Kino Kritiken
Yoko
Rettet den Yeti
Von Alexandra Petrusch 10. Feb 2012, 15:37

Nur bedingt ein Spaß für die ganze Familie: Die Kinderbuchverfilmung 'Yoko' ist für allem für die noch kitschresistenten jungen Zuschauer gemacht. © 2011 Sony Pictures Releasing GmbH
Pia (Jamie Blick) wollte in ihrem Baumhaus eigentlich allein sein. Kaum ein Jahr ist es her, dass der Vater der Elfjährigen starb und das Mädchen ist immer noch nicht darüber hinweg. Doch was ist das? Ein großes, wuscheliges Ungetüm hat sich zwischen ihren Sachen breitgemacht. Pias Entsetzen ist verständlich: 'Wir haben ein Monster im Garten!' Doch ihrer kleinen Schwester Marcella (Lilly Reulein) fällt nur eines dazu ein: 'Cool!' Wie sich herausstellen soll, wäre jede Panik sowieso unbegründet: 'Yoko', der Held des gleichnamigen Kinderfilms, ist ein sehr zutraulicher Yeti und noch dazu mit Zauberkraft ausgestattet.
Den kleinen Zuschauern dürfte es ebenso leicht fallen, sich auf ein Abenteuer mit ihm einzulassen, wie Pia und Marcella. Erwachsene sollten eine große Kitsch-Toleranz mitbringen.
Der Yeti, wie er den Kinderbüchern von Knister ('Hexe Lilli') entsprungen ist und nun durch die Verfilmung von Franziska Buch ('Emil und die Detektive') stapft, ist tatsächlich alles andere als furchteinflößend: Mit seinem weißen flauschigen Fell, riesigen Manga-Augen und dem putzigen Schweinsnäschen kommt das pummelige Pelztier wie eine Kreuzung aus dem Jedi-Meister Yoda und dem Glücksdrachen Fuchur daher.

In seiner Heimat Tibet wird das Wesen als Schutzgeist der Tiere und Kinder verehrt. Als das kleine Schneemännchen eines Tages einen Bären aus der Gefangenschaft befreien will, gerät er in den Tiertransporter des Großwildjägers Thor van Sneider (Tobias Moretti) und landet im hochsommerlichen Deutschland.
Der Himalayabewohner, der nur in manchen Szenen animiert wurde und in dessen Kostüm während der Dreharbeiten ansonsten ein schwedischer Schauspieler schwitzte, erlebt nach der unfreiwilligen Reise nicht nur einen Kulturschock.

Fern der verschneiten Berge büßt er durch die Hitze seine Kräfte und die Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen, ein. Pia weiß Rat: Sie quartiert den Überraschungsgast, den sie Yoko tauft, weil 'Jo' der einzige Laut ist, den sie aus ihm herausbringt, kurzerhand in der Kühltruhe ein. Alles streng geheim, versteht sich: Nachdem die erste gemeinsame Suche nach dem vermeintlichen Monster erfolglos war, beschloss Pia, ihren neuen Freund vorerst vor Mama Katja (Jessica Schwarz) und Marcella zu verstecken.
Doch es hilft alles nichts: Bald wissen nicht nur Mutter, Schwester und Pias Freund Lukas (Friedrich Heine) bescheid.

Thor van Sneider hat außerdem den hinterlistigen Zoodirektor Kellermann (Justus von Dohnányi) auf seinen Sensationsfund aufmerksam gemacht. Die wilde Jagd nach dem Yeti beginnt.
Tobias Moretti und Justus von Dohnányi gehören zweifellos die besten Szenen dieses Abenteuers. Schmierig, gierig und so böse, wie in einem Kinderfilm möglich, ist von Dohnányis Zoodirektor Kellermann wahrlich furchteinflößend, wenn er in seinem düsteren Gruselkabinett voller ausgestopftem Viehzeug hockt. Moretti hingegen wird selbst zum Tier, liefert wild grimassierend Slapstick-Einlagen und schlüpft in die verrücktesten Verkleidungen.

Über ihn werden die jungen Zuschauer herzlich lachen - und mancher erwachsene Begleiter, den zudem manches Filmzitat unterhalten dürfte, womöglich auch.
Zähne zusammenbeißen heißt es für die großen Zuschauer jedoch, wenn sich das selbstverständlich glückliche Ende der Geschichte nähert. So eine schwerverdauliche Schmalzüberdosis hat man selbst im kindgerechten Kino wohl lange nicht verpasst bekommen - Musik und eine gute Portion Magie inklusive. Die Kleinen wird das jedoch wahrscheilich kaum stören, sondern sie nur darin bestätigen: Ein rappender Yeti ist wirklich das coolste aller Monster.

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