Kino Reportagen
Der Neue am Ludwigstrand
Am Filmset von 'Ludwig II.' (Kinostart: 20. Dezember 2012)
Von Katharina Raab 14. Okt 2011, 10:51

Original oder Fälschung? Sabin Tambrea ist dem Märchenkönig Ludwig II. wie aus dem Gesicht geschnitten. © 2011 Warner Bros. Entertainment Inc.
Einen Kompromiss gab es nicht. 'Nach den Probeaufnahmen wussten wir, dass er die ideale Besetzung darstellt. Das war nicht zu toppen', sagt Bavaria-Pictures-Produzent Ronald Mühlfellner. Besagtes Unikat ist Hauptdarsteller Sabin Tambrea - noch ein unbeschriebenes Blatt in Kinodingen. Im Monumentalprojekt 'Ludwig II.' (Kinostart: 20. Dezember 2012) des erprobten Regie- und Autorenduos Marie Noëlle und Peter Sehr wird der gebürtige Rumäne die Rolle des tragischen Bayernkönigs übernehmen. Und er ist dem zerbrechlichen 'Kini' wahrlich wie aus dem Alabastergesicht geschnitten.

Im Münchner Cuvilliés-Theater in der Residenz gab der Newcomer eine erste Presseaudienz.
Natürlich Lohengrin. Ein Hauch von längst Vergangenem schwebt durch die heilige Halle des Cuvilliés-Theaters als Wagners Meisterstück erklingt. Die Kamera indes fixiert nur einen: Umrahmt von Gold und rotem Samt schließt Ludwig II. die Augen und entschwebt in eine ferne Welt. 'Cut', brüllt es irgendwo aus dem Off. Ein Lächeln verscheucht das Pathos im Gesicht, und Sabin Tambrea kehrt zurück ins Hier und Jetzt. Eine Schlüsselszene, klar. Denn auch im Film wird der junge Traumtänzer jäh von seinen Verpflichtungen eingeholt.

Auf den ersten, raschen Blick wirkt Tambrea wie eine Reinkarnation seines historischen Vorbilds. Ein Hüne und doch zerbrechlich, mit zarten Gesichtszügen und neugierigen, grünen Augen. 'Man darf nicht vergessen, dass es hier nicht um einen Gott geht, oder um eine steife historische Figur. Es geht um einen Jungen, der in eine Situation gerät, die ihn gänzlich überfordert', sagt Tambrea später im Interview und weist die Richtung für jenen Ludwig II., mit dem man es dieses Mal zu tun bekommt. Eine universelle Geschichte also und selbstredend eine emotionale.

Das Bad im Blitzlichtgewitter hat der 1,93-Meter-Mann zu diesem Zeitpunkt bereits hinter sich. Adrett kostümiert posierte er für die Presse, machte sich bereit für den Vergleich mit dem längst mythifizierten Original. Dieses wolle man jedoch nach Luchino Viscontis 'Ludwig II.' (1972) und Helmut Käutners gleichnamigem Königsporträt aus dem Jahr 1955 mit dieser weiteren cineastischen Reanimation nicht neu erfinden. 'Es gibt so viele Ludwigspezialisten in Bayern, die wissen alles über ihn. Denen können auch wir nichts Neues mehr erzählen', weiß Mühlfellner.

Was bleibt, ist also die Flucht ins Innere der bayerischen Kultfigur, ein Mutmaßen, ein ausuferndes Interpretieren. Und das auch, um sich von Viscontis filmischer Ludwig-Vision abzugrenzen, der, wie Mühlfellner es will, eine zu distanzierte Sicht auf den Märchenkönig hatte. 'Wir wollen Ludwig von innen heraus begreifen, seine Widersprüche, seine Träume verstehen und warum er gescheitert ist. Er soll die Menschen berühren', resümiert der Produzent. Auch das Regie-Gespann Peter Sehr und Marie Noëlle pflichtet dem bei: 'Wir machen nicht noch einen weiteren Film, der die einzelnen Etappen seiner Biografie bebildert.
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Bildgewaltig wird es dennoch. 'Ludwig II.' lebt von Pracht und Prunk der Historie. Gedreht wurde maßgeblich an Originalschauplätzen, auf Schloss Neuschwanstein, in Herrenchiemsee, sogar in Versailles. Ein Anspruch, der seinen Tribut forderte. Neun Jahre arbeitete man am Mammutprojekt, buhlte um Drehgenehmigungen, lotete die Finanzierung aus und stellte ein hochkarätiges Schauspielerensemble auf. Neben Edgar Selge als Richard Wagner, treten unter anderem Tom Schilling als Prinz Otto, Gedeon Burkhard als Graf von Holnstein, Paula Beer als Sophie in Bayern und Hannah Herzsprung als Kaiserin Elisabeth in Erscheinung.
Die Titelrolle hat Sabin Tambrea allerdings nicht für sich allein. Niemand Geringeres als Sebastian Schipper ('Drei') wird den wahnsinnigen, alten Kini spielen, der am 13. Juni 1886 unter bis heute ungeklärten Umständen im Starnberger See seinen Tod fand. Ein Fakt, an dem auch 125 Jahre später selbstredend auch nicht 'Ludwig II.' zu rütteln vermag. Tambrea, Baujahr 1984, befand man letztlich als zu jugendlich, um auch den verwitterten König zu verkörpern. 'Die Maskenzeiten hätten den Drehrahmen gesprengt', so Mühlfellner. Und doch würden sich Schipper und Tambrea wunderbar ergänzen, hätten sie doch die gleiche Statur, eine ähnliche Physiognomie. 'Wir haben uns über Monate hinweg immer wieder getroffen und über mögliche Gemeinsamkeiten gesprochen', verrät der junge Ludwig-Darsteller.
Für Tambrea indes dürfte der Film den Durchbruch bedeuten, der Sprung auf die ganz große Bühne. Beim Schauspieler selbst stößt man mit solchen Prognosen jedoch lediglich auf Schulterzucken. Die Rolle habe Priorität, sagt Tambrea lächelnd, den die Liebe zur Kunst und der Wunsch, etwas Bleibendes zu erschaffen mit dem visionären König eint. Und doch ging die vor ihm liegende Aufgabe nicht spurlos an dem Nachwuchsschauspieler vorbei. 'Vor dem ersten Drehtag hatte ich große Ehrfurcht, und ich habe viele schlaflose Nächte mit der Vorbereitung auf diese Rolle verbracht.' Der Respekt vor der Ikone blieb bestehen, die Angst vor der Herausforderung aber ist gewichen: 'Ich werde die Rolle mit einer gewissen Frechheit so spielen, wie sie aus mir herauskommt. Der Ludwigstrand ist groß genug, um nicht in alten Fußstapfen gehen zu müssen.'
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