Kino Kritiken


Cheyenne - This Must Be The Place

Von Nazijägern und Gothic-Rockern

Von Diemuth Schmidt 4. Nov 2011, 12:35

Das etwas andere Roadmovie mit einem rockigen Nazijäger: 'Cheyenne - This Must Be The Place' lief bereits in Cannes. © Delphi Filmverleih

Das etwas andere Roadmovie mit einem rockigen Nazijäger: 'Cheyenne - This Must Be The Place' lief bereits in Cannes. © Delphi Filmverleih

Das mit der Umsetzung der Maxime 'schnell leben und früh sterben' hat der ehemals sehr erfolgreiche Gothic-Rock-Star Cheyenne (Sean Penn) verpasst. Er führt vor, was passiert, wenn wilde Jungs zumindest äußerlich alt werden, ihr Styling aber in den 80er-Jahren stecken bleibt. Der italienische Regisseur Paolo Sorrentino ('Il Divo - Der Göttliche') hat rund um diese bizarre Figur ein Road-Movie gestrickt, das in keine Schublade passen will. Auf entspannte Weise erzählt 'Cheyenne - This Must Be The Place' von den großen und kleinen Dingen des Lebens.

Als eine Mischung aus Alice Cooper und Edward mit den Scherenhänden mit Piepsstimme lernt das Publikum Cheyenne kennen. Seine Musik hat dem gealterten Rocker ein Vermögen eingebracht. Und jetzt sitzt er auf einem Anwesen in der Nähe von Dublin und weiß nicht viel mit sich und seiner Zeit anzufangen. Die Gitarre fasst er nicht mehr an, denn all die Songs, die er gemacht hat, hält er für banales Zeug mit zudem fataler Wirkung - zwei seiner Fans nahmen sich das Leben.

Zunächst lässt Regisseur Sorrentino das Publikum mit ihm warten.

Cheyenne (Sean Penn) versteckt sich hinter viel Schminke und fällt immer auf. © Delphi Filmverleih

Cheyenne (Sean Penn) versteckt sich hinter viel Schminke und fällt immer auf. © Delphi Filmverleih

Zum Beispiel gemeinsam mit der Frau aus der Nachbarschaft, die am Fenster die Rückkehr ihres Sohnes herbeisehnt. Oder mit deren Tochter Mary (Eve Hewson), einer Jugendlichen im Gothic-Look, die in Cheyenne einen väterlichen Freund gefunden hat. Und dann gibt es da noch Cheyennes Ehefrau Jane (Frances McDormand), die so ganz anders als er pragmatisch das Leben meistert und in ihrer Aufgabe als Feuerwehrfrau aufgeht. Auch wenn der Film vorgibt, eine Figur namens Cheyenne in den Mittelpunkt zu stellen, geht es doch vor allem um die Menschen um ihn herum.

Cheyenne (Sean Penn) lebt mit seiner Frau Jane (Frances McDormand) zurückgezogen. © Delphi Filmverleih

Cheyenne (Sean Penn) lebt mit seiner Frau Jane (Frances McDormand) zurückgezogen. © Delphi Filmverleih

Allerdings haben Paolo Sorrentino und sein Ko-Autor Umberto Contarello noch Schräges mit dem Altrocker vor: Der Tod des Vaters bringt Cheyenne nach 30 Jahren zurück nach New York. Dort erfährt er mehr über die Vergangenheit des Vaters, der in einem Konzentrationslager Qualen erdulden musste und sein Leben lang nach seinem Peiniger suchte. Cheyenne führt die Nazijagd weiter und das Road-Movie durch die USA nimmt seinen Lauf. Dabei geht es um keinen Selbstfindungstrip. 'Ich bin doch nicht in Indien', sagt er am Telefon zu seiner Frau.

Cheyenne (Sean Penn) kehrt nach 30 Jahren in die USA zurück. Dort wird er den Peiniger seines verstorbenen Vaters suchen. © Delphi Filmverleih

Cheyenne (Sean Penn) kehrt nach 30 Jahren in die USA zurück. Dort wird er den Peiniger seines verstorbenen Vaters suchen. © Delphi Filmverleih

Wirkte die Hauptfigur anfangs noch kindlich und einfältig, überrascht sie nun mit Entschlossenheit und innerer Ruhe. Mit witzigen Aktionen nähert er sich den Menschen, die ihn Schritt für Schritt zu dem Mann führen sollen, dem er auf den Fersen ist. Es sind interessante Begegnungen mit alleinerziehenden Müttern, Möchtegernerfindern oder professionellen Nazijägern, die den Film zu etwas Besonderem werden lassen.

Mit einem erstklassigen Soundtrack - unter anderem gönnt sich der Film eine lange Konzertszene mit Talking-Heads-Sänger David Byrne - überzeugt der Film auch musikalisch.

Die Talking Heads spielen im Film den Song This Must Be The Place. © Delphi Filmverleih

Die Talking Heads spielen im Film den Song 'This Must Be The Place'. © Delphi Filmverleih

Paolo Sorrentino gelingt mit seinem ersten englischsprachigen Film, der auch in den Wettbewerb der letzten Filmfestspiele von Cannes eingeladen wurde, ein optisch attraktives Roadmovie. Sean Penn verkörpert mit reduziertem Spiel perfekt einen sperrigen Helden, den man aus Neugier gerne auf seiner Reise begleitet und sich von ihm positiv überraschen lässt.

© 2011 teleschau - der mediendienst

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Cheyenne - This Must Be The Place

Film Information

Starttermin: 2011-11-10
Regisseur: Paolo Sorrentino
Genre: Drama
Bewertung: überzeugend

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