Kino Kritiken
Herzensbrecher
Vor Hoffnung blind
Von Claudia Nitsche 29. Jun 2011, 12:04

'Herzensbrecher' lief in Cannes in der Nebenreihe 'Un certain regard' © Koolfilm
Es muss nicht immer ein Problemfilm sein. Sein Debüt nannte Xavier Dolan zwar 'I Killed My Mother' (2009). Von einem Mord war der Kanadier, der auch die Hauptrolle spielte, jedoch weit entfernt. Den 'Herzensbrecher' meint er dagegen jetzt ernst. Der 22-Jährige setzt eine Menage à trois in Szene, die gleichermaßen tiefgründig, leicht und schwer vergnüglich ist. Ein zeitloses Werk über das Verlieben, das in Cannes und Sydney Beachtung fand und zeigt, dass es wahr ist: Dieser Xavier Dolan ist nicht nur Art Director, Schauspieler, Produzent, Drehbuchautor, Regisseur und verantwortlich für den Schnitt. Er kann das alles auch.
Es ist also völlig in Ordnung, dem in Montreal geborenen Wunderkind mit dem wahrlich smarten Lächeln staunend gegenüberzustehen und ungläubig den Kopf zu schütteln. Es macht viel Spaß, ihm zuzusehen - und sogar zuzuhören. Dolan sagt, dass dieser Film nicht vorgesehen war. Er kam von einem Roadtrip mit einem Freund und einer Freundin zurück, erfuhr, dass das vorgesehene andere Projekt abgesagt wurde. Die Aussicht, ein Jahr lang nichts zu tun zu haben, versetzte ihn in Panik. Er suchte nach einer Alternative und schrieb schnell im Zug die Story zu 'Herzensbrecher'; inspiriert vom eigenen Urlaub.

Mary (Monia Chokri) und Francis (Dolan selbst) sind bis zu dem Tag gute Freunde, an dem sie Nick (Niels Schneider) begegnen. Fortan treten sie in Konkurrenz, ohne das natürlich zuzugeben. Doch die Schwerter sind geschärft, und jeder kämpft nach seiner Fasson, aber auf jeden Fall lächelnd. Und ganz schlecht getarnt, zumindest für den Zuschauer. Francis, sensibel und homosexuell, und die sarkastische Mary, nur halb so desillusioniert, wie sie vorgibt, sind begeistert von diesem Engel, seinen blonden Locken, dem verträumten Blick. Beide trifft es gleichermaßen ins Mark, als sie bemerken, dass Nick sie beide mag, beide einlädt.

Toll, wie Schneider die Balance dieser nicht einfachen Rolle hält. Brillant, wie präzise Monia Chokri das harte Mädchen spielt und dann noch das herzerweichende Leiden von Dolan. Und dieser Dolan leistet als Regisseur Großes. All die Figuren können behaupten, was sie wollen - die Kamera verrät uns alles. Geräusche werden verstärkt, Bildabfolgen verlangsamt und Großaufnahmen von Details machen unbeabsichtigte Gefühlsregungen sichtbar.
Diese Menage à trois ist ernst und dramatisch und doch ungemein ironisch.

Sodass es großes Vergnügen bereitet, all die Kleinigkeiten zu beobachten und sich ein wenig zu schämen, entweder für die Charaktere auf der Leinwand oder für ein ähnliches Beispiel aus dem eigenen Leben.
Dolans Bildsprache ist umwerfend, seine Kompositionen formidabel. Beeindruckend in diesem Zusammenhang sein Statement, dass er den angemessenen Stil für seine Geschichte finden möchte, nicht einen eigenen. Es gehe ihm keineswegs um eine Handschrift. Ein intelligenter Ansatz. Nichtsdestoweniger entlarvt er seine Darsteller, genießt ihre Turbulenzen und manchmal tanzen die Bilder zur Musik. Tatsächlich.

Mehr über Monia Chokri
Hier finden Sie Artikel und Bilder zu Monia Chokri
Mehr über Niels Schneider
Hier finden Sie Artikel und Bilder zu Niels Schneider
Mehr über Xavier Dolan
Hier finden Sie Artikel und Bilder zu Xavier Dolan
Mehr Artikel ...











Zur Zeit sind keine Kommentare für diesen Beitrag vorhanden.
Hier als erster einen neuen Kommentar verfassen