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Roeland Wiesnekker - 'Manchmal ist es nicht lustig'

Roeland Wiesnekker spielt im ZDF-Drama 'Ich habe es Dir nie erzählt' (Mo., 26.09., 20.15 Uhr)

Von Jens Szameit 8. Sep 2011, 14:47

'Ich weiß, wie es ist, mit wenig Geld zu leben': Im ZDF-Film 'Ich habe es Dir nie erzählt' spielt Roeland Wiesnekker den Schulhausmeister Andi Jannings, einen geschiedenen und verschuldeten Ex-Alkoholiker. © ZDF / Barbara Bauriedl

'Ich weiß, wie es ist, mit wenig Geld zu leben': Im ZDF-Film 'Ich habe es Dir nie erzählt' spielt Roeland Wiesnekker den Schulhausmeister Andi Jannings, einen geschiedenen und verschuldeten Ex-Alkoholiker. © ZDF / Barbara Bauriedl

Nein, ein großer Redner ist Roeland Wiesnekker nicht. Das muss er aber auch gar nicht. Bei dem 43-jährigen Schauspieler spielt sich alles Wichtige im Gesicht ab: einer Charaktervisage, die manchmal die Last und die Abgründe der ganzen Welt widerzuspiegeln scheint. Wäre mediale und kollegiale Wertschätzung ein Ausweis von Popularität, dann wäre der in Zürich lebende Sohn niederländischer Eltern einer der Superstars des deutschsprachigen Films. Mit hoch gelobten, aber teils böse gefloppten Arbeiten wie 'Strähl', 'Blackout' und 'Dr. Psycho' erspielte er sich ein Renommee, dem auch seine neue Rolle zur Ehre gereicht.

In der Schauspielbranche spüren inzwischen viele den Druck sehr unmittelbar, sagt Roeland Wiesnekker, der die Existenznöte seiner Figur Andi Jannings gut nachfühlen kann. © ZDF / Barbara Bauriedl

'In der Schauspielbranche spüren inzwischen viele den Druck sehr unmittelbar', sagt Roeland Wiesnekker, der die Existenznöte seiner Figur Andi Jannings gut nachfühlen kann. © ZDF / Barbara Bauriedl

Im ZDF-Montagsfilm 'Ich habe es Dir nie erzählt' (26.09., 20.15 Uhr) verkörpert Wiesnekker an der Seite von Barbara Auer den Schulhausmeister Andi Jannings. Einen geschiedenen und verschuldeten Ex-Alkoholiker, der zurück ins Leben will. Beileibe nicht Wiesnekkers erste Figur, die an der Flasche hängt.

teleschau: Herr Wiesnekker, haben Sie mitgezählt, wie viele Alkoholiker Sie schon gespielt haben?

Roeland Wiesnekker: Nein, dazu habe ich auch gar keine Lust. Zumal meine Trinkerrollen alle sehr verschieden waren. Man muss das Drehbuch sehr genau lesen und sich in die jeweilige Situation, in der die Figur steckt, hineinversetzen.

Nicht die erste Trinkerrolle, aber wieder eine neue Facette: Roeland Wiesnekker an der Seite von Barbara Auer im ZDF-Film Ich habe es Dir nie erzählt. © ZDF / Barbara Bauriedl

Nicht die erste Trinkerrolle, aber wieder eine neue Facette: Roeland Wiesnekker an der Seite von Barbara Auer im ZDF-Film 'Ich habe es Dir nie erzählt'. © ZDF / Barbara Bauriedl

teleschau: Der Hausmeister Andi Jannings, den sie im ZDF-Film spielen, hat eine besonders schmerzhafte Situation zu durchleben. Er muss zusehen, wie Polizeibeamte seine kleine Tochter abholen, weil ihm das Sorgerecht entzogen wurde. Gehen Ihnen solche Szenen besonders nahe, seit Sie selbst Vater sind?

Wiesnekker: Ich denke schon, dass die Sensibilität eine andere geworden ist. Das kenne ich von vielen Kollegen, die Kinder haben, dass man plötzlich einen anderen Blick auf solche Szenen hat. Man kann es eher nachvollziehen, was es bedeutet, wenn einem das eigene Kind weggenommen wird, wenn es einen Unfall hat oder sogar stirbt.

Das Drama spielt sich im Gesicht ab: Roeland Wiesnekker und Barbara Auer gehen schauspielerisch an die Grenzen. © ZDF / Barbara Bauriedl

Das Drama spielt sich im Gesicht ab: Roeland Wiesnekker und Barbara Auer gehen schauspielerisch an die Grenzen. © ZDF / Barbara Bauriedl

teleschau: Hat Ihr vierjähriger Sohn schon eine Vorstellung davon, was der Papa beruflich macht?

