Musik Reportagen
Mazgani: Song Of Distance
Distanziert und düster
Von Nina Hortig 9. Dez 2011, 13:22

'Song Of Distance' nennt Shahryar Mazgani sein neues Album. Ein Titel, aus dem Einsamkeit spricht. Doch in seinen Liedern geht es nicht nur um das Fernsein, der iranisch-portugiesische Singer-/Songwriter behandelt auch Themen wie Glaube und Zweifel, Abschied und das Alleinsein. In bester Tom-Waits-Manier erzählt Mazgani mit nicht ganz so weinlastiger, aber dennoch sehr eigener Stimme Geschichten fernab von Erfüllung und ungetrübter Freude.
Es sind nicht einfach Worte, Mazganis Songs sind pure Poesie. Lyrik von der dunklen Seite. Bisweilen lassen die Lieder den Hörer richtiggehend beklommen zurück - und das nicht nur wegen der trübsinnigen Texte.
Mit einem Sammelsurium an besonderen Klanginstrumenten - und dazu zählt in diesem Fall auch die Stimme - erschafft Mazgani eine dichte, das Unheil beschwörende Atmosphäre.
Die Violine wehklagt zu den letzten Worten des Sängers ('Last Words'). Wenn er Geschichten aus dem 'Slaughterhouse Of Love' erzählt, hallen die Gitarrensaiten lange nach. Ab und an geistern die Spuksounds des längst vergessenen Theremins zwischen den Melodien umher. Slidegitarre und temperamentvolle Drums untermalen Mazganis Bitte um einen 'Loving Guide', der ihn durch die weiten, unberechenbaren Gefilde der Liebe lenken möge. Und die disharmonischen Chöre in 'Beggar's Hands' jagen Gänsehaut über den Rücken.
Neun Songs lang ist dieses intime Stelldichein mit Mazgani, der zusätzlich sieben Songs seiner 2009 in Portugal veröffentlichten EP 'Tell The People' auf die Playlist packte. Das französische Musikmagazin 'Les Inrockuptiles' kürte Mazgani 2006 zu einer der größten musikalischen Hoffnungen, noch bevor das Debütalbum 'Song Of The New Heart' überhaupt veröffentlicht war. Mit 'Song Of Distance' wird diese Hoffnung nicht enttäuscht, sondern vielmehr weiter befeuert.
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