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Thomas Kretschmann - 'Ich bin echt kein Autonarr'

Thomas Kretschmann spricht in 'Cars 2' (Kinostart: 28. Juli) den Bösewicht Professor Zündapp

Von Andreas Fischer 18. Jul 2011, 17:15

Pragmatisch: 'Ich bin echt kein Autonarr und benutze Autos ganz einfach als Fortbewegungsmittel', sagt Thomas Kretschmann. © Disney / munichpress.de / Guenther Reisp

Pragmatisch: 'Ich bin echt kein Autonarr und benutze Autos ganz einfach als Fortbewegungsmittel', sagt Thomas Kretschmann. © Disney / munichpress.de / Guenther Reisp

Unser Mann in Hollywood: Thomas Kretschmann ('King Kong', 'Wanted', 'Der Pianist') ist nicht nur als Schauspieler in der Traumfabrik angekommen. Der 48-Jährige ist auch der erste Deutsche, der in einem Pixar-Film eine große Synchronrolle übernimmt. In 'Cars 2' spricht Thomas Kretschmann in der amerikanischen Originalfassung Professor Zündapp. Auch in der deutschen Version (Kinostart: 28. Juli) hat Kretschmann die Rolle des Bösewichts inne: In Pixars umweltbewusstem CGI-Feuerwerk will Zündapp verhindern, dass sich Biosprit als Treibstoff durchsetzt.

teleschau: Herr Kretschmann, ein Hollywoodstar hat doch bestimmt mehrere Autos in der Garage, oder?

Thomas Kretschmann lieh in Cars 2 dem Bösewicht Professor Zündapp gleich zwei Mal seine Stimme: In der US-Version und in der deutschen Synchronfassung. © Disney / munichpress.de / Guenther Reisp

Thomas Kretschmann lieh in 'Cars 2' dem Bösewicht Professor Zündapp gleich zwei Mal seine Stimme: In der US-Version und in der deutschen Synchronfassung. © Disney / munichpress.de / Guenther Reisp

Thomas Kretschmann: Ich habe genau eins. Einen VW Touareg Hybrid.

teleschau: Hybrid? Das ist sehr löblich und passt zum Grundthema von 'Cars 2' ...

Kretschmann: Ich bin jetzt nicht wirklich 'öko'. Aber wenn man mit kleinen Beiträgen etwas für die Umwelt tun kann, dann sollte man das auch. Das ist der eine Punkt. Der zweite: Es ist viel billiger für mich, einen Hybrid zu fahren - mit einer Tankfüllung komme ich fast 1.000 Kilometer weit.

teleschau: Der Touareg ist ja trotzdem ein ganz schön großes Auto ...

Kretschmann: Das brauche ich auch. Ich habe drei Kinder und zwei Hunde.

Auch im Synchronstudio wird richtig geschauspielert, verrät Thomas Kretschmann. © Disney / munichpress.de / Guenther Reisp

Auch im Synchronstudio wird richtig geschauspielert, verrät Thomas Kretschmann. © Disney / munichpress.de / Guenther Reisp

teleschau: 'Cars 2' thematisiert das Umweltbewusstsein, das in der Gesellschaft eine immer größere Rolle spielt: Was hat sich in Ihrem Mobilitätsverhalten in den letzten Jahren verändert?

Kretschmann: Eigentlich nichts. Ich lebe in Los Angeles - da muss ich einfach Auto fahren. Eine andere Möglichkeit der Fortbewegung gibt es nicht. In der Regel sitze ich zwei Stunden pro Tag im Auto. Selbst wenn ich wollte, könnte ich nicht mit dem Fahrrad fahren: die Canyons hoch und runter - das ist einfach unmöglich.

teleschau: Haben Sie eine besondere Verbindung zu Autos?

Kretschmann: Ich fahre sie (lächelt).

Disney schickt seine menschelnden Autos auf Welttournee: Cars 2 ist eine Art Werbefilm für Ökobenzin. © Disney

Disney schickt seine menschelnden Autos auf Welttournee: 'Cars 2' ist eine Art Werbefilm für Ökobenzin. © Disney

Ich wollte nie Rennfahrer werden, wenn Sie das meinen. Allerdings schaue ich mir ab und zu ein Formel-1-Rennen an.

teleschau: Ein gesteigertes Interesse an Autos kann man Ihnen also nicht unterstellen?

Kretschmann: Ich bin echt kein Autonarr und benutze Autos ganz einfach als Fortbewegungsmittel. Irgendwann wurde mir mal ein Porsche Cabrio angeboten. Ich setzte mich rein und dachte: 'Das ist ja die reine Unbequemlichkeit.' Ich stieg ganz schnell wieder aus, machte nicht mal eine Probefahrt. Mir ist Fahrkomfort wichtig: Ein Auto als Statussymbol brauche ich nicht.

teleschau: Also ist ein Auto eher Gebrauchsgegenstand als Luxusgut?

Professor Zündapp hat einen finsteren Plan, um die Macht der Öl-Industrie zu erhalten. © Disney / Pixar

Professor Zündapp hat einen finsteren Plan, um die Macht der Öl-Industrie zu erhalten. © Disney / Pixar

Kretschmann: Ganz ehrlich: Wo soll ich denn so ein Auto wie den da unten (vor dem Fenster parkt ein knallroter Ferrari, Anm. d. Red.) fahren? In der Stadt damit rumzugurken, ist nur anstrengend. Und ausfahren lässt er sich, zumindest in Los Angeles, auch nicht - mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 65 Meilen pro Stunde.

teleschau: Dann müssten Sie öfter nach Deutschland kommen und hier drehen ...

