TV Star Portrait
David Rott - Udo, der Unsichere
David Rott spielt Udo Jürgens im Zweiteiler 'Der Mann mit dem Fagott' (Do., 29.09., und Fr., 30.09., jeweils 20.15 Uhr, im Ersten)
Von Eric Leimann 1. Sep 2011, 19:20

ARD-Zweiteiler 'Der Mann mit dem Fagott': Der junge Udo Jürgens (David Rott) nimmt seine erste Schallplatte auf. © ARD Degeto / Ziegler Film / Graf Filmproduktion / ORF/ Toni Muhr
Schlanke Silhouette, ausgeprägtes Profil, strenger Seitenscheitel - David Rott kommt dem jungen Udo Jürgens in der aufwendigen Verfilmung von dessen Bestseller-Autobiografie 'Der Mann mit dem Fagott' (Do., 29.09., und Fr., 30.09., jeweils 20.15 Uhr, im Ersten) schon recht nah. Und doch lastete auf dem am berühmten Wiener Max Reinhardt-Seminar ausgebildeten Mimen ein gewaltiger Druck. Wie spielt man eine lebende Musiklegende, die einem beim Drehen die ganze Zeit zuschaut? Zumal, wenn man selbst eigentlich kein Klavier spielt.
teleschau: Wissen Sie um die auffälligste Ähnlichkeit zwischen Ihnen und Udo Jürgens?

David Rott: Nein, jetzt bin ich gespannt ...
teleschau: Sie sehen beide mindestens zehn Jahre jünger aus, als sie tatsächlich sind. Sie wurden gerade 34 - was man kaum glauben kann.
Rott: Haha, das mag sein. Ich bin am ersten Tag im September 34 geworden und '77 geboren. Udo Jürgens wird am letzten Tag des Septembers 77 und ist '34 geboren. Das ist lustig, oder?
teleschau: Sind Sie ein Anhänger von solchen Zahlenspielen?
Rott: Nein, Quatsch. Ich bin kein Mystiker.
teleschau: Aber ein Fan von Udo Jürgens?
Rott: Wir sind uns im Laufe dieses Projektes ziemlich nah gekommen.

Es ist ja sehr ungewöhnlich, dass man einen Menschen spielt, der noch am Leben ist und diesen Film auch während der Dreharbeiten intensiv begleitet. Der dazu auch noch selbst in diesem Film mitspielt!
teleschau: Klingt so, als wären Sie vorher schon ein wenig nervös gewesen?
Rott: Kann man so sagen. Bevor die Dreharbeiten losgingen, habe ich ein paar Tage wirklich schlecht geschlafen. Ich wollte auch beim Drehen anfangs nicht, dass Udo mir zusieht. Ich habe das ganz klar abgelehnt! Weil es nichts bringt, wenn ich befangen bin und das Resultat darunter leidet. Er fand das anfangs ein bisschen komisch.

Später habe ich mich beruhigt, und wir waren oft zur gleichen Zeit am Set.
teleschau: Dann durfte der echte Udo Jürgens seiner jüngeren Version beim Karrieremachen zusehen?
Rott: Ja, aber er hat das ganz toll gemacht und sich völlig zurückgehalten. Wenn er etwas gesagt hat, dann war das überaus positiv und hilfreich.
teleschau: Zum Beispiel?
Rott: Ach, das war nichts, was das Spielen betraf. Eher solche Details, wie weit das Mikro von meinem Mund weg sein sollte und solche Dinge.
teleschau: Er hat also nie gesagt: So bin ich nicht!
Rott: Nein, das war alles super.

Er ist von Anfang an total abgebrummt auf das, was ich da gemacht habe. Das ist natürlich ein großes Kompliment. Sollte die absurde Situation eintreten, dass mein Leben verfilmt würde, könnte ich mich als Zuschauer sicher nicht so zurücknehmen, wie Udo Jürgens das konnte.
teleschau: Hatte er ein Mitspracherecht bei der Auswahl des Schauspielers?
Rott: Mehr als das. Es gab ein Casting, und dann hatten er und sein Bruder die letzte Entscheidung, wer es werden würde. Sie fiel zum Glück für mich ziemlich eindeutig aus.
teleschau: Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Mit einer selbst entwickelten Idee, wie der junge Udo Jürgens wohl so gewesen ist?
Rott: Wenn man als Schauspieler erfährt, dass man eine reale Person verkörpert, sucht man erst mal Futter, also Informationen zu diesem Leben. Das ist im Fall Udo Jürgens natürlich ein Fass ohne Boden. 'Youtube' ist voll mit Videos, auch Platten gibt es ohne Ende. Dazu den Roman, den er geschrieben hat. Schließlich bin ich vier Tage nach der Casting-Entscheidung nach Zürich geflogen und habe ihn daheim besucht. Wir haben uns lange unterhalten. Es war so viel Information, dass ich irgendwann aufhören musste, mir weiteren Input zu besorgen.

