TV Star Portrait
Claus Theo Gärtner - Ein Eichhörnchen macht Schluss
Claus Theo Gärtner spielt seit 30 Jahren in 'Ein Fall für zwei' (Jubiläumsfolge 'Der Fall Matula' am Fr. 09.12., 20.15 Uhr, ZDF)
Von Eric Leimann 21. Nov 2011, 16:30

Ein 'Private Eye' macht Schluss: Claus Theo Gärtner, 68, stand seit 1981 als Detektiv Matula vor der Kamera. Im August 2012 fällt für ihn die letzten Klappe. © ZDF / Andrea Enderlein
Eigentlich wollte das ZDF ja nur einen Pressetag zum 30-jährigen Bestehen der Freitagsabendserie 'Ein Fall für zwei' organisieren. Die Veranstaltung mit Claus Theo Gärtner entwickelte jedoch plötzlich eine Eigendynamik. Aus einer angekündigten Pause des Hauptdarstellers wurde plötzlich das endgültige Aus für die Figur Matula. Zuvor drückte der 'ewige Gärtner', der sich seit 1981 durch fast 300 Folgen prügelte, dem deutschen Serienfernsehen in Sachen Fassadenkletterei allerdings seinen unauslöschlichen Stempel auf. Nun zieht es Claus Theo Gärtner mit seiner 36 Jahre jüngeren Frau erst mal auf Abenteuer-Weltreise.

Zeit für eine Bilanz nach 30 Jahren 'Matulascher Monokultur' muss zuvor dennoch sein.
teleschau: Wie oft haben Sie sich in den letzten 30 Jahren am Freitagabend auf der Couch 'Ein Fall für zwei' angesehen?
Claus Theo Gärtner: Freitagabend musste ich fast immer arbeiten. Das ist nämlich der berühmte Tag für Nachtdrehs - weil an den kommenden beiden Tagen frei ist. Aber wenn ich Zeit habe, sitze ich tatsächlich vor dem Fernseher, auch wenn ich die Folge zuvor schon auf DVD gesehen habe. Das ist dann für mich ein bisschen wie eine Premiere im Theater.
teleschau: Wie viel Claus Theo Gärtner steckte in der Figur des Matula?

Gärtner: Am Anfang war die Rolle ein weißes Blatt Papier. Ich habe sie so gespielt, wie ich mir eben einen Detektiv vorstellte. Irgendwann hat sich das verfestigt und ist zu einem eigenständigen Charakter geworden. Aber in dem ist natürlich eine Menge von mir drin. Woher soll es der Matula auch sonst haben?
teleschau: Wie oft werden Sie auf der Straße mit 'Hallo, Herr Matula' angesprochen?
Gärtner: Das kommt schon öfter vor. Gestern Abend erst wieder - da hatten wir einen Außendreh.

Als ich danach durch die Absperrung ging, sagte so ein Blocker - das sind die Leute, die eine Szene absperren - mit einem Diener: 'Auf Wiedersehen, Herr Matula.' Ich bin mir sicher, der meinte das ganz ernst.
teleschau: Hat sich Josef Matula über die 30 Jahre verändert?
Gärtner: Er ist älter geworden und deshalb heute weniger flippig und antiautoritär in seinen Einstellungen. Vielleicht ist er auch mit den Fäusten nicht mehr ganz so schnell. Wenn man Mitte 60 ist oder älter, sollte man andere Formen der Konfliktbewältigung gefunden haben.

teleschau: Matula ist wahrscheinlich der bekannteste Fassadenkletterer im deutschen Fernsehen. War es zu Beginn der Serie Ihre Idee, diesen Detektiv ständig die Häuser hoch zu schicken?
Gärtner: Es hat sich so ergeben. Die Autoren und Produzenten merkten schnell, dass ich das kann. Also hat man es für die Geschichten benutzt. Aber jede Wand, die ich hochgeklettert bin, stand auch so im Drehbuch. Ich renne ja nicht rum und sage: 'Hey, da ist eine Wand. Was für eine günstige Gelegenheit zum Klettern. Kamera an!

'
teleschau: In der Jubiläumsfolge zum 30-jährigen Bestehen der Serie springen Sie von einem Balkon in einen Baum und klettern diesen herunter. So etwas machen sonst nur die Eichhörnchen ...
Gärtner: Im früheren Leben war ich vielleicht Eichhörnchen, deshalb kann ich das so gut. Im Ernst, die Szene habe ich nicht selbst gespielt. Das würde ich gerne machen, aber die Produktion erlaubt mir solche Szenen nicht - wegen des Verletzungsrisikos. Manchmal machen die Stuntleute eine Szene für mich, und ich mache sie danach selbst noch mal. Damit aber die Versicherung nicht meckert, nehmen wir doch die Version mit dem Stuntman.

teleschau: Wie haben Sie sich über die Jahre fit gehalten?
Gärtner: Wissen Sie, wenn man jeden Tag zwölf Stunden dreht, ist das Training genug. Wenn Matula eine Treppe hochrennt, macht er das ja nicht nur einmal. Bis die Szene im Kasten ist, haste ich zehnmal da rauf. Einmal für die Bildschärfe, einmal, weil ein Flugzeug im Hintergrund zu hören war, einmal, weil ich mich versprochen habe. Und so weiter. Wenn ich nicht drehe, mache ich gerne Tauchurlaub - das gehört mit zu meinem Fitnessprogramm.
teleschau: Wie oft dachten Sie in den letzten 30 Jahren darüber nach, die Rolle hinzuschmeißen?

