TV Star Portrait
Barbara Meier - 'Es macht mir Spaß, andere zu irritieren!'
Barbara Meier feiert ihr Schauspieldebüt in 'Schreie der Vergessenen' (Donnerstag, 27.10., 20.15 Uhr, ProSieben)
Von Katharina Raab 6. Okt 2011, 10:00

Zart und zerbrechlich: Topmodel Barbara Meier weiß in ihrem Filmdebüt zu überzeugen. © ProSieben / Björn Hahn
Es regnete Konfetti. Und das Mädchen mit der roten Mähne schlug fassungslos die Hände vor das hübsche Gesicht. Während andere Casting-Sternchen im Sauseschritt wieder in der Versenkung verschwanden, blieb 'Germany's next Topmodel'-Gewinnerin Barbara Meier präsent. Und sie will mehr. Im ProSieben-Thriller 'Schreie der Vergessenen' (Donnerstag, 27. Oktober, 20.15 Uhr) ist sie in ihrer ersten Schauspielrolle zu sehen. Als Medium Morgana Le Fey vermittelt die 25-Jährige anmutig zwischen Dies- und Jenseits und das nur mithilfe ihres Körpers und ihres Gesichts.

Im Interview gibt sich die gebürtige Ambergerin und Mathematikerin aus Überzeugung jedoch gänzlich unmysteriös ...
teleschau: Frau Meier, in 'Schreie der Vergessenen' geben Sie Ihr Filmdebüt - ein tolles Gefühl?
Barbara Meier: Ich muss zugeben, ich hatte ein wenig Angst vor der Rolle. Wir drehten den Film bereits im vorigen Jahr. Und ich hatte sehr lange Zeit, mir Sorgen darüber zu machen, wie ich wohl als taubstummes Medium Morgana wirken werde. Aber es war nur halb so schlimm.
teleschau: Sind Sie ein selbstkritischer Mensch?
Meier: Ja, sehr. Wenn ich meine Fotos zur Freigabe anschaue, merke ich das besonders.

Meistens lasse ich dann noch jemand anderes drübersehen, sonst würde ich am Ende vielleicht keines durchwinken (lacht). Selbstkritik hat mich aber eigentlich immer angespornt, besser zu werden.
teleschau: Sie haben eine recht spannende Karriere hinter sich: Von der Mathematikstudentin zum Model zur Schauspielerin hätten Sie sich das rückblickend jemals träumen lassen?
Meier: 'Träumen lassen' trifft es tatsächlich ganz gut. Denn es war immer ein Traum von mir, Schauspielerin zu werden. Aber es blieb eben lange Zeit ein Traum, eine Spinnerei.

