TV Star Portrait
Hannelore Hoger - Ein grantiges Jubliäum
Hannelore Hoger spielt zum 30. Mal Bella Block ('Bella Block: Stich ins Herz', Sa., 26.11., 20.15 Uhr, ZDF)
Von Eric Leimann 9. Nov 2011, 17:32

'Meine Freizeit fülle ich mit Quatsch': Hannelore Hoger, mittlerweile 69 Jahre alt und seit 17 Jahren als Bella Block unterwegs, will weniger arbeiten. © ZDF / Stephan Persch
Hannelore Hoger, vor 69 Jahren in Hamburg geboren, ist ein menschliches Vorzeigeexemplar ihrer Stadt. Ihrer unerschütterlich schnoddrigen Lebensart hat die langjährige Theatermimin mit der so echt wirkenden Ermittlerin 'Bella Block' längst ein Denkmal gesetzt. 1994 startete die vielfach prämierte Krimireihe mit dem Max Färberböck-Film 'Die Kommissarin'. Seit zwei Folgen ist Kommissarin Block nun in Rente, ermittelt sozusagen 'privat'. Doch wie lange kann man diese Konstruktion noch glaubhaft aufrecht erhalten?

Hinzu kommt, dass Hannelore Hoger seit Jahren mit dem Abschied von jener Rolle kokettiert, welche sie einzuschränken scheint und die sie wohl dennoch liebt. Ein etwas grantiges Geburtstagsgespräch zum 30. Fall.
teleschau: Ihre Figur Bella Block ist seit zwei Folgen in Rente. Haben Sie sich schon überlegt, wie lange es mit der Reihe noch weitergehen soll?
Hannelore Hoger: Das ZDF und die UFA möchten, dass es noch weitergeht und das Publikum auch. Die Filme kommen gut an. Natürlich ist die Rolle mir über die Jahre ans Herz gewachsen. Aber ich möchte auch wieder Theater spielen und Regie führen.

teleschau: Sie sehen also ein nahes Ende?
Hannelore Hoger: Fall Nummer 31, der in Berlin spielt, ist abgedreht. Im nächsten Frühjahr kommt Nummer 32, und dann sehen wir weiter.
teleschau: In einem früheren Interview aus jener Zeit, da Bella Block noch im Dienst war, sagten Sie einmal, dass Sie irgendwann zu alt seien, um die Rolle noch glaubhaft spielen zu können...
Hannelore Hoger: Das soll ich gesagt haben? Kann ich mich nicht dran erinnern. Sehen Sie, die Rolle hat kein Alter. Ich könnte sie mühelos zehn Jahre jünger spielen.

Solange die noch auf zwei Beinen läuft und ich noch so schön bin (lacht), ist Bella Block glaubhaft. Ich drehe einen Film pro Jahr - das ist ja wohl noch vertretbar.
teleschau: Haben Sie noch Ziele mit der Figur Bella Block?
Hannelore Hoger: Mein Einfluss auf die Drehbücher ist begrenzt.
teleschau: Man kann sich nicht vorstellen, dass Sie so wenig Mitspracherecht bei der Entwicklung der Reihe haben ...
Hannelore Hoger: Ich bin Schauspielerin und gestalte meine Rolle. Das ist mein Einfluss. Natürlich werden die Bücher vorher mit mir besprochen, das Thema und so weiter.

Später treffe ich mich mit dem Regisseur, den Kollegen, der Producerin, und wir beraten gemeinsam darüber, was wir ändern wollen und warum.
teleschau: Der Rückzug von Bella Block ins Privatleben war also nicht von Ihnen gewünscht?
Hannelore Hoger: Nein, ich glaube nicht. Teilweise vielleicht.
teleschau: Kommt ihr von Rudolf Kowalski gespielter langjähriger Lebensgefährte irgendwann von seiner endlosen Reise zurück?
Hannelore Hoger: Das weiß ich nicht. Es war sein Wunsch, aus der Reihe auszusteigen. Er war immer etwas unzufrieden, was ich nicht ganz verstanden habe.

