TV Programm
Zwölf Winter - Fr. 24.02 - ARTE: 20.15 Uhr
Jede Serie muss einmal enden
Von Frank Rauscher 24. Feb 2012, 20:15

Klaus Starck (Axel Prahl, rechts) und Mike Roth (Jürgen Vogel) kriegt keiner zu fassen - zwölf Winter lang halten sie Polizei und Öffentlichkeit in Atem. © ARTE / WDR / Tom Trambow
Sie arbeiteten mit absoluter Präzision, begingen das nahezu perfekte Verbrechen. Zwölf Jahre lang, von 1988 bis 2001, taten sie es immer wieder: Banken überfallen. Aber auch ihre Widersacher vom nordrhein-westfälischen LKA waren Profis. Und so kam es, dass die ebenso wie die Täter in die Kriminalgeschichte eingegangene Ermittlungskommission 'EK Winter' es 2003 doch noch fertigbrachte, eine der spektakulärsten Raubserien in der Geschichte der Bundesrepublik aufzuklären. Das Gangsterduo hatte bei 36 Überfällen über sechs Millionen Euro erbeutet und sitzt heute, verurteilt zu je 15 Jahren Haft, in Bielefeld und Aachen ein.

Der Kriminalfilm 'Zwölf Winter' (2009) erzählt nun einmal mehr bei ARTE die ganze packende Geschichte: die der beiden Bankräuber und die der Ermittler.
Autor und Regisseur Thomas Stiller sowie 'Wunder von Lengede'-Produzent Martin Zimmermann bemühten sich um größtmögliche Authentizität. Lange wurde recherchiert, im Knast sprach man mit den Delinquenten, und die wahren Ermittler wurden sowohl bei der Entstehung des Drehbuchs mit eingebunden als auch bei den Dreharbeiten.

Wahrscheinlich gelang es deshalb, die Bankräuber Rödesheim und Wolf, die im Film Mike Roth (Jürgen Vogel) und Klaus Starck (Axel Prahl) heißen, nicht übermäßig zu heroisieren. Die Versuchung mag sicher groß gewesen sein, die Täter in einer solchen Gangsterballade als reine Sympathieträger zu verkaufen, doch immer wenn man mit den beiden zu leiden, hoffen und bangen beginnen möchte, benehmen sie sich besonders fies - oder es rücken die beiden ermittelnden Beamten Geugis (Matthias Koeberlin) und Prothmann (Wotan Wilke Möhring) in den Fokus.

So geht es in wechselnder Perspektive hin und her zwischen leidenschaftlichen Jägern und ebenso leidenschaftlichen Gejagten. Ein jederzeit spannendes, höchst sehenswertes Katz- und Mausspiel, das von seinen vier herausragenden Darstellern hervorragend lebt.
Man möchte den Räubern eigentlich nichts Schlechtes, und doch gönnt man den Polizisten jederzeit den Erfolg. Und dann gibt es ja noch die Spannungen, welche die zwei Pärchen untereinander auszuhalten haben. Vor allem zwischen den bei ihren Überfällen als Rambo, Schröder, Clinton oder Reagan maskierten Kumpels Roth und Starck ist nicht alles zum Besten bestellt.
Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein: Roth, der sex- und lebenssüchtige Prasser; Starck, der biedere und trockene, zur Gewalt neigende Provinzspießer.
Nicht nur einmal denkt Starck ans Aufhören, doch Roth ist dauerpleite. Also geht es weiter, immer weiter, zwölf Winter lang. Nicht unbedingt Bonnie und Clyde oder Mickey und Mallory Knox, auch keine ehrenhaften Gentlemen: Aber es ist ein traumhaftes Duo Infernale, wenn auch ein dramaturgisch sicher überzeichnetes, das Vogel und Prahl mit echt wirkender Wucht ausstatten.
Im Hintergrund zieht die unter permanentem Druck stehende 'EK Winter' die Schlinge allmählich enger. Prothmann und Geugis arbeiten mit kaum nachvollziehbarer Akribie an einem Fall, der ihnen so viele Jahre lang nichts als Häme und Schelte einbringt ...
Am Ende ist 'Zwölf Winter' auch ein etwas nostalgischer Blick auf die Vergangenheit. Denn die Bankräuber, so wie sie hier dargestellt werden, sind in Zeiten von Online-Banking, Phishing und Scheckkartenbetrug eine vom Aussterben bedrohte Gattung. Wie schnell sich die Zeiten doch ändern: Im Film schauen die beiden ganz schön dumm aus der Wäsche, als sie eine vorher ausgespähte Filiale überfallen wollen, aber plötzlich nur vor einem soeben aufgestellten Geldautomaten stehen ...© 2012 teleschau - der mediendienstMehr über Axel Prahl
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