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Friedrich - Ein deutscher König - Mo. 16.01 - ARD: 22.45 Uhr

Ihre Majestät

Von Katharina Raab 16. Jan 2012, 22:45

Macht den Preußenkönig transparent: Vollblutschauspielerin Katharina Thalbach als Friedrich II. © ARD / rbb / Tom Schulze / DOKfilm

Macht den Preußenkönig transparent: Vollblutschauspielerin Katharina Thalbach als Friedrich II. © ARD / rbb / Tom Schulze / DOKfilm

Der spielerische Wechsel ins andere Geschlecht - dank Matthias Schweighöfers 'Rubbeldiekatz'-Auftritt ist dieses Phänomen seit Kurzem wieder kinotauglich. Nun spielt auch ein furioses Dokudramaprojekt die Gender-Karte. Zum 300. Geburtstag König Friedrichs II. schlüpfen Katharina und Anna Thalbach im Friedrichsjahr in die Rolle des kontroversen preußischen Monarchen. 'Friedrich - Ein deutscher König' (2011) ist eine aufregend andere Annährung an den längst mythisch überhöhten 'Alten Fritz', die kürzlich bei ARTE vorab debütierte und nun im Ersten ausgestrahlt wird.

Ein kaputter, aber eindrucksvoller König: Katharina Thalbach schlüpfte in die Rolle des Alten Fritz. © ARD / rbb / Tom Schulze / DOKfilm

Ein kaputter, aber eindrucksvoller König: Katharina Thalbach schlüpfte in die Rolle des 'Alten Fritz'. © ARD / rbb / Tom Schulze / DOKfilm

Es mag eine mutige Entscheidung gewesen sein, Katharina Thalbach und ihre Tochter Anna für die Rolle des alten und jungen Preußenkönigs zu verpflichten - eine brillante war es definitiv. Ein Coup, der irritiert und gerade deshalb gelingt. Die innovative Königstravestie macht scheinbar Verstaubtes von Anfang an spannend. Um einen 'frischen, zeitgemäßen Blick' sei es den Machern gegangen - der Ernsthaftigkeit des Dokudramas tut der Rollentausch jedenfalls keinen Abbruch.

Arg weiblich ist dieser Friedrich II. ohnehin nicht.

Liebt die Kunst und den Krieg: Friedrich II. (Katharina Thalbach). © ARD / rbb / Tom Schulze / DOKfilm

Liebt die Kunst und den Krieg: Friedrich II. (Katharina Thalbach). © ARD / rbb / Tom Schulze / DOKfilm

Katharina und Anna Thalbach wischen die Frau in sich zur Seite und lassen einen Mann zum Vorschein kommen, den Geschichtsbücher als aufgeklärten Absolutisten feierten, als kompromisslosen Kriegsherren verklärten, in dessen Herz stets ein Poet und Musiker weilte. Spannend ist dieser König allemal, gerade wegen seines Facettenreichtums und seiner konsequenten Widersprüchlichkeit.

Anna Thalbach spielt ihn eindrucksvoll, den jungen Monarchen, den Träumer, der lieber Flöte spielt als sich dem Willen des überstrengen Vaters (Oliver Nägele) zu beugen.

Der junge Friedrich (Anna Thalbach) träumt lieber statt strammzustehen. © ARD / rbb / Tom Schulze / DOKfilm

Der junge Friedrich (Anna Thalbach) träumt lieber statt strammzustehen. © ARD / rbb / Tom Schulze / DOKfilm

Der züchtigt seinen widerspenstigen, aus heutiger Sicht sicher hochbegabten, Sohn wo er nur kann, will einen Soldaten aus dem Feingeist schnitzen, den Mann aus ihm herausprügeln. Friedrich II. ist damals sicher der Letzte, der glauben kann, dass aus ihm einmal ein stattlicher Feldherr werden wird.

Ein Frauenfreund jedenfalls wird aus dem Herrscher nie. Die Ehe mit Herzogin Elisabeth Christine (Valerie Koch) ist arrangiert und bleibt kinderlos. Friedrich, der sich im Geiste mit dem französischen Philosophen Voltaire verbunden fühlt, ist eher den Männern zugetan.

Ein furioses Experiment: Anna (links) und Katharina Thalbach geben den jungen und den alten Fritz. © ARD / rbb / Tom Schulze / DOKfilm

Ein furioses Experiment: Anna (links) und Katharina Thalbach geben den jungen und den alten Fritz. © ARD / rbb / Tom Schulze / DOKfilm

Eine Mutmaßung, die längst Einzug in kontemporäre Geschichtsbücher hielt und auch im Doku-Drama angedeutet wird. Von reißerischen Boulevardisierungen wird jedoch abgesehen. Hier packt Geschichte auch ohne Sex.

Mit ansprechenden Animationen und vor authentischer Kulisse aufbereitet trifft 'Friedrich - Ein deutscher König' stets den richtigen Ton: kein vorbehaltloses Abfeiern eines historischen Superstars, kein aufgesetztes Dekonstruieren des Monarchen-Mythos. Stattdessen begeistert diese eindrucksvolle Legendenschau durch feinsinnige Ironie und echte Tragik. Hier interessiert das Innerste, die Psychologie.

Spatz im goldenen Käfig: Elisabeth Christine (Valerie Koch) fristet ein einsames Dasein an der Seite ihres Königs. © ARD / rbb / Tom Schulze / DOKfilm

Spatz im goldenen Käfig: Elisabeth Christine (Valerie Koch) fristet ein einsames Dasein an der Seite ihres Königs. © ARD / rbb / Tom Schulze / DOKfilm

Vor allem Katharina Thalbach macht den 'bösen Mann aus Potsdam' transparent. Sie entfacht eine Ahnung dessen, was den 'Alten Fritz' umgetrieben haben mochte, der an seinem Lebensabend einsam und verbittert an einem opulenten Ort verweilt, den er einst in einem Anflug von Melodramatik und vielleicht auch Zynismus 'Sanssouci' taufte.

© 2011 teleschau - der mediendienst

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