Gärtner: Eigentlich nur ein einziges Mal. Ich bin 13 Jahre lang Autorennen gefahren. Einmal hat mein Produzent bei einem 24-Stunden-Rennen zugeschaut und war so entsetzt von dem, was er sah, dass er mir das sofort verbieten wollte. Er kam direkt nach dem Rennen in die Box und sagte mir, dass das viel zu gefährlich sei. Damals dachte ich, wenn er die Sache durchzieht, fahre ich eben nur noch Autorennen.
teleschau: Sie standen in den letzten 30 Jahren so oft als Matula vor der Kamera, dass Sie kaum Zeit für andere Rollen hatten. Fehlte Ihnen nichts?

Gärtner: Ich kam immer dann ins Grübeln, wenn ich Rollenangebote bekam, die in der Karibik oder an anderen tollen Orten dieser Welt spielten. Es stimmt schon - bei zehn oder zwölf Folgen, die wir übers Jahr verteilt drehten, blieb einfach kein Platz für Anderes. Was soll ich mit sechs freien Tagen anfangen? Da kann ich keinen Film machen. Und so eine Tagesrolle irgendwo anders - das war nun auch nicht nötig. Und ich wollte das auch nicht. Es gibt ja noch ein Leben vor dem Tode. Man muss auch mal ein bisschen Urlaub machen.
teleschau: Sie hätten darauf drängen können, weniger Folgen im Jahr zu drehen, um Zeit für andere Rollen zu haben.
Gärtner: Aber was hätte das Team dann in dieser Zeit gemacht? Ich habe mich da immer sehr verantwortlich gefühlt. Wenn man so lange miteinander arbeitet, ist das wie eine Familie. Loyalität ist für mich eine wichtige Größe im Leben.
teleschau: Ärgert es Sie heute manchmal, dass Sie Ihr Leben als Schauspieler so einseitig gestaltet haben?
Gärtner: Das habe ich mir ja selbst eingebrockt. Wie festgelegt ich in der Rolle bin, entscheide ich außerdem durch mein Spiel. Da muss man sagen, ich habe bei Matula gewisse Freiheiten, einen Gestaltungsspielraum, den man bei vielen anderen Rollen nicht hat.
teleschau: Nach der 300. Folge ist im August 2012 Schluss für Matula. Welche Träume möchten Sie sich danach erfüllen?
Gärtner: Unerfüllte Träume hat jeder. Manche davon möchte ich auch noch realisieren. Ich will wieder Theater spielen. Etwas, das ich die 25 Jahre vor 'Ein Fall für zwei' vorwiegend getan habe. Davor mache ich aber mit meiner Frau eine längere Reise. Gerade haben wir uns einen 12,5-Tonner gekauft und unsere LKW-Führerscheine gemacht. Wir bauen die Kiste zum Wohnmobil um. Allradantrieb hat das Ding auch, so dass man auch mal abseits der Straße fahren kann. Der Plan ist, über das Baltikum nach Russland zu fahren, ein kleines Stückchen Mongolei und dann durch China. Danach rüber nach Alaska und die Panamericana herunter - von Alaska bis Feuerland.
teleschau: Die Rolle als Matula hat auch ihr Privatleben insofern stark geprägt, als Sie Ihre jetzige Frau dort kennenlernten ...
Gärtner: Ja, damals war sie 24. Sie hatte als junges Mädchen einen Drehbuchpreis beim ZDF gewonnen und wurde danach von Set zu Set geschickt, um Praxiserfahrungen zu sammeln. In drei Jahren war sie dreimal bei uns, aber die ersten beiden Jahre hatte ich sie gar nicht wahrgenommen. Ist ja auch gar nicht so leicht, sich zu treffen. Praktikanten oder Hospitanten - die stellt man ja gerne mal an einen LKW, um dort aufzupassen. Da ist sie mir irgendwann aufgefallen. Ich habe gesagt: Holt doch mal das Mädchen ran. Da hinten, 300 Meter weg vom Set, lernt sie doch gar nix. So kam sie etwas näher, und irgendwann hat es dann geschnackelt. Ich war gerade solo und hatte so das unglaubliche Glück, diese tolle Frau kennenzulernen.
teleschau: Stimmt es, dass Ihre Frau als Kind Matula-Fan war?
Gärtner: Meine Frau kommt aus einem Schweizer Pädagogenhaushalt und sie hat noch drei jüngere Schwestern. Die Mädchen durften nicht fernsehen. Mit 13 hat sie sich dann bei ihrer Mutter beschwert, dass alle anderen Kinder fernsehen dürfen, nur sie nicht. Die Mutter lenkte ein und erlaubte, eine Sendung zu gucken. Sie bestand aber darauf, diese Sendung für die Tochter selbst auszusuchen. Ihre Wahl fiel auf 'Ein Fall für zwei'. Vielleicht, weil das als weniger brutal gilt im Vergleich zu anderen Krimis. In der ersten Folge, die meine heutige Frau sah, brachte Matula eine 13-Jährige nach Hause, die von dort abgehauen war. Davor hatte er aber mit ihr am Lagerfeuer gesessen und sich ihre Probleme angehört. Welche 13-Jährige bräuchte nicht einen solchen Kumpel, der so etwas macht? Das hat mir meine Frau aber alles erst später erzählt, als wir uns schon lange kannten.
© 2011 teleschau - der mediendienstEin Fall für Zwei - Die lange Nacht - Fr. 30.12 - ZDF: 20.15 Uhr
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