Wiesnekker: Über seine Mutter sagt er: 'Die spielt auf der Bühne', und über mich sagt er, 'Der macht Film.' - Ich glaube aber nicht, dass er schon checkt, was das bedeutet. Meine Filme kann ich ihm noch nicht zeigen, die sind nichts für kleine Kinder.

teleschau: Auf Ihren neuen Film trifft das zweifellos zu. Bürgerliche Existenzen gehen vor die Hunde, bis die Gerichtsvollzieherin kommt. Können Sie solche Existenzängste nachfühlen?

Wiesnekker: Ja, kann ich. Ich lebe schließlich auch nicht in Saus und Braus.

Dass Dr. Psycho eingestellt wurde, hat uns alle sehr frustriert, sagt Roeland Wiesnekker (zweiter von rechts), hier mit den Serienkollegen Christian Ulmen (links), Anneke Kim Sarnau, Ulrich Gebauer, (Mitte) und Hinnerk Schönemann. Die DVD-Auswertung der Serie ist im Gegensatz zur Einschaltquote höchst erfolgreich. © Sony BMG

'Dass 'Dr. Psycho' eingestellt wurde, hat uns alle sehr frustriert', sagt Roeland Wiesnekker (zweiter von rechts), hier mit den Serienkollegen Christian Ulmen (links), Anneke Kim Sarnau, Ulrich Gebauer, (Mitte) und Hinnerk Schönemann. Die DVD-Auswertung der Serie ist im Gegensatz zur Einschaltquote höchst erfolgreich. © Sony BMG

Die Existenzängste oder sogar -nöte gehen heute durch alle Schichten. Das sehe ich im eigenen Umfeld.

teleschau: Im privaten oder im beruflichen Umfeld?

Wiesnekker: Beides. In der Schauspielbranche spüren inzwischen viele den Druck sehr unmittelbar.

teleschau: Sie gelten als sehr selektiv bei der Rollenwahl. Können Sie sich das als junger Familienvater überhaupt leisten?

Wiesnekkker: Ich probier's einfach und behaupte, es geht. Aber ich nehme heute auch mal Rollenangebote an, die ich früher vielleicht nicht angenommen hätte. Es ist eng geworden. Aber es geht.

teleschau: Gehen Sie mit beruflichen Existenzängsten vielleicht ein bisschen gelassener um, weil Sie das Leben auch von seiner unglamourösen Seite kennen?

Wiesnekker: Ich wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, das ist richtig. Von daher weiß ich, wie es ist, mit wenig Geld zu leben. Aber ob ich mich an so einen Lebensstil wieder gewöhnen könnte? Ich würde eher sagen, dass mich die langjährige Berufserfahrung entspannter gemacht hat. Weil ich weiß, irgendein Angebot kommt früher oder später rein. Aber manchmal ist es auch nicht lustig.

teleschau: Einige Ihrer herausragenden und hochgelobten Arbeiten wurden zu Publikumsflops. Die gefeierte ProSieben-Serie 'Dr. Psycho' wurde beispielsweise nach nur zwei Staffeln eingestellt. Frustriert sie so etwas?

Wiesnekker: Dass 'Dr. Psycho' eingestellt wurde, hat uns alle sehr frustriert. Weil es eigentlich keinen ersichtlichen Grund für das Scheitern gibt. Ich treffe etwa alle halbe Jahre Schauspielkollegen aus der Serie wieder, und alle berichten, dass sie dauernd auf 'Dr. Psycho' angesprochen werden. Die DVD verkauft sich meines Wissens wie blöd. Als entschieden wurde, dass es nicht weitergeht, war das für das gesamte Team hart.

teleschau: Gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma, dass Kunst und Quote oft nicht zusammengehen?

Wiesnekker: Schwer zu sagen. Ich hätte mir im Fall von 'Dr. Psycho' vom Sender ein bisschen mehr Standhaftigkeit gewünscht. Aber vielleicht ist es auch naiv, so etwas zu sagen. Da stecken Werbeverträge und was weiß ich noch alles dahinter. Ich blicke durchs Geschäftliche ehrlich gesagt nicht durch. Meine Schauspielkollegen und ich gehen im Gegensatz dazu viel idealistischer ans Werk. Mit mehr Wertschätzung für das, was wir tun.

teleschau: Sie haben vor langer Zeit in einer Gassenküche eine Kochlehre gemacht. Haben Sie da etwas übers Leben gelernt, das Sie heute nicht missen möchten?

