TV Star Portrait
Ines Lutz - Zwischen den Dingen
Ines Lutz rückt ab Dienstag, 11. Oktober, 15.10 Uhr, in den Mittelpunkt der ARD-Telenovela 'Sturm der Liebe'
Von Katharina Raab 16. Sep 2011, 11:14

Alles noch einmal auf Anfang drehen, das wäre nach Ines Lutz' Geschmack. Und auch die ARD-Telenovela 'Sturm der Liebe' stellt mit der Münchnerin im Zentrum die Weichen neu. © ARD / Ralf Wilschewski
'Ich finde es komisch, ein Gespräch zu führen, in dem ich keine Fragen stelle', seufzt Ines Lutz nach dem Interview auf dem Bavariafilmgelände bei München. Dabei ist sie eine gewissenhafte Gesprächspartnerin, die mit langen Bedenkpausen verdutzt, die sich Zeit nimmt, versunken in die Sonne zu blinzeln, nur, um dann doch mit reflektierten Antworten zu begeistern. Ausgedehnt grübeln wird Ines Lutz auch in der siebten Runde der populären ARD-Telenovela 'Sturm der Liebe' (montags bis freitags, 15.10 Uhr), in der sie am Montag, 19. September, ihren Einstand feiert.

Als Braumeisterin Theresa Burger rückt die schöne Münchnerin, die bereits in der ARD-Kultserie 'Lindenstraße' zu sehen war, mit Beginn der neuen Staffel ab Dienstag, 11. Oktober, ins Zentrum der Herzschmerz-Geschichte und verdreht gleich zwei Männern (gespielt von Moritz Tittel und Daniel Fünffrock) den Kopf. Auch privat gibt sich die eloquente 28-Jährige mit Outdoor-Affinität vielseitig interessiert.
teleschau: Frau Lutz, Sie sind ein waschechtes Münchner Kindl, genießen Sie es, nun wieder mehr Zeit in Ihrer Heimat zu verbringen?
Ines Lutz: Für mich ist es wunderschön, dass ich wieder daheim bin.

Ich mag diese Stadt gerne, und es gibt mir Kraft, wenn ich meine Freunde und meine Familie nun wieder öfter sehe.
teleschau: Bei 'Sturm der Liebe' wagen Sie sich nun an Ihre erste große Hauptrolle - hatten Sie weiche Knie?
Lutz: Nein, eigentlich nicht. Ich freute mich. Wir drehen ja schon seit Ende Juli, mittlerweile hat sich das alles eingependelt.
teleschau: So eine Serienrolle legt einen aber auch sehr fest ...
Lutz: Das glaube ich nicht. Ich lerne hier viel. Ich finde es einfach schön, nun einen so lebensfreudigen Menschen zu spielen.
teleschau: Gibt es so etwas wie eine Traumrolle für Sie?

Lutz: Es gibt unendlich viele Rollen, die ich gerne noch spielen will. Ich freu mich darauf, älter zu werden und andere Rollen zu übernehmen, um ein bisschen von der Liebhaberin wegzukommen. Wenn ich mich entscheiden müsste, dann wären es Maria Stuart oder Jean-d'Arc.
teleschau: Aus Ihrer Vita spricht sehr Gegensätzliches: Sie haben Rechtswissenschaften studiert und sind trotzdem auf die Schauspielschule gegangen - wohnen zwei Seelen in Ihrer Brust?
Lutz: Ich probiere eben gerne viele Dinge aus, nicht gleichzeitig, aber hintereinander. Es stimmt, etwas Unterschiedlicheres als die beiden Disziplinen gibt es wahrscheinlich nicht.

Es sind aber durchaus Verwandtschaften da. Die Wichtigkeit der Sprache ist beispielsweise für beide Disziplinen zentral. Und auch der Mensch als Untersuchungsobjekt.
teleschau: Sie leben in München, aber auch in Berlin. Widerspricht sich das nicht?
Lutz: Ich finde diese Berlin-München-Diskussion ehrlich gesagt immer so wahnsinnig lächerlich. Es kommt doch darauf an, wo man sich wohlfühlt. Das sind bestimmte Ecken, bestimmte Menschen und das ist ein bestimmtes Lebensgefühl. In unterschiedlicher Weise finde ich das in beiden Städten. Jede Stadt gibt mir etwas anderes.
teleschau: Wo finden Sie was?

Lutz: Ich habe das Gefühl, in München bin ich geerdeter und bin mehr bei mir selbst. In Berlin bin ich in der Luft. Da fliege ich durch die Straßen, sauge alles auf. Berlin geht immer drei schnelle Schritte voraus. Aber ich möchte auch nicht nur in Berlin leben. Dann hätte ich diese Erdung nicht mehr. In der Kombination sind beide Städte perfekt für mich. In München weiß ich immer wieder, wer ich bin, und in Berlin sehe ich dann, wer ich noch sein könnte.
teleschau: In Fan-Foren wird schon hoffnungsfroh gemutmaßt, Theresa Burger sei vielleicht die erste nicht brave 'Sturm der Liebe'-Heldin. Stimmt's?

