TV Programm
Shine a Light - Di. 20.12 - ARTE: 20.15 Uhr
Die Liebe zum Detail
Von Jens Szameit 20. Dez 2011, 20:15

Die Schöne und das Biest: Christina Aguilera und Mick Jagger. © ARTE / ZDF / Kevin Mazur / Kinowelt
Man sollte es vorwegsagen: Am Ende des Tages ist auch 'Shine a Light' nicht mehr als ein Konzertfilm. Wer sich also überhaupt nicht für die Rolling Stones interessiert, wird hier nicht viel mitnehmen können. Trotz der Regie von Martin Scorsese. Denn der gab sich zwar alle Mühe der Welt, engagierte gleich 14 zum Teil oscarprämierte Kameramänner und verbrachte vermutlich Monate im Schnittraum. Doch den Fokus des Films, den legte er auf jenen legendären Gig, den die Stones im Herbst 2006 im Beacon Theatre in New York gaben. 'Shine a Light' lief 2008 bei der Berlinale, dann im Kino und ziert nun als willkommene TV-Wiederholung das 'ARTE-Weihnachtsprogramm'.

Witzig: 'Shine a Light' beginnt gewissermaßen mit seinem eigenen Making Of. Alle bereiten sich auf das Konzert vor. Aber niemand macht's so richtig. Und Scorsese, der oft genug von der Kamera eingefangen wird, rauft sich die Haare. Denn Keith Richards, Mick Jagger, Charlie Watts und Ron Wood machen ihm Sorgen. Am Tag vor dem Konzert haben sie noch nicht einmal die Setlist für den Gig zusammengestellt.
Vielleicht zielt Scorsese deshalb fast trotzig in die Vollen. Nach einer Viertelstunde geht es so richtig los - und nur noch um die Musik. Die Rolling Stones auf der Bühne. Und diese Songs. 'Jumpin' Jack Flash', das von Bill Clinton angesagt wird.

Natürlich 'Sympathy For The Devil', 'Brown Sugar', 'Satisfaction' und 'Paint It Black'. Scorsese bleibt nah an der Band, mehr noch: Er zoomt sich die einzelnen Mitglieder heran, sodass jeder Jahresring sichtbar wird. Später erhebt er Keith Richards dank einiger Scheinwerfer-Tricks zur hellen Lichtgestalt, zum Messias. Christina Aguilera, Jack White und Buddy Guy, die als Special Guests auftreten, bleiben schmückendes Beiwerk.
Natürlich, wenn Scorsese einen Musikfilm dreht, ist das ein bisschen so, als ob ein Sternekoch in der Currywurst-Bude agiert: Das Banale wird fein, aus Kunsthandwerk wird Kunst. Scorsese arbeitet geschickt.

Immer wieder blendet er Interviewfetzen ein. Kommentiert werden sie nicht, sie sprechen in ihrer Prägnanz für sich. Der ausgewiesene Stones-Kenner hat ausgezeichnet gearbeitet. Überraschungen oder neue Erkenntnisse zur Band sollte man dennoch nicht erwarten.
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