TV Star Portrait
Katie Fforde - 'Ich glaube an die wahre Liebe'
Katie Fforde ersinnt die romantischen Geschichten hinter der gleichnamigen ZDF-Reihe (sonntags, 12.02., 26.02. und 18.03., 20.15 Uhr)
Von Eric Leimann 11. Jan 2012, 16:46

Die englische Schriftstellerin Katie Fforde liefert die Vorlagen zu den romantischen ZDF-Filmen unter ihrem Namenssiegel. © ZDF / Meinolf Schmitz
Sie ist knapp 60 Jahre alt, und im Hintergrund sitzt ihr Mann Desmond, mit dem Katie Fforde seit 1972 verheiratet ist. Zwecks Interview ist das englische Ehepaar gemeinsam nach Hamburg gekommen - so wie damals vor knapp 40 Jahren, kurz nach ihrer Hochzeit. Damals fuhr Desmond zur See, Katie begleitete ihn. Heute ist die Frau fürs Business zuständig. Katie Fforde begann Mitte der 90er-Jahre, romantische Romane zu schreiben. 2009 entdeckte eine deutsche Filmproduktionsfirma das Potenzial der mit sanfter Ironie durchzogenen Liebesgeschichten.

Man sicherte sich die Rechte an Ffordes Romanen, verlegte die Handlung allerdings vom Südwesten Englands ins New Yorker Umland, genauer: ins Hudson Valley. Mit 'Diagnose Liebe' (12.02.), 'Leuchtturm mit Aussicht' (26.02.) und 'Sprung ins Glück' (18.03.) können sich Fforde-Fans auf drei neue Romanverfilmungen auf dem sonntäglichen Sendeplatz um 20.15 Uhr im ZDF freuen.
teleschau: Wenn man als naiver Deutscher Ihren Namen in der Fernsehzeitschrift liest, könnte man annehmen, dass Ihre Geschichten in Norwegen spielen ...
Katie Fforde: Oh. Da müssten Sie eigentlich meinen Mann fragen, ihm habe ich den Namen zu verdanken. Er stammt aus Irland.

Das doppelte F war mal eine etwas affektierte Mode des viktorianischen Zeitalters. Damals dachte sich wohl jemand, dass zwei F am Anfang eines Namens unterhaltsam aussehen ...
teleschau: Die ZDF-Filme spielen im Hudson Valley, nahe New York. Ihre Romane erzählen jedoch von einer ganz anderen Gegend.
Katie Fforde: Richtig. Meine Bücher erzählen fast alle Geschichten aus den Cottswolds. Das ist eine Gegend im Südwesten Englands, in der ich schon sehr lange lebe. Die Region erfreut sich großer Beliebtheit bei Touristen, weil sie landschaftlich sehr schön ist. Die nächste größere Stadt ist Bristol.

teleschau: Ihre Heimat hat Sie also zum Schreiben inspiriert?
Katie Fforde: Das kann man so sagen. Mein erster Roman spielte tatsächlich in der von uns aus betrachtet nächstgelegenen Stadt. Die Frau, um die es geht, hatte denselben Job wie ich damals. Sie ging zum selben Fitness-Club und so weiter. Im Prinzip habe ich anfangs alles in meiner nächsten Umgebung gefunden. Mit der Zeit bin ich in meinem Kopf einfach ein bisschen weitergereist.
teleschau: Sie haben erst Mitte der 90-er mit dem Schreiben begonnen - nachdem ihr drittes Kind geboren war.

Katie Fforde: Das stimmt, aber es hat danach noch einmal ziemlich lange gedauert, bis ich einen Verleger für meine Art Bücher gefunden hatte. Ich wollte mein ganzes Leben lang 'Romantic Novels' schreiben, wie man das in England nennt. Allerdings wird das Genre bei uns sehr spezifisch gesehen. Die Geschichten müssen kurz und sehr romantisch sein. Sie sind leicht zu lesen, aber durchaus schwer zu schreiben. Meine Geschichten waren im Sinne des Genres zu lang und besaßen zu viele realistische Elemente. Deshalb hatte ich es anfangs schwer.
teleschau: Realismus war also nicht gefragt?
Katie Fforde: Nicht so sehr in diesem Genre.

