen ersten Frau Samantha Lewes und die anderen beiden mit Rita Wilson, mit der er seit 23 Jahren verheiratet ist. Colin Hanks hat mit 33 seinen Vater zum Opa gemacht, Tochter Elizabeth muss nächstes Jahr tapfer sein und ihren 30. feiern, Chet Hanks ist 20 und Truman Theodore 15.
Der zugehörige Vater ist 1,83 Meter groß, läuft aber oft ein wenig gebückt. Sein Leben mag er trotzdem, auch wenn er sich kleiner macht und seinen Zenit in den 90-ern erreicht hat. 71 Millionen Dollar verdiente er 1999. In den folgenden Jahren tat er nur noch, worauf er Lust hatte. Regie wollte er eigentlich nicht mehr führen, denn die Opfer waren bei seinem ersten Versuch groß. Es begab sich 1996, da man ihm, dem größten 'Star Trek'-Fan, eine Rolle bei 'Der erste Kontakt' anbot. Eigentlich ein Grund, herumzutanzen, wie er es als Larry Crowne vor Julia Roberts Haustür tut. Gerüchten zufolge stammt die Szene übrigens aus der Realität, als sie für die Rolle zusagte. Jedenfalls musste er bei 'Star Trek' ablehnen, weil er an 'That Thing You Do!' arbeitete, seinem ersten Regiewerk.
Jetzt, nachdem sein zweiter Anlauf im Kasten ist, wird er die nächsten Monate erst einmal wieder 'nur' Darsteller und Produzent sein: Im Spätsommer beginnt die Verfilmung von 'Der Wolkenatlas' im Studio Babelsberg unter der Regie von Tom Tykwer ('Das Parfum') gemeinsam mit den Wachowski-Brüdern ('Matrix'). Wer, wenn nicht dieses Gespann, könnte 1.000 Jahre Zeitgeschichte auf 120 Minuten zusammenschmelzen? In einer weiteren Romanverfilmung taucht der Mann, dessen großer Bruder übrigens Larry heißt, nächstes Jahr neben Sandra Bullock auf. Da wird auf die Tränendrüse gedrückt, wenn es im Zusammenhang mit dem 11. September heißt: 'Extremely Loud And Incredibly Close'. Also sehr laut und unglaublich nah ...
© 2011 teleschau - der mediendienstDer Krieg des Charlie Wilson - Do. 28.07 - ZDF: 22.15 Uhr
28. Jul 2011, 22:15
Absurdes Theater auf der großen Bühne Weltpolitik: Mike Nichols erzählt in einer starbesetzten Satire von Dingen, die ihm kein Mensch abkaufen würde, wären sie nicht wirklich passiert. ... mehrCast Away - Verschollen - Mi. 06.07 - SAT.1: 20.15 Uhr
6. Jul 2011, 20:15
Tom Hanks als Schiffsbrüchiger auf einer einsamen Insel: Robert Zemeckis' Drama geht unter die Haut. ... mehrLarry Crowne
27. Jun 2011, 09:01
Erst ist er zu gut für diese Welt, dann nimmt er sich, was ihm gefällt: 'Larry Crowne'. ... mehrStaraufgebot für den 'Wolkenatlas'
13. Mai 2011, 16:15
Tom Hanks bekommt Unterstützung: Nach Susan Sarandon und Jim Broadbent traten dem Cast für die Romanadaption 'Der Wolkenatlas' nun auch Hugo ... ... mehr










