TV Star Portrait
Timothy Hutton - Held aus der zweiten Reihe
Timothy Hutton spielt in 'Leverage' (montags, 22.10 Uhr, vox)
Von Alexandra Petrusch 16. Nov 2011, 16:32

Stiehlt sich gern aus dem Rampenlicht: 'Leverage'-Hauptdarsteller Timothy Hutton. © vox / Guido Lange
'Er ist ein guter Typ, aber nicht unbedingt leicht im Umgang', attestiert Timothy Hutton seiner Figur Nathan Ford. Seit 2008 verkörpert der Schauspieler den Ex-Versicherungsagenten und Alkoholiker, der in der US-Serie 'Leverage' als moderner Robin Hood eine Gruppe von Dieben und Betrügern anführt, die für die gute Sache krumme Dinger dreht. Wie in seiner Rolle wirkt der 51-Jährige etwas erschöpft und distanziert, als er in Köln mit grauem Dreitagebart Interviews gibt. Liegt es an den vielen Gesprächen, die er bis zum Nachmittag schon gegeben hat - oder am unfreundlichen deutschen Herbstwetter?

Dabei gab es in Deutschland tolle Nachrichten für den Schauspieler: Gerade ist bei vox die zweite Staffel von 'Leverage' (montags, 22.10 Uhr) mit fantastischen Quoten angelaufen. 12,3 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern - so gut schnitt die Krimiserie hierzulande noch nie ab.
Im Mittelpunkt von 'Leverage' steht Nathan Ford, der seinen Sohn verlor, als der Junge auf eine kostspielige Behandlung angewiesen war. Nathans Arbeitgeber verweigerten ihm jedoch jede finanzielle Unterstützung.

Verbittert wechselte der verwaiste Vater die Seiten und tat sich mit vier hoch talentierten Gangstern zusammen, um künftig andere Menschen zu rächen, die von den Reichen und Mächtigen um Recht oder Eigentum gebracht wurden. In den USA ist bereits die fünfte Staffel der Serie in Planung, worüber sich Timothy Hutton, der im wahren Leben noch nie etwas geklaut haben will, entsprechend freut: 'Das ist großartig. Ich habe so viele Möglichkeiten, meinen Charakter weiterzuentwickeln.

'
Der gebürtige Kalifornier, der in Strickjacke und mit lässig zurückgekämmtem Haar das pure Understatement ausstrahlt, hätte also allen Grund zu einer Bombenlaune. Doch er macht einen etwas verkrampften Eindruck, und die Anweisung im Vorfeld ist eindeutig: keine Fragen zu seinem Privatleben. Seit 2000 ist er mit Aurore Giscard d'Estaing, der Nichte des ehemaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing, verheiratet. Schon länger gibt es Gerüchte, Hutton lebe getrennt von seiner Gattin. Auch seine beiden Söhne Noah (24) und Milo (10) sollen besser kein Thema sein.

Der Ältere, den er aus erster Ehe mit Schauspielerin Debra Winger ('Ein Offizier und Gentleman') mitbrachte, arbeitet wie sein Vater inzwischen in der Filmbranche und übt sich als Dokumentarfilmer.
Auch Huttons Vater Jim war Schauspieler, doch es war keineswegs vorgezeichnet, dass der Spross in dessen Fußstapfen treten würde. Hutton und seine ältere Schwester wuchsen bei der Mutter auf, die Lehrerin war. Überhaupt: 'In meiner Familie waren alle Lehrer. Ich dachte, ich würde eines Tages auch einer sein.' Auch Basketball-Profi oder Architekt zu werden, hätte er sich als Kind vorstellen können.

Doch es kam anders: Mit 16 Jahren zog es ihn zu seinem Vater nach Los Angeles. Nach einigen Theaterrollen in der Schule, kam er bald zum Fernsehen. 'Als ich 18, 19 Jahre alt war, machte ich mir keine Gedanken über die Kamera und das ganze Drumherum. Einen Charakter von Grund auf zu entwickeln, und das täglich von Neuem, das interessierte mich.'
Doch erst als er ein Jahr nach seinem ersten TV-Auftritt eine Nebenrolle in Robert Redfords Drama 'Eine ganz normale Familie' (1980) bekam, wusste Hutton, dass er Schauspieler werden wollte, und die Branche bestätigte seine Ambitionen: Er gewann prompt den Oscar für seine Darstellung.
Den Preis widmete er seinem Vater, der 1979 an Krebs gestorben war. 'Ich hätte gern mehr Zeit mit ihm gehabt', sagt der Schauspieler nun im Rückblick auf diesen schweren Schlag. Heute bestreitet er, dass ihn die Ehrung unter Druck setzte. 'Der Oscar hat mir Türen geöffnet, es lag so viel vor mir. Ich hatte Glück, das einige meiner Filme die gleiche Anerkennung erhielten wie mein erster', gibt er rund 60 Produktionen später betont bescheiden zu Protokoll. Er habe sich immer auf die Arbeit und auf seine Familie konzentriert, um nicht abzuheben. 'Ich bin froh, dass ich immer zu tun hatte.'
Vermutlich blieb für Timothy Hutton gerade wegen seiner pragmatischen Art der Oscar für seine Nebenrolle ein herausragender Achtungserfolg. Zumindest war er aus heutiger Sicht ein Omen, denn der Mann war in seiner Karriere vor allem eines: der ausgezeichnete Nebendarsteller in namhaft besetzten Spielfilmen wie 'Wehrlos - Die Tochter des Generals' (1999), 'French Kiss' (1995) oder 'Das geheime Fenster' (2004). Auch in Roman Polanskis 'Der Ghostwriter' brillierte er im vergangenen Jahr in der zweiten Reihe.
Nein, das Rampenlicht scheint ihn einfach nicht zu interessieren. Mit Frau und Kindern lebte er seit seiner Hochzeit in Frankreich, 'einer guten Basis, um in alle Welt zu reisen'. Außerdem hat er eine Wohnung in New York, wo er auch ein Resaturant besitzt. 'Ich habe stets versucht, mich nicht von dem vereinnahmen zu lassen, was rund um meine Arbeit passiert - von allem, was mit Promotion oder der Öffentlichkeit zu tun hat.' Das erklärt vielleicht am Ende seine reservierte Art. Timothy Hutton will kein Promi sein und hält die Presse bewusst auf Abstand. Ein guter Typ eben, an manchen Tagen nicht leicht im Umgang - man kann es ihm fast nicht übel nehmen.
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