Sehen Sie, mich hat stets die Idee geritten, romantische Geschichten mit lebensechtem Personal zu schreiben. Ich wollte Figuren mit Sorgen, Ängsten und Nöten aus dem wirklichen Leben. Mein Ziel war es, dass, wenn man den romantischen Part meiner Geschichten wegnimmt, immer noch etwas Substanz übrig bleibt.
teleschau: Wie erfolgreich sind Ihre Bücher in Großbritannien. Gibt es dort auch Verfilmungen?
Katie Fforde: In Großbritannien haben solche Filme kaum eine Tradition. Wenn man im britischen Fernsehen dramatische Stoffe aufgreift, sind es meistens historische Kostümdramen so wie in der Serie 'Downton Abbey'.
Oder sie nehmen gleich die Klassiker von Dickens, Jane Austen oder den Brontë-Schwestern. Meistens produziert das britische Fernsehen jedoch Stoffe aus Originaldrehbüchern. Fernsehfilme mit Literatursiegel, wie es sie offensichtlich in Deutschland gibt, wären bei uns etwas Ungewöhnliches. Was den Erfolg meiner Bücher betrifft, kann ich nicht klagen. Es gibt zeitgenössische britische Schriftsteller, deren Bücher eine höhere Auflage erreichen. Aber lassen Sie es mich so formulieren: Wenn ich meinen Verlag verlassen würde, fände ich derzeit wohl einen neuen.
teleschau: Bei romantischer Literatur aus England denkt man in Deutschland zuerst an Rosamunde Pilcher. War es ein Problem für Sie, dass Pilchers Geschichten zuerst da waren?
Katie Fforde: Als Schriftsteller macht man sich über so etwas erst mal keine Gedanken. Wir leben alle in unserem eigenen Kopf, in unseren eigenen Geschichten. Rosamunde Pilcher ist in England vor allem für den Roman 'The Shell Seekers' ('Die Muschelsucher', d. Red.) berühmt. Ihre anderen Bücher sind bei weitem nicht so bekannt. Dazu kommt, dass ihre Geschichten in Cornwall spielen - so kommen wir uns nicht ins Gehege (lacht).
teleschau: Warum haben Sie mit dem Schreiben angefangen?
Katie Fforde: Schreiben ist für mich eine Art Zwang. Wenn ich mir keine Geschichten, keine Charaktere mehr ausdenken dürfte, wüsste ich nichts mit meiner Zeit anzufangen. Ich würde wahrscheinlich einfach eingehen. Deshalb möchte ich auch niemals in Rente gehen.
teleschau: Sie haben trotzdem erst spät mit dem Schreiben angefangen?
Katie Fforde: Ich habe sehr jung geheiratet. Mein Mann und ich betrieben ein kleines Touristik-Unternehmen. Wir besaßen zwei sehr schmale Barkassen, die wir zum Hotel umbauten. Damit waren wir in der Lage, sehr kleine Kanäle zu befahren. Davon gibt es in England sehr viele. So zeigten wir unseren Gästen das Land. Später bekam ich meine Kinder. Bevor ich mit dem Schreiben anfing, hatte ich keine eigene Karriere. Genau das sehe ich aber heute sogar als Vorteil. Weil ich mich um die Kinder kümmerte, gab es zwischendurch Zeit, über meine Geschichten nachzudenken. Wer weiß, ob ich Schriftstellerin geworden wäre, hätte ich früher im Leben einen ganz normalen Job wie zum Beispiel Lehrerein erlernt. Als die Kinder größer waren, arbeitete ich dann in einem Café. Dieser Job wurde dann gleich in meinem ersten Roman verewigt.
teleschau: Wie sieht Ihr Tagesablauf als Schriftstellerin aus?
