Musik Reportagen
Scooter - 'Wir machen einfach so wie immer!'
Scooter veröffentlichen 'The Big Mash Up'
Von Benjamin Weber 19. Okt 2011, 09:03

'Wir machen einfach so wie immer!': Das Erfolgsgeheimnis von Scooter ist auch auf ihrem neuen Album 'The Big Mash Up' gleich geblieben. © Sheffield Tunes / Kontor
Scooter sind laut. So laut, dass die Techno-Formation nie wieder in der Schweiz auftreten wird. Denn dort gibt ein Gesetz gibt, das Konzerte über einer Lautstärke 93 Dezibel verbietet. Ein Witz sei das, sagt H.P. Baxxter. Doch nicht nur über falschen politischen Regelungswahn redet der Frontmann im Interview anlässlich ihres neuen Albums 'The Big Mash Up', sondern auch über hintersinnige Texte, Vicky Leandros - und Scooters vielleicht größtes Erkennungsmerkmal: die Frisur.
teleschau: Für das neue Album rühren Sie kräftig die Werbetrommel - Autogrammstunden und Auftritte in Kaufhäusern inklusive.

Haben Scooter so etwas noch nötig?
H.P. Baxxter: Es weiß ja jeder, dass der CD-Markt nicht mehr ganz so rosig ist wie noch vor zehn Jahren. Da ist es durchaus üblich, dass man mal hin und wieder zur Veröffentlichung eine Autogrammstunde macht. Und ich muss sagen, das ist eigentlich ganz nett. Da kommen dann viele eingefleischte Fans, und man spricht mal so zwei, drei Sätze, bekommt Feedback. Wenn man das nicht jeden Tag machen muss, ist es gar nicht so schlecht.
teleschau: In Ihrer Musik tauchen seit jeher viele Zitate auf, auf dem neuen Album ist unter anderem Vicky Leandros zu Gast. Wie kommt es zu so was?
H.P.

