TV Star Portrait
Katharina Böhm - Zeit für mehr
Katharina Böhm spielt 'Die Chefin' (ab 24.02., freitags, 20.15 Uhr, ZDF)
Von Eric Leimann 31. Jan 2012, 12:45

Professionelles Lächeln zur harten Schale: 'Chefin' Vera Lanz (Katharina Böhm) ist die erste weibliche Ermittlerin auf dem Freitagskrimi-Sendeplatz des ZDF. © ZDF / Jacqueline Krause-Burberg
Zisch - da glimmt die erste Zigarette. Katharina Böhm liebt es, während eines Interviews zu rauchen. Dass das hier im Hamburger Landesstudio des ZDF erlaubt ist, kann man heute nicht mehr als Selbstverständlichkeit betrachten. Katharina Böhm macht diese Tatsache gleich zu Beginn des Gespräches gute Laune. Und doch ist es auch ein wenig absurd, dass eine Fast-Münchnerin in Hamburg über eine neue Münchner Krimi-Reihe spricht. 'Die Chefin' (ab 24.02., freitags, 20.15 Uhr, ZDF) macht schon allein deshalb neugierig, weil der Plot aus der Feder von 'KDD'-Erfinder Orkun Ertener stammt.

Mit dessen im Berliner Metropolen-Sumpf angesiedelten komplexen Polizeiserie war das ZDF auf dem Freitagssendeplatz in Sachen Quote gescheitert. 'Die Chefin' ist nun Ertener 'light'. Eine Serie, die sich an neuen Formen versucht, aber auch das Alte bewahren möchte. 'Wir müssen den Erfolg wollen', sagt Fernsehspiel-Chef Reinhold Elschot über die Mission der 'Chefin'.
In Publikumsliebling Katharina Böhm (47), die sich seit ewigen Zeiten mal wieder für eine durchgängige Serienfigur engagieren ließ, fanden Elschot und Ertener eine engagierte Mitstreiterin für diese Idee.

Und das nicht nur, weil die alleinerziehende Mutter von jeher München-Fan ist.
Katharina Böhm stößt Rauch aus und blickt durch die meterhohen Fenster auf die Hamburger Hafencity. 'Sehen Sie, so etwas ist mir schon viel zu städtisch. Ich bin ein Landei. Deshalb mag ich München, das eher flach gebaut ist. Wo am Horizont das Ende der Zivilisation in Sicht ist.' München, in dessen ländlichen Osten die Schauspielerin lebt, erfüllt Böhms Wohlfühl-Kriterien. Ja, die Weltstadt mit Herz. Das Millionendorf. Allein dass 'Die Chefin' hier spielt, ist schon eine Reminiszenz an die Freitagsgeschichte im ZDF.

'Derrick' ermittelte in der bayerischen Metropole von 1973 bis 1997. 'Der Alte' ist hier auch schon seit 1977 aktiv. Trotzdem ist der Standort München für eine neue Krimireihe durchaus ein Statement. Nicht nur, weil man sich auf Traditionen beruft. Auch, weil man auf das glitzernd Coole der im letzten Jahrzehnt dominierenden Berlin-Krimis bewusst verzichtet. Autor Orkun Ertener inszeniert München als abgründiges Dorf. Als gefährlich kleine Szene, in der jeder jeden kennt. Der Filz und das Geheimnis, so die Idee Erteners, umgibt auch seine Hauptdarstellerin und ihr gesamtes ermittelndes Team.
Diese Katharina Böhm ist schon ein TV-Phänomen.

Keines, das knallt. Eher eine erfreuliche Ungereimtheit. Obwohl sich die Tochter der österreichischen Schauspiel-Ikone Karlheinz Böhm im TV eher rar macht, gilt sie als Publikumsliebling. Ja sogar als Star-Schauspielerin. Eine Frau, der man beim ZDF eine Krimi-Reihe zur besten Sendezeit auf den Leib stricken wollte. Dass die Serie vor Katharina Böhms Haustür spielt, war Voraussetzung für ihre Zusage. Schließlich muss sich die allein erziehende Mutter um den 13-jährigen Sohn kümmern.
'Er steht bei mir immer an erster Stelle und ganz klar vor der Arbeit.

Einen 90-Minüter außerhalb Münchens zu drehen, ist für mich okay - das kann ich für eine Weile organisieren. Eine Serie oder eine Reihe, für die ich lange und regelmäßig weg wäre, kommt für mich nicht in Frage.' Tatsächlich, als ob es eines Beweises für die enge Mutter-Sohn-Verbindung im Hause Böhm bedurft hätte, klingelt das Telefon. So wie auch kurz zuvor, während der Pressekonferenz zur Serie. Für ihren Sohn ist Katharina Böhms Handy offenbar immer eingeschaltet.