Katie Fforde: Am besten kann ich am frühen Morgen schreiben. Ich mag es, Dinge geschafft zu haben, bevor das normale Leben beginnt. Seit meine Töchter Babys haben, ist meine Zeit wieder etwas begrenzter. Da kommt öfter mal jemand gegen 10 Uhr zum Besuch vorbei. Das liebe ich natürlich auch, aber die Zeit zum Schreiben wird dadurch weniger. Am besten kann ich arbeiten, wenn ich fort von zu Hause bin. Ich versuche bei jedem Buch, eine Zeit an einem anderen Ort zu schreiben - das funktioniert ziemlich gut.
teleschau: Gibt es Lieblingsorte, an denen es sich besonders gut schreiben lässt?
Katie Fforde: Eigentlich nicht. Ich war einige Male mit anderen Schriftstellerinnen unterwegs - in einer Art Schreiblager. Das funktioniert so: Wir mieten uns ein kleines Haus, dort herrscht totale Ruhe, weil jeder die ganze Zeit konzentriert arbeitet. Zwischendurch kocht man gemeinsam Essen und tauscht sich aus. Meistens herrscht jedoch eine inspirierende Ruhe. Zu Hause muss man sich um die Waschmaschine kümmern, dem Paketboten die Tür öffnen, das Telefon abnehmen und so weiter.
teleschau: Sie haben viele Freunde, die schreiben?
Katie Fforde: Ja, das hat damit zu tun, dass ich Präsidentin der Romantic Novelists' Association bin. Zuvor war ich dort lange Zeit Mitglied, weshalb sehr viele Kontakte zu anderen Autoren bestehen. Ich finde das ausgesprochen wichtig. Schriftsteller tendieren dazu, sehr eigenbrötlerisch zu sein. Über die Vereinigung findet ein Austausch statt. Wir kümmern uns auch darum, dass unveröffentlichte Autoren ihre Texte von erfahrenen Autoren lesen lassen können, um ein Feedback zu bekommen. Meine Erfahrung zeigt, dass dies eine sehr effiziente Hilfe für Nachwuchsautoren ist, einen Verlag zu finden. Ich bin sehr stolz auf diese Arbeit.
teleschau: Transportieren die Bücher der Katie Fforde eine Botschaft? Katie Fforde: Ich habe verschiedene Überzeugungen, die man in den Büchern findet. Zum einen glaube ich an die wahre Liebe. Manchmal muss man Schwierigkeiten überwinden, um diese Liebe zu finden oder sie sich zu erhalten - aber es lohnt sich. Eine andere Überzeugung ist, dass, wenn wir vom Glück reden, es oft die kleinen Momente sind, die zählen. Ein Spaziergang im Regen kann viel eindrücklicher und romantischer sein als das edelste Candlelight-Dinner deines Lebens. Du musst den richtigen Menschen finden, dann machen viele Dinge im Leben Spaß. Ich glaube außerdem, dass derjenige das Glück findet, der das Leben der Menschen verbessern möchte, der irgendein Projekt vorantreibt. Viele meiner Charaktere in den Büchern verfolgen eine solche Idee. Ich könnte niemals über jemanden schreiben, der einfach nur eitel und egozentrisch ist. Ein Model als Hauptfigur beispielsweise - das werden Sie bei mir eher nicht finden.© 2012 teleschau - der mediendienstKatie Fforde: Sprung ins Glück - So. 18.03 - ZDF: 20.15 Uhr
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Hier finden Sie Artikel und Bilder zu Katie Fforde
- Katie Fforde: Eine Liebe in den Highlands - So. 03.06 - ZDF: 20.15 Uhr
- Katie Fforde: Leuchtturm mit Aussicht - So. 26.02 - ZDF: 20.15 Uhr