Wiesnekker: Ich kochte für Junkies, Obdachlose. Das ist jetzt allerdings 25 Jahre her. Wenn ich dort bestimmte Tugenden erlernte, dann habe ich sie wohl verloren (lacht). Dennoch war das eine sehr wichtige, bereichernde Zeit. Ich weiß noch immer, wo ich herkomme. Das heißt aber nicht, dass ich nicht gerne mehr Geld hätte (lacht).

teleschau: Sie hatten in jungen Jahren noch mehr bodenständige Berufswünsche. Unter anderem Sportlehrer.

Wiesnekker: Das stimmt. Ich war früher sehr sportlich, und das wäre durchaus eine berufliche Möglichkeit gewesen. Das hat sich aber verflüchtigt. Für die Sporthochschule waren meine Noten nicht gut genug. Um stattdessen an der Uni zu studieren, hätte ich wiederum die Matura nachmachen müssen. Dazu fehlte mir mit 16 schlichtweg die Disziplin. Ich hab's versucht, aber nur halbherzig.

teleschau: Wenn man sich Ihr Facebook-Profil ansieht, glaubt man, es mit einem sehr politischen Menschen zu tun zu haben. Stimmt das?

Wiesnekker: Ich bin inzwischen kaum mehr auf Facebook, weil's mir auf den Wecker geht. Aber manchmal kriege ich politische Artikel gesendet, und wenn Sie mir gefallen, klicke ich auf den 'Daumen hoch'-Button. Politisch engagiert bin ich aber nicht. Ich bin politisch interessiert, denke mit und diskutiere mit.

teleschau: Täuscht der Eindruck, oder tobt in der Schweiz gerade eine hitzige Debatte zwischen Linken und Rechten?

Wiesnekker: Da tobt gar nichts. Leider. Da schlummert alles vor sich hin. Klar, gibt's die Rechten, die mit ihrer Polemik viele Stimmen gewinnen. Aber toben tut deswegen nicht viel. Ich weiß nicht, wo die Linken im Land geblieben sind.

teleschau: Es heißt, die Schweizer Gesellschaft verhalte sich gegenüber Ausländern etwas reserviert. Wie erleben Sie das? Ihre Eltern stammen ja aus den Niederlanden.

Wiesnekker: Auch dieses Thema wird von den Medien sehr aufgebauscht. Ich habe einen großen deutschen Freundeskreis in der Schweiz und erkenne da überhaupt kein Problem. Was ich allerdings bemerke: Wenn ich eine Weile im Ausland war und zurückkomme, muss ich mich an den Schweizer Lebensrhythmus erst wieder langsam gewöhnen. Auf dem Land ist das wahrscheinlich noch extremer als in Zürich, wo ich lebe.

teleschau: Ein gewisses Fremdheitsgefühl kennen Sie nicht?

Wiesnekker: Nein, ich fühle mich nicht fremd. Viele wissen gar nicht, dass ich immer noch Holländer bin. Ich habe die Schweizer Staatsbürgerschaft bislang nicht beantragt und darf somit nicht wählen. Ich bin dann immer außen vor und kann die anderen zusammenfalten, wenn sie nicht abstimmen gegangen sind.

teleschau: Im Land der vielen Volksentscheidungen ...

Wiesnekker: Finde ich übrigens im Prinzip nach wie vor ein gutes System. Es dauert dadurch bloß alles ein bisschen länger.

teleschau: Sind Sie eigentlich den alten Mercedes losgeworden, den Sie auf Facebook angeboten haben?

Wiesnekker: Nein, ich war zu wenig hartnäckig. Aber da bringen Sie mich auf eine Idee. Ich werde ihn gleich noch mal posten. Jetzt ist er durch den TÜV. Es ist Zeit, dass er endlich wegkommt.

teleschau: Warum eigentlich? Das ist doch ein sehr elegantes Auto.

Wiesnekker: Es ist ein Liebhaberauto. Den muss jemand kaufen, der gerne dran rumschraubt. Ein Oldtimerfan. Ich bin das leider gar nicht. Für mich muss ein Auto einfach fahren.

teleschau: Und vermutlich auch familientauglich sein.

Wiesnekker: So ist es. Der Mercedes hat auf der Rückbank nicht einmal Sicherheitsgurte. Außerdem säuft er zu viel. Davon abgesehen ist es aber wirklich ein super Auto! (lacht)

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beate friedrichsen19. Okt 2011, 10:26

Schade, das Dir Facebook 'auf den Wecker geht..'. Es kommt immer darauf an,was man draus macht.Aber auch dort sitzen Deine Fans, Roeland.
Ansonsten ein interessantes Interview.
Ich freue mich auf weitere Filme von Dir.LG

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