Baxxter: Das entsteht zufällig. Dieses 'L'amour est bleu' von Vicky Leandros hörte ich irgendwann mal auf einem Oldie-Sender. Ich fand die Nummer und die Melodie einfach toll. Und weil ich Vicky persönlich kenne, fragte ich, ob wir das verwenden dürfen. Vicky ist ja echt cool drauf, sie sagte zu, kam zu uns ins Studio und nahm das mit uns auf.
teleschau: Gibt es auf 'The Big Mash Up' Textzeilen, die versteckte Grußbotschaften an Fans enthalten, wie man es von älteren Alben kennt?
H.P. Baxxter: Nein, diesmal nicht. Aber ich beobachte immer die Welt, ich schnappe vieles auf, und wenn ich was komisch finde, schreibe ich es sofort auf.
Ich finde es gut, wenn in unseren Texten hin und wieder mal ein Zweizeiler auftaucht, der zum Nachdenken anregt, oder hinter dem ein gewisser Sinn steckt. Unser Leitsatz für das Album war: 'It's not where you take things from, it's where you take them to'. Das bringt es auf den Punkt: Man kann sich ruhig bedienen, andere Bands zitieren, aber wichtig ist, was man anschließend daraus macht.
teleschau: Das hat bei schon oft zu legendären Textzeilen geführt: 'Respect To The Man In The Ice Cream Van' ist ja auch eine Art Zitat, das auf Ihre Helden The KLF zurückgeht.
H.P. Baxxter: Das ist sogar ein bisschen um drei Ecken gedacht. The KLF waren auch Aktionskünstler und fuhren damals mit ihrem Ice Cream Van durch London und verteilten vor Weihnachten Freibier an Obdachlose. Das war der Hintergrund der Textzeile. Das weiß natürlich kein Mensch. Alle denken, das ist nur so ein Pille-Palle-Reim (lacht). Das fand ich ja das Witzige dabei.
teleschau: Viele Menschen denken bei Scooter nicht nur an berühmte Parolen, sondern auch sofort an Ihre Frisur ...
H.P. Baxxter: Echt?
teleschau: Nun, Ihre kurzen, blond gefärbten Haare scheinen ein richtiges Erkennungszeichen zu sein ...
H.P. Baxxter: Ich bin ein Gewohnheitsmensch, wenn mir einmal etwas gefällt, bleib ich meistens bis zum Umkippen dabei. Blondiert hatte ich die Haare ja schon lange vor Scooter, eigentlich schon seit meiner New-Wave-Zeit. Das hatte den Grund, dass ich eine durchschnittliche, langweilige Blond-Natur-Haarfarbe habe. Als ich 19 war, machte ich das zum ersten Mal und fand das dann irgendwie cool. Seitdem färbe ich meine Haare. Ich mache das übrigens bis heute selber, alle zwei Wochen, mit Farbe von Schlecker. Mir gefällt die Frisur einfach gut so.
teleschau: Ein weiteres Erkennungszeichen von Scooter sind die Live-Auftritte. In der Schweiz werden Sie wegen eines Lärmschutzgesetzes nie wieder auftreten. Was ist da los?
H.P. Baxxter: Das ist eine Frechheit! Allgemein dieser Regelungswahn, der in den letzten Jahren stattfindet! Diese Entmündigung des Bürgers, Freiheiten werden immer mehr einschränkt, in völlig absurder Art und Weise. Weil: 93 Dezibel ist Zimmerlautstärke, und da brauchst du nicht mit einem Scooter-Konzert anfangen. Jeder kommt doch freiwillig dahin, wir verteilen am Eingang Ohrstöpsel. Bei Leuten, die ganz vorne an der Box stehen, sehe ich ein, dass es manchmal ein bisschen laut ist. Wer aber hinten steht, kann sich das Konzert völlig normal anhören. 93 Dezibel hingegen sind ein Witz, das macht keinen Spaß.
teleschau: Was meinen Sie generell mit Regelungswahn? Regen Sie sich viel darüber auf?
H.P. Baxxter: Ja, extrem! Das fing ja an mit dieser Nichtraucher-Debatte. Als ich jetzt auf dem Oktoberfest war, dachte ich, das ist ja wie im Zoo! Alle feiern, und dann rennen alle in so einen Raucherraum, die Stimmung ist unterbrochen, das ist ja wie im Zirkus. Völlig überzogen, wenn man mich fragt. Die Freiheit zur Entscheidung muss doch bleiben! Wenn Glühbirnen verboten werden, obwohl diese Energiesparlampen nachweislich gesundheitsschädlich sind, dann ist das völliger Irrsinn. Es muss die Möglichkeit geben, nach wie vor eine Glühbirne zu kaufen, selbst wenn sie dann meinetwegen teurer ist. Aber das kann doch nicht angehen, dass so etwas verboten wird. Wo sind wir denn? Wo soll das denn enden? Warum sagt mir einer, ich darf eine Glühbirne nicht da reinschrauben? Die sind doch irre!
teleschau: Bei all der Aufregung fragt man sich, wie lange Sie das noch machen wollen. Ist es nicht auch anstrengend, bei Scooter zu sein?
H.P. Baxxter: Anstrengend ist es immer dann, wenn du einen Promo-Marathon hast oder auf Tour jeden Abend Vollgas geben musst. Das war immer anstrengend und das wird auch immer so bleiben. Körperlich halte ich mich fit, was ich früher nie gemacht habe. Ich war immer gegen Sport, aber ich hab festgestellt: Wenn man morgens 45 Minuten in der Natur joggen geht, bringt das eine Menge für die Kondition! Das mache ich jetzt schon seit ein paar Jahren.
teleschau: Warum sind Scooter immer noch so erfolgreich? Nach all den Jahren?
H.P. Baxxter: Oh ... (überlegt) Ja. Zum einen wahrscheinlich, weil wir wirklich immer versuchen, am Puls der Zeit zu bleiben und immer hart daran arbeiten, gute Alben zu produzieren. Zum anderen haben wir eine große Fangemeinde, die eigentlich stets gewachsen ist, was ein enormer Rückhalt ist. (Pause) Ansonsten weiß ich es auch nicht. Wir machen einfach so wie immer! (lacht)
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