Musik Reportagen
Leonard Cohen: Old Ideas
Wahrheiten eines Lebens
Von Andreas Fischer 26. Jan 2012, 16:01

Man darf es ihm nicht übelnehmen, schließlich ist Leonard Cohen 77 Jahre alt. Da kann man schon mal zurückblicken. 'Old Ideas' heißt Cohens erstes Studioalbum seit acht Jahren. Ein irgendwie passender Titel: Alte Hüte sind die zehn filigranen Songs aber mitnichten. Eher Fragmente eines Lebens; gelassen, wenn sich Cohen mit Gott und Abschied beschäftigt und verführerisch, wenn es um Liebe und Verlangen geht.
Cohen weiß genau, wie er sein Album eröffnen muss. 'Going Home' - das klingt nach Abschied. Der alte Schwerenöter kokettiert damit und tritt schon mal vorsorglich in den Dialog mit Gott.
Beziehungsweise er lässt Gott um eine Audienz bitten: 'I love to speak to Leonard / he's a sportsman and a shepherd / he's a lazy bastard / living in a suit.' Ist das vermessen? Ach was, Leonard Cohen kann gar nicht vermessen sein. Nur ironisch und humorvoll. Was unausweichlich ist, ist nunmal unausweichlich. Deswegen bereitet er sich mit größter Ruhe aber ohne eine Spur von Müdigkeit auf das vor, was da noch kommen mag, während er sein Leben Revue passieren lässt: 'I want to make him certain / that he doesn't have a burden / that he doesn't need a vision.'
Cohens Stimme ist noch dunkler geworden und verführerischer. Der 'elder statesman' spielt dazu zurückhaltend Gitarre ('Crazy To Love You') und lässt sich von einem gospeligen Chor der Engel unterstützen, während er 'Come Healing' hymnisch Körper und Seele balsamiert. Er wartet im herzzerreißenden 'Amen' mit sanfter Violine und melancholischer Trompete auf Erlösung. Und schließlich raunzt Cohen mit 'Anyhow' die vielleicht schönste Bitte um Verzeihung und Vergebung ins Mikro, die einem Mann einfallen kann, der ständig auf der Suche nach Liebe war, sie aber nie finden wollte.
Das ist zum Glück nicht so banal wie 'Dear Heather' oder so über-esoterisch und kitschig wie 'Ten New Songs', seine letzten beiden Alben. Im Gegenteil: 'Old Ideas' steckt voller Wahrheiten, der letzten wie der ersten, die manchmal ohnehin wie Zwillinge daherkommen. Cohen hat sein Leben akzeptiert und das dazugehörige Alter - mit Würde und einem Augenzwinkern. Seine Gelassenheit macht 'Old Ideas' zu einem Ereignis und einem Eingeständnis - alles richtig gemacht und dabei doch öfter mal falsch gelegen zu haben. Das ist wahre Größe, die Cohen in zehn Songs mit Arrangements von betörender Finesse verpackt, die so verletzlich klingen wie sie stark sind.
© 2012 teleschau - der mediendienst Kommentiere diesen ArtikelLeonard Cohen - Vorwiegend heiter
26. Jan 2012, 16:02
Auch auf 'Old Ideas' drehen sich Leonard Cohens dunkle Folk-Chansons um Liebe, Sex und Tod. Der Gemütszustand der 77-jährigen Songwriter-Legende ist hingegen eher heiter. ... mehr












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