Ich sagte mir dann einfach: Hey, du spielst nicht den Udo Jürgens, den jeder kennt. Du spielst einen jungen Typen, der unsicher ist und keinen Erfolg hat.
teleschau: Das war Ihre Grundidee zur Rolle?
Rott: Ja, irgendwie schon. Ein junger Mann, der im Leben unsicher ist. Der aber in dem Augenblick Sicherheit gewinnt, da er am Klavier sitzt. Das sieht auch jeder, der Udo Jürgens live auf der Bühne erlebt. Er geht ans Klavier und erst, wenn er da angekommen ist, denkt man: Ja, richtig - da gehört er hin. In diesem Moment macht es irgendwie 'klick' bei ihm.
teleschau: Fanden Sie in der persönlichen Begegnung mit Udo Jürgens überraschende Dinge?
Rott: Dass der Mann mit fast 77 Jahren immer noch nicht angekommen ist - im positiven Sinne. Er ist immer noch nervös vor allem, was er macht. Er ist neugierig und setzt sich nicht in den breiten Sessel, der ihm nach all seinen Erfolgen zustehen würde. Immerhin ist Udo Jürgens, so weit ich weiß, der einzige Künstler in Deutschland, der einen lebenslangen Vertrag mit seiner Plattenfirma hat. Einer, der nach 40 Jahren immer noch mit jedem Album Gold holt und es mit 77 Jahren schafft, dass seine Tour nach wenigen Tagen ausverkauft ist. Alles ziemlich unglaublich, wie ich finde.
teleschau: Was hat der Name Udo Jürgens in Ihnen ausgelöst, bevor Sie mit diesem Projekt zu tun bekamen?
Rott: Eigentlich gar nichts. Ich kannte den Namen und ein paar Lieder. Musikalisch bewege ich mich auf anderem Terrain. Insofern war das Neuland für mich.
teleschau: Hatten Sie ihn als Schlager-Fuzzi abgeheftet?
Rott: Ja, das dachte ich ursprünglich. Ich merkte erst später, dass seine Sachen wesentlich anspruchsvoller sind. Udo Jürgens' Texte trafen fast immer den Nerv der Zeit. Und sie holten die Leute an einem Punkt ab, von dem aus sie folgen konnten. Dahinter steckt ein großes Gespür. Und er hat natürlich ein unglaubliches Talent für Melodien.
teleschau: Wie viel hat David Rotts Leben abseits dieser Rolle mit Musik zu tun?
Rott: Sehr viel. Ich hatte zehn Jahre lang klassischen Geigenunterricht und machte dann später auch viel Straßenmusik: freie Klassik, Improvisation und ein bisschen Irish Folk. Seit ich 15 bin, spiele ich auch Gitarre. Habe auch ein paar Songwriter- und Bandversuche hinter mir. Musik war immer sehr wichtig für mich. Ich habe viele Rollen über Musik vorbereitet, um das Innenleben einer Figur spürbar zu machen.
teleschau: Wie funktioniert so etwas bei Ihnen?
Rott: Es geht darum, sich eine Stimmung zur Rolle holen und diese auszuweiten. Das kann über Bilder funktionieren oder eben über Musik. Frank Wedekinds 'Frühlingserwachen', die Figur der jugendlichen Hauptfigur Moritz Stiefel, habe ich zum Beispiel fast ausschließlich über Musik vorbereitet. Damals hörte ich ganz viel 'Eels'. Außerdem 'Sex Pistols' oder 'Beck'.
teleschau: Man sieht Sie im Film logischerweise oft am Klavier sitzen. Können Sie eigentlich spielen?
Rott: Ich habe es für diesen Film gelernt. Es gab einen Coach, der hat das alles mit mir erarbeitet. Jene Stücke, die ich im Film vortrage, kann ich auch selbst spielen. Trotzdem war es ein harter Job. Es war von Anfang an klar, dass ich die Tasten zum Playback bediene - schließlich singt der echte Udo Jürgens die Songs selbst. Ich hörte mir also diese Playbacks tausendmal an, damit ich die Einsätze hinbekomme - was gerade bei seiner Musik schwierig zu leisten ist. Die Einsätze kommen nämlich gerne mal zeitlich verschoben und ziemlich 'laid back', da hört man seine Herkunft vom Jazz.
teleschau: Im Gegensatz zu Udo Jürgens, der erst um die 30 berühmt wurde, spielten Sie direkt nach der Schauspielschule an renommierten Theatern. Heute werden Sie vom Fernsehen gerne genommen, wenn es darum geht, historische Rollen mit einem jungen, gut aussehenden Helden zu besetzen.
Rott: Gut, dieser Film ist natürlich ein Aushängeschild, ein Riesenprojekt. Aber ich spiele auch ganz anderen Sachen in kleineren Filmen, die weniger bunt sind. In der Tat lief es bei mir von Anfang an ganz gut mit der Schauspielerei. Wenn man sich allerdings die Karriere von Udo Jürgens anguckt, ist bei mir nach oben hin noch massig viel Platz (lacht).
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