'Nein', antwortet sie auf eine vorsichtig tastende Frage, die darauf abzielt, dass man sich ja wieder mehr der Arbeit widmen könne, wenn das Kind aus dem Gröbsten raus ist. 'Ich sehne mich nicht nach der Zeit, da mein Sohn das Haus verlässt. Momentan geht es uns allen gut, unser Zuhause ist immer voll. Ich habe ein Au-Pair-Mädchen, das sich um meinen Sohn kümmert, wenn ich weg bin. Und ein ehemaliges Au Pair wohnt gleich gegenüber. Dazu leben zwei sehr gute Freundinnen von mir um die Ecke. Wir haben uns da ein sehr angenehmes Landleben aufgebaut', lacht Katharina Böhm.

Für das Kind zweier Schauspieler - neben dem Vater übte auch Katharina Böhms 1995 verstorbene Mutter Barbara Lass den Beruf aus - pflegt Katharina Böhm ohnehin ein erstaunlich abgehangenes Verhältnis zu ihrer Profession. Schauspielerin wollte sie eigentlich nie werden, dafür sei sie auch viel zu schüchtern gewesen. Die 1964 im Schweizer Bezirk Lugano geborene Prominententochter, stand als Zwölfjährige erstmals vor einer Kamera. Fürs eidgenössische Fernsehen spielte sie in der TV-Serie 'Heidi' die Klara. Damals wurde sie zum Casting gebeten und hatte zu viel Angst abzusagen.

Richtig bekannt wurde Böhm in der zweiten Hälfte der 80-er durch die ZDF-Serie 'Das Erbe der Guldenburgs'. Ihrer Rolle als Susanne Komtess zu Guldenburg ließ Böhm allerdings die Kehrtwende weg vom Millionenpublikum folgen.
Von 1988 bis 1992 war sie fest am 'Theater in der Josefstadt' in Wien. Dort gab Böhm 300 Vorstellungen pro Jahr. Ein Leben, das sie so eigentlich nie führen wollte. Ende der 90-er wurde Katharina Böhm schwanger. In einer Zeit, da sie ganz viel hätte spielen können - wie sie sagt. Damals brach für die im Herzen scheue Blondine ohnehin eine neue Zeit an. Heute sagt sie: 'Drei Filme im Jahr reichen mir.

Ich hatte immer schon Angst vor einem Zustand, in dem man für die Arbeit nicht mehr aus dem Leben schöpfen kann. Aber was bleibt vom normalen Leben denn noch übrig, wenn man nur noch Rollen spielt?'
In ihren Auftritt als Vera Lanz, Hauptkommissarin in der Münchner Mordkommission, durfte sie - so scheint es - ein paar Widersprüchlichkeiten packen. Einige davon scheinen Katharina Böhm auch privat nicht ganz fremd zu sein. Über ihr Leben jenseits der Kamera, ob sie beispielsweise in einer Beziehung lebt, darüber spricht Böhm nicht. Auf solche Fragen folgt eine - wenn auch kommunikationsbereite - harte Schale.
Ähnlich verhält es sich bei Kommissarin Vera Lanz: Ihr souveränes Lächeln und das Bescheid wissen im durchaus körperbetonten Outfit einer selbstbewussten, attraktiven Blondine Mitte vierzig, täuscht über Schwachstellen hinweg. Da passt es, dass Katharina Böhm ohnehin immer auch ein bisschen das Müde, das Abgründige und vom Leben Gebeutelte mitspielt. Vier Folgen von 'Die Chefin' sind freitags im ZDF zu sehen. Der Dreh sechs weiterer Filme steht angeblich schon fest. Die Zeit wird zeigen, ob Katharina Böhm und das Publikum dieser Vera Lanz eine Zukunft schenken. Ebenso spannend ist jedoch die Frage, ob die beiden überzeugten Geheimnisträgerinnen Böhm und Lanz miteinander Spaß haben - wenn so viele neugierige Augen zusehen.© 2012 teleschau - der mediendienstMehr über Katharina Böhm
"Katharina Böhm" (* 20. November 1964 in Lugano, Schweiz) ist eine österreichische Schauspielerin. ....mehr- Das Geheimnis in Siebenbürgen (Spielfilm des Tages) - Mo. 14.05 - ZDF: 20.15 Uhr
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