Lutz: Als Spieler hat man immer eine Verantwortung dafür, was man tut und was man in die Welt hinausträgt. Unabhängig vom jeweiligen Projekt. Ich bin kein Mensch, der eine Frauenfigur verkörpern will, die von außen gelebt wird. Es muss schon jemand sein, der sein Leben in die Hand nimmt, der nicht fremdbestimmt ist.
teleschau: Theresa ist zudem Braumeisterin, behauptet sich also in einer Männerdomäne. Hat Ihnen das an der Figur gefallen?
Lutz: Das finde ich schon lustig, ja. Die Probleme, mit denen sie konfrontiert wird, existieren wahrscheinlich in ganz vielen Berufen.
Manchmal trifft man erst später drauf, wenn man in der Politik oder in der Wirtschaft die Karriereleiter etwas höher klettert. In der Telenovela ist es noch etwas anders, weil sie ja die Chefin dieser Brauerei ist. Es gefällt mir schon, wie sie sich gegen die Jungs durchsetzt, sich mit ihnen streitet.
teleschau: Sie haben künftig einen sehr straffen Drehplan, müssen jede Menge Text lernen. Wie lenken Sie sich vom harten Drehalltag ab?
Lutz: Ich liebe Wind, besonders beim Segeln. Wenn man einen Tag lang draußen auf einem See war, dann ist alles wieder völlig neu. So als hätten sich alle Zellen im Körper wieder aufgeladen mit neuer Energie.
teleschau: Sie können klettern, segeln, tauchen - haben eigentlich fast alle Disziplinen ausprobiert, die der Outdoor-Sport zu bieten hat. Sind Sie ein Adrenalin-Junkie?
Lutz: Nein, das Adrenalin macht nicht den Reiz aus. Ich mag keine unverhältnismäßigen Risiken. Natürlich sind diese Sachen meist mit einem gewissen Risiko verbunden, das ich aber selbst steuern und überblicken kann. Es sind einfach Dinge, die mit Basiskräften zu tun haben. Mit deiner physischen Kraft, mit Gravitation, mit den Elementen. Sie sind sehr nah dran an meinem Körper und an der Natur.
teleschau: Geht es nicht auch um Selbstüberwindung?
Lutz: Klar. Höhenangst zum Beispiel hat sicher jeder. Das ist ein ganz normaler menschlicher Instinkt. Natürlich geht es beim Klettern oder Tauchen auch darum, die eigenen Grenzen zu überwinden. Aber ich würde deshalb nicht einen extremen Tiefentauchgang machen. Das brauche ich nicht. Ich muss auch nicht auf einen 6.000 Meter hohen Berg steigen.
teleschau: Sie haben längere Zeit in Großbritannien gelebt - was fasziniert Sie an der Insel?
Lutz: Ich habe mich zu Großbritannien immer sehr hingezogen gefühlt. Der Humor und die Leute gefallen mir einfach. Man kann dort wahnsinnig viel lachen. Mein erster Bezug zur britischen Kultur war aber tatsächlich Edinburgh. Ich war damals mit einem Gitarristen zusammen und fand das wahnsinnig aufregend (lacht).
teleschau: Sie schreiben auf Ihrer Homepage, Sie würden gerne eine Friedens-Pille erfinden - nervt Sie unsere Welt?
Lutz: Das Frustrierendste daran ist, dass man beobachten kann, dass sich in der Geschichte alle Verhaltensmuster wiederholen. Die Ursprünge der Konflikte sind immer ähnlich. Es geht oft um ein Streben nach Macht. Archaische Streitereien, die schon in den Dramen der Antike auftauchen und sich bis in die heutige Zeit ziehen. Der Brudermord ist ja auch in unserer Telenovela ein Thema. Es wäre doch wunderbar, wenn man einen Punkt schaffen könnte, an dem alles von Neuem beginnt. Tabula rasa.
teleschau: Sind Sie ein politischer Mensch?
Lutz: Ich interessiere mich für Politik, aber ich könnte nicht in die Politik gehen. Sie ist so lähmend. Ich denke, ich habe viel Kraft, aber ich wüsste nicht, in welcher Weise man diese in die Politik einbringen könnte. Dort verpufft alles. Man muss sich etwas suchen, wo man seinen Teil beitragen kann, um die Welt ein Stückchen besser zu machen. Gerade mit dieser Serie machen wir ja viele Menschen glücklich. Es ist eine legitime Sache, zu sagen: 'Ich gebe euch etwas, das euch freut zumindest für eine Weile'. Man muss den Leuten nicht jedes Mal ins Gesicht schlagen und sagen: 'Wacht auf!'
teleschau: Einlullen sollte man sie aber auch nicht ...
Lutz: Man darf eben nicht zur Volksverdummung beitragen! Und ich glaube nicht, dass wir ein Format sind, das das betreibt. Im Gegenteil. Es gibt den Menschen ein Stück Glück. Warum auch nicht?
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