Jetzt hat er seine eigene Sendung und ist selber Kommissar (in der ZDF-Reihe 'Stolberg', d. Red.), daher ist es unwahrscheinlich, dass er zurückkommt. Vielleicht ist ja ein Neuer im Anmarsch - in der nächsten, der Berlin-Folge, könnte sich da schon was tun (lacht).
teleschau: Haben Sie in 17 Jahren 'Bella Block' schon mal daran gedacht, einfach hinzuschmeißen?
Hannelore Hoger: Wenn ich gewusst hätte, wie lange das geht, hätte ich vermutlich gar nicht erst angefangen. Nein, im Ernst - es macht mir ja Spaß. Es sind viele gute Filme entstanden. Andere beneiden mich um die Qualität der Reihe.

Außerdem möchte und muss ich noch Geld verdienen, ich habe keinen Millionär im Hintergrund. Ich musste immer arbeiten, und das ist auch gut so!
teleschau: Steckt in Bella Block ganz viel Hannelore Hoger?
Hannelore Hoger: Ich habe die ersten 25 Jahre meines beruflichen Lebens sehr erfolgreich an großen und berühmten Bühnen Theater gespielt. Bestimmt 100 und mehr Rollen, die alle ganz verschieden waren. Ich bin aber nicht Bella Block. Ich spiele sie.
teleschau: Gab es mal einen 'Bella Block'-Film, in dem eine Idee von Ihnen selbst umgesetzt wurde?
Hannelore Hoger: Da kann ich mich an zwei erinnern.

Ich wünschte mir einen Fall mit weniger Text für mich. Daraus wurde dann der Zweiteiler 'Das Schweigen der Kommissarin', geschrieben von Beate Langmaack. Bella wurde im Gericht mit einem Messer angegriffen, bekam durch den Unfall eine Kehlkopfquetschung. Dadurch ergaben sich für mich gute Szenen zum Spielen. Dann wollte ich in einem Fall ermitteln, in dem es nicht zum Mord kommt. Wo das Küchenmesser in der Schublade bleibt - dort, wo es hingehört. Wo Bella also nicht zu spät kommt, sondern die Katastrophe abwenden kann. Das war 'Die Frau des Teppichhändlers'.
teleschau: Gibt es eigentlich zu viele Krimis im deutschen Fernsehen?

Hannelore Hoger: Ich finde ja. Aber - Krimi ist ein Genre, über das man fast jede Geschichte erzählen kann. Entscheidend ist eben immer das 'Wie' und das 'Was'.
teleschau: Was tun Sie, wenn sie nicht Bella Block sind?
Hannelore Hoger: Dann gehe ich spazieren oder spiele andere Rollen. Zuletzt habe ich unter der Regie von Urs Egger eine kleinere Rolle in einem Zweiteiler in England gedreht. 'Das andere Kind'. Eigentlich auch ein Krimi. Eine schöne Arbeit. Dann nehmen wir wieder 'Love Letters' auf, eine szenische Lesung mit Peter Sattmann, Regie Alfred Kirchner, im Januar 2012 am Schlossparktheater Berlin und geplant noch einmal am St.

Pauli Theater in Hamburg. Es gibt weitere Lesungen in verschiedenen Städten und Hörbücher. Zuletzt ist von mir in der 'Brigitte'-Edition 'Babettes Fest' von Tania Blixen erschienen. Ein wunderbarer Text.
teleschau: Könnten Sie sich vorstellen, mit deutlich weniger oder ganz ohne Arbeit zu leben?
Hannelore Hoger: Nein, ganz ohne Arbeit möchte ich nicht leben. Aber ich plane bewusster Pausen ein, konzentriere mich auf die Sachen, die mir Freude machen.
teleschau: Womit füllen Sie diese freie Zeit?
Hannelore Hoger: Mit Quatsch. Ich führe ein freies, selbstbestimmtes Leben. Machen Sie sich keine Sorgen - es geht mir gut.

Hannelore Hoger: Ja. Und ich bin immer wieder nervös und aufgeregt. Neulich, beim Dreh in England, hat das Team nach einer Szene applaudiert, das sind natürlich schöne Momente.
teleschau: Vermissen Sie als Schauspielerin etwas im Film von heute?
Hannelore Hoger: Die Frage müssen Sie sich selbst beantworten. Jedenfalls an Talenten fehlt es uns nicht.
© 2011 teleschau - der mediendienstBella Block: Stich ins Herz - Sa. 26.11 - ZDF: 20.15 Uhr
26. Nov 2011, 20:15
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