Kino Reportagen
Monstermäßiges Selbstbewusstsein
Désirée Nick spricht eine Figur in 'Lauras Stern und die Traummonster' (Kinostart: 13. Oktober)
Von Christina Freko 7. Okt 2011, 13:25

Dramatisches Make-Up und stilvoll-pompöse Outfits - so tritt Désirée Nick für gewöhnlich in Erscheinung. © 2011 Rothkirch / Cartoon-Film / Warner Bros.Entertainment GmbH
Sie hat die spitzeste Zunge der Republik, was sie regelmäßig in ihren Bühnenprogrammen und Büchern unter Beweis stellt. Da überrascht es schon, dass Désirée Nick erst jetzt ihre erste Synchronrolle sprechen durfte. Im Kinderfilm 'Lauras Stern und die Traummonster' (Kinostart: 13. Oktober) leiht sie dem tonangebenden Monster Tentakel ihre Stimme. Auch im Interview wird schnell klar, dass die schlagfertige Entertainerin es liebt, alles unter Kontrolle zu haben.
Désirée Nick gibt sich im Gespräch so, wie man sie von ihren öffentlichen Auftritten her kennt: sehr selbstsicher, ein wenig exzentrisch, laut, eloquent.

Gelegentlich gerät die 55-Jährige sogar richtig in Fahrt. Zum Beispiel bei der Frage, in welchen Situationen ihres Lebens sie besonders mutig sein musste. 'Diese Frage stellen Sie einer Alleinerziehenden', echauffiert sich die Mutter eines 15-jährigen Sohnes. 'Das beantwortet sich von selbst: Ich muss jeden Tag mutig sein! Ich habe keine andere Wahl, als das Zepter in der Hand zu halten.'
Dieses Dogma beherzigt die Kabarettistin spätestens, seitdem sie sich im Alter von 30 Jahren bewusst für den Schritt ins Rampenlicht entschied. 'In meinen Wunschberufen - ich wollte Hebamme oder Stewardess werden - hatte ich ja keine Chance.

Dass ich so spät den Schritt ins Showgeschäft getan habe, zeigt doch, was für ein moralischer Mensch ich bin', erklärt die Diva, die Theologie studierte und eine klassische Tanzausbildung genoss. 'Ich wäre mit 20 nie zu einer Castingshow wie 'Deutschland sucht den Superstar' gegangen!'
Als man mit der Sprechrolle als Traummonster an sie herantrat, sagte sie sofort zu. 'Es hat mich gewundert, dass bei meiner markanten Stimme noch kein Angebot für eine Synchronrolle kam', bekennt die Autorin. Mit welchen Geschichten sie denn aufgewachsen sei? 'Ach, mit den Klassikern der 60er-Jahre und Märchen.

' Ob die Erzählungen rund um 'Lauras Stern' denn vorbildhaft für Kinder sein könnten? 'Kinder lernen durch das, was man ihnen vorlebt', ist die Diva überzeugt. Denn nur so bestehe die Möglichkeit, ihnen Orientierungshilfe zu geben.
Es ist schwer, die glamourös inszenierte Fassade der Berlinerin, die ihre Bühnenprogramme komplett selbst schreibt, zu knacken - zu gut schützt sie ihr Leben abseits der Show-Scheinwerfer. 'Ich habe mein Privatleben nie öffentlich gemacht. Ich hätte viele Leute in die Pfanne hauen können.

Die Tatsache, dass ich das nicht getan habe, zeigt, was für ein loyaler Mensch ich bin', gibt sie selbstbewusst zu Protokoll. 'Nur Menschen, die sonst nüscht haben, müssen ihr Privatleben in die Öffentlichkeit zerren.' Schließlich könne sie durch ihr Talent, ihre Intelligenz und das, was sie leiste, beeindrucken. Darüber solle dann bitteschön auch geschrieben werden.
Sie sei ihrer Zeit immer ein Stück voraus, betont die Nick. 'Es ist zehn Jahre her, dass ich das Promilästern erfunden habe. Heute leben ganze Zeitschriften davon!
' - Eine Anspielung auf die medienwirksame Fehde mit Schauspielerin Anouschka Renzi, die letztendlich vor Gericht beigelegt wurde. Da Désirée Nick stets bemängelt, dass zu wenig clevere und gewitzte Frauen im TV zu sehen seien, drängt sich die Frage, wem sie eine eigene Show verpassen würde, geradezu auf - obwohl die Antwort doch auf der Hand liegt: 'Na mir natürlich!' Jemand anderes fiele ihr da jetzt auch nicht ein.
© 2011 teleschau - der mediendienstLauras Stern und die Traummonster
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