Bis vor viereinhalb Jahren war ich davon überzeugt, dass ich weiß, wie mein Leben abläuft. Ich mache mein Studium, arbeite, gründe eine Familie. Das hat sich innerhalb von ein paar Minuten komplett geändert. Es dauerte lange, bis ich das begriffen hatte.
teleschau: Wie wandlungsfähig und flexibel muss man in der Unterhaltungsbranche heute tatsächlich sein?
Meier: Sehr. Obwohl ich damit anfangs große Schwierigkeiten hatte. Ich bin ja gerade durch mein Mathestudium - man sitzt da ja wirklich stundenlang am Schreibtisch und denkt einfach nur - ein sehr logischer, rationaler Mensch.
Ich war es nicht gewohnt, Gefühle zu zeigen, und ich war auch nicht besonders spontan oder mutig. Mit meinem Sieg bei 'GNTM' hatte ich aber letztlich keine andere Wahl, ich hatte keine Zeit zu zögern.
teleschau: Haben Sie Ihr Umfeld mit der Entscheidung überrascht, nun auch schauspielern zu wollen?
Meier: Ich hatte sogar das Gefühl, dass mir das viele Freunde und auch meine Berater nicht unbedingt zutrauten. Schließlich muss man als Schauspielerin ganz aus sich herauskommen. Doch ich war mir sicher: Ich will das machen. Ich hatte vier Jahre lang nur gemodelt, war routiniert und brauchte eine neue Herausforderung. Deshalb ging ich nach New York.
teleschau: Warum New York?
Meier: Ich brauchte eine kurze Auszeit von Deutschland. Hier gab es genug Menschen, die mir gegenüber Vorbehalte hatten. Ich wollte einfach nicht, dass die Leute schon vorher eine Meinung über mich hatten und über mich urteilten. In New York gibt es meiner Meinung nach die besten Lehrer der Welt, was das Schauspielern betrifft.
teleschau: Als Medium Morgana Le Fey kommunizieren sie in 'Schreie der Vergessenen' ausschließlich in Gebärdensprache ...
Meier: Das war toll. Ich ging in München zu einer Taubstummenschule und wollte mir dort erst einmal die Grundidee dieser Sprache beibringen lassen. Ich war ganz alleine mit der taubstummen Lehrerin. Sie hat mich nicht verstanden und ich sie schon gar nicht. Für mich hatte es dennoch etwas ganz, ganz Spannendes, weil wir uns letztlich doch verständigen konnten. Ich verstehe immer noch nicht, wie wir das geschafft haben. Sehr faszinierend. Den Rest brachte ich mir dann durch Videos selbstständig bei. Ich saß viele, viele Stunden vor meinem Computer, habe geübt, und ständig auf Standbild geschaltet.
teleschau: Sie studierten Mathematik, gelten allgemein als schön und schlau. Nervt Sie dieses anhaltende Staunen ob Ihrer Intelligenz?
Meier: Eigentlich nicht. Dazu bin ich einfach zu begeistert von meinem Studienfach. Im Gegenteil: Es macht mir Spaß, andere zu irritieren. Ich wusste von Anfang an, dass dieses Klischee auf mich zukommen wird. Und es ist ja nicht so, dass nur Models auf etwas reduziert würden. Das gibt es auch in anderen Berufen. Auch bei einem Börsenmakler zählt unterm Strich lediglich, wie viel Gewinn er gemacht hat, nicht wie er sich dabei fühlt.
teleschau: Trotzdem gilt die Modebranche generell als extrem oberflächlich - wie schützten Sie sich?
Meier: Am Anfang hat mich das sehr irritiert. So viele Menschen schauen dich an, ohne dich wirklich anzusehen. Doch auch dafür suchte ich mir eine logische Erklärung. Das sind eben die Gesetzmäßigkeiten der Branche - sie müssen deinen Körper mustern. Dein Wesen interessiert da weniger.
teleschau: Sie wurden durch die Castingshow 'Germany's next Topmodel' bekannt - hat Ihnen das den Einstieg ins Modelgeschäft wirklich erleichtert?
Meier: Beweisen musste ich mich wahrscheinlich sehr viel mehr als andere, gerade weil ich im Modelbereich sehr weit oben eingestiegen bin. Andere Models müssen sehr lange und viel arbeiten, bis sie da hinkommen. Natürlich wussten die meisten Menschen, dass ich mir das alles nicht Schritt für Schritt aufgebaut hatte und dass meine Karriere anfänglich auf keinem sehr stabilen Fundament stand. Mir fehlte die Erfahrung, die Routine, und ich merkte schnell, welche Meinung die Menschen von mir hatten.
teleschau: Wie reagierten Sie?
Meier: Ich ging eben nicht in die Glitzerwelt von New York oder Paris, sondern nach Griechenland und in die Türkei. Das war wahnsinnig schwierig und unglamourös. Mir ging es nicht besonders gut in dieser Zeit. Ich hatte oft tagelang kein Tageslicht gesehen, weil ich nur in Fotostudios war, niemand verstand mich. Aber ich kämpfte mich durch und trainierte mir dir Routine an, die mir fehlte. Schlussendlich hat mich die Modebranche dann doch etwas ernster genommen (lacht).
teleschau: Was halten Sie rückblickend von dem Format Casting-Show?
Meier: Ich würde jederzeit wieder mitmachen. Es hat mir wahnsinnig viel gebracht für mein Leben. Auch jetzt erleichtert es mir den Einstieg in die Schauspielerei. Natürlich hat es auch Nachteile. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass nicht jeder einem wohlgesonnen sein wird. Man startet in den Job und muss erst einmal wieder alles Negative aus dem Weg räumen. Es ist eben eine andere Art in den Beruf einzusteigen, per se schlecht ist sie aber nicht.
teleschau: Wie viel Glück und wie viel Disziplin und Kalkül gehören denn dazu, um sich in der Branche zu halten?
Meier: Glück gehört natürlich immer dazu. Aber das Wichtigste ist Disziplin. Bei jedem Job pünktlich zu sein, immer gut vorbereitet zu sein. Sich nicht auf irgendetwas verlassen, sondern sich selbst um alles kümmern. Auch jetzt beim Schauspielern nehme ich mir wesentlich mehr Zeit, mir eine Agentur zu suchen. Ich will nicht mehr alles aus der Hand geben. Ich will, dass alles so erledigt wird, wie ich mir das vorstelle. Gerade in einem Job, in dem jede Minute Geld kostet, ist es wahnsinnig wichtig.
teleschau: Sind Sie ein Workaholic?
Meier: Total. Seit ich selbstständig bin, fällt es mir wahnsinnig schwer, nichts zu tun. Ich muss mich regelrecht zur Ruhe zwingen. Aber anders geht es ja manchmal auch nicht: Man kann nicht die ganze Zeit durchpowern und nebenbei noch den Kopf freikriegen. Ich vergaß schon mal, mir Zeit für mich zu nehmen.
teleschau: An Zeit fehlt es in Ihrem Beruf generell. Sie reisen viel. Sind dauernd unterwegs. Ein Leichtes für Sie?
Meier: Da, wo ich bin, fühle ich mich wohl. Ich habe kaum Heimweh. Meine Freunde, meine Familie vermisse ich allerdings schon. Wir haben angefangen, sehr viel über Skype zu telefonieren. Auch meine Familie musste sich mit dieser Technik vertraut machen (lacht). Ich rief meine Mama letztens vom Time Square an, das hilft dann schon.
teleschau: Skype hält ja auch so manche Fernbeziehung am laufen - gibt es denn jemanden in Ihrem Leben?
Meier: In meinem Job ist das natürlich sehr schwierig. Aber ich würde mir die Zeit nehmen. Momentan gibt es leider niemanden. Ich bin nicht unglücklich alleine, aber wenn er endlich dasteht, freue ich mich (lacht).
teleschau: Und wie soll er sein?
Meier: Natürlich habe ich meine Vorstellungen. Aber die Männer, die mich schließlich begeistert haben, schauten immer ganz anders aus, hatten einen anderen Charakter und Lebensstil. Mittlerweile vertraue ich darauf, dass ich ihn erkennen werde und dass er ganz anders sein wird, als ich es erwarte.
© 2011 teleschau - der mediendienstSchreie der Vergessenen - Do. 27.10 - ProSieben: 20.15 Uhr
27. Okt 2011, 20:15
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