Kretschmann: Wenn was anliegt, bin ich da. Aber mein Lebensmittelpunkt ist seit über zehn Jahren Los Angeles.

Zusammen mit Kollegin Bettina Zimmermann, die in Cars 2 einen hübschen Porsche spricht, besuchte Thomas Kretschmann eine DTM-Veranstaltung im Münchner Olympiastadion. © Disney / Guenther Reisp

Zusammen mit Kollegin Bettina Zimmermann, die in 'Cars 2' einen hübschen Porsche spricht, besuchte Thomas Kretschmann eine DTM-Veranstaltung im Münchner Olympiastadion. © Disney / Guenther Reisp

teleschau: Sie sprechen auch in der US-Version von 'Cars 2' das Verbrechergenie Professor Zündapp: Störte es sie, dass sie als Deutscher den Bösewicht spielen?

Kretschmann: Ganz und gar nicht. Ich fühlte mich viel mehr geehrt, dass ich die Rolle sprechen durfte. Pixar ist für mich das geilste Animationsfilmstudio: Die Leute dort sind einfach genial, jeder Film ist ein echter Hammer. Von ihnen gefragt zu werden, als erster Deutscher überhaupt, ist ein riesiges Kompliment. Zumal die Rolle lustig war: 'bad guys' sind lustiger als 'good guys'. Als Deutscher einen Bösewicht zu sprechen - damit habe ich persönlich kein Problem.

Das wird eher von den Medien zum Problem gemacht.

teleschau: Es fällt halt immer mal auf, dass die Deutschen in Hollywood eher die Bösewichte sind. Nicht erst seit 'Indiana Jones' ...

Kretschmann: Diese Geschichten interessieren mich nicht wirklich. Für mich ist wichtig, was ich selbst mache.

teleschau: Als Schauspieler müssen Sie Filme oft nachsynchronisieren, damit die Dialoge verständlich sind: Was ist bei einem Animationsfilm anders?

Kretschmann: Es ist einfacher, Autos eine Stimme zu geben, als eigene Dialoge punktgenau und lippensynchron nachzusprechen. Ansonsten war es bei der Originalfassung so, dass wir im Synchronstudio auch richtig geschauspielert haben. Das wurde auch aufgenommen, und die Animatoren haben sich ein Stück weit daran orientiert. Im Prinzip hat sich das nicht von normalen Dreharbeiten unterschieden.

teleschau: Wie lange waren Sie für 'Cars 2' im Studio?

Kretschmann: Die deutsche Version war in zwei Stunden eingesprochen. Die Arbeit an der Originalfassung hat sich allerdings über ein Jahr hingezogen. Man geht da nicht einfach ins Studio, spricht ein paar Sätze - und dann war's das.

teleschau: Sondern?

Kretschmann: Es gibt die ersten Sprachaufnahmen, mit denen die Animationskünstler dann arbeiten. Meistens passt irgendetwas nicht genau, oder es gibt Änderungswünsche - das heißt also: zurück vors Mikrofon. Das war ein langsamer Prozess, der sich über zwölf Monate hinzog.

teleschau: Sie sind einer der wenigen Deutschen, die sich in Hollywood richtig durchgesetzt haben. Spüren Sie deswegen einen besonderen Druck des öffentlichen Interesses?

Kretschmann: Ach was. Mein Leitmotiv ist: Ich habe keine Zeit zu gucken, ob andere gucken. Ich mache einfach die Dinge, die ich richtig finde und lasse mich nicht unter Druck setzen. Ich will einfach nur interessante Filme machen, und es ist mir wurst, wo sie gemacht werden.

teleschau: Apropos: Ist es schwieriger geworden, interessante Filme zu machen? Hollywoodfilme entwickeln einen immer stärkeren Eventcharakter.

Kretschmann: Es gibt im Moment vor allem die Extreme: 100- oder 200-Millionen-Dollar-Filme, die vor allem von ihren Effekten leben oder die ganz billigen Produktionen, bei denen sich jeder Beteiligte zerreißt, um im finanziellen Limit zu bleiben. In den letzten Jahren sind viele Projekte weggebrochen, die im mittleren Budgetbereich liegen. Aber genau das sind die spannenden: technisch gut ausgestattete Produktionen, die nicht nur auf Spezialeffekten basieren, und in denen man als Schauspieler gefordert wird. Fakt ist: Je größer der Film, desto langweiliger ist es für Schauspieler: Du wartest die ganze Zeit, bis die Leute mit ihren 'special effects' klarkommen, dann bist du zwei Sekunden lang gefragt, und dann wartest du wieder ein paar Stunden. Das ist nicht wirklich befriedigend.

teleschau: Sie spielten in den letzten Jahren auch wieder öfter in deutschen Fernseh- und Kinofilmen mit: Haben Sie hierzulande denselben Eindruck?

Kretschmann: Hier funktioniert viel über das Fernsehen. Dass ein Kinofilm seine Produktionskosten wieder einspielt, ist schwierig, fast unmöglich - weil die wenigsten ins Ausland verkauft werden. Ein amerikanischer Film spielt im Normalfall sein Geld in den US-Kinos wieder ein und macht dann im Ausland Profit. Das fällt bei deutschen Filmen meist weg: Man kann also kaum teure Filme machen.

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