Gamers Reportagen
Neues Lebenszeichen oder letztes Aufbäumen?
Sonys leistungsstarke Hosentaschenkonsole PlayStation Vita erscheint am 22. Februar in Deutschland
Von Gerd Hilber 17. Feb 2012, 14:47

Sonys PlayStation Vita kommt am 22. Februar in zwei verschiedenen Versionen auf den Markt. Das auf WLAN-Netzwerke beschränkte WiFi-Modell kostet 249, das mobilfunkfähige 3G-Gerät 299 Euro. © Sony
Gegen die Übermacht von Abermillionen Smartphones und Tablet-PCs, die von ihren Besitzern nur zu gerne als mobile Spieleplattformen genutzt werden, setzt sich Sony nun mit geballter Rechenkraft und viel Fingerspitzengefühl zur Wehr. PlayStation Vita heißt die neue, leistungsstarke und nicht gerade günstige Hosentaschenkonsole der Japaner, die am 22. Februar in Deutschland zu Preisen von 250 (WiFi) beziehungsweise 300 Euro (3G-Modell) auf den Markt kommt und im Test zukunftsweisend und gestrig zugleich wirkt.

Die Ausmaße (182 mal 18,6 mal 83,5 Milimeter) und das Design mögen auf den ersten Blick dem Vorgängermodell PSP, das sich bislang über 70 Millionen Mal weltweit verkauft hat, noch ähneln. Doch im Inneren der 280 Gramm schweren PlayStation Vita steckt modernste Technik. Als erste Mobilplattform überhaupt nutzt der Sony-Handheld einen ARM9-Prozessor mit vier Rechenkernen, der zudem von einen Quadcore-Grafikchip der Firma PowerVR und 512 Megabyte Arbeitsspeicher unterstützt wird.

Im Verbund befeuern sie ein fünf Zoll großes und berührungsempfindliches OLED-Display, das mit einer hohen Auflösung von 960 mal 544 Bildpunkten, kräftiger Farbwiedergabe und einem sensationellem Kontrastverhältnis punktet. Um den Lithium-Ionen-Akku zu schonen, schaltet sich der Bildschirm bereits nach einer, drei oder spätestens fünf Minuten ab. Auf den neuerlichen Weckruf via PlayStation-Taste reagiert das System etwas schläfrig in drei Sekunden. Im Dauerbetrieb hält die Batterie etwa drei bis fünf Stunden durch. Um sie vollständig wieder aufzuladen, muss das Gerät etwa 90 Minuten an die Steckdose.

Links und rechts des bei hellen Lichtverhältnissen ziemlich spiegelnden Displays sind nahezu alle Bedienelemente untergebracht, die man vom PlayStation3-Controller kennt - und beim Spielen auf Smartphones schmerzlich vermisst: Steuerkreuz, Digitalbuttons sowie zwei Analogsticks. Zusätzlich befindet sich auf der Rückseite der Vita ein ebenfalls fünf Zoll großes Touchpad, wie es bei Laptops zum Einsatz kommt. Zusammen mit den eingebauten Sixaxis-Neigungssensoren ergeben sich daraus jede Menge Steuermöglichkeiten, die von den Spieleentwicklern bereits ausgiebig genutzt werden.

So lassen sich im Action-Abenteuer 'Uncharted: Golden Abyss' etwa interessante Objekte durch das Streicheln des Konsolenrückens von allen Seiten begutachten - oder Paddelbewegungen bei einer wilden Flussfahrt simulieren.
Auf der Vorder- und Rückseite der Vita ist jeweils eine Kamera angebracht. Warum Sony ausgerechnet auf den völlig veralteten VGA-Standard mit einer Auflösung von 640 mal 480 Pixeln zurückgriff, bleibt wohl auf ewig ein Firmengeheimnis. Gute Fotos lassen sich damit jedenfalls nicht schießen.

Für geplante Augumented-Reality-Anwendungen, die das reale Umfeld ins virtuelle Geschehen einbinden, und Videotelefonate über Skype sind die Kameras gerade noch ausreichend.
Auch an ein Mikro, eine Kopfhörerbuchse, einen GPS-Empfänger sowie eine WLAN- und UMTS-Anbindung haben die Entwickler gedacht. Nur den internen Speicher scheinen sie vergessen zu haben - was ärgerlich und teuer zugleich ist.
Um Fotos, Filme, Screenshots, Spielstände und online gekaufte Games abzuspeichern oder Anwendungen und Titel wie 'Uncharted' überhaupt starten zu können, ist eine spezielle Memory Card nötig, bei der Sony kräftig hinlangt: Vier Gigabyte kosten 20 Euro, für acht sind 35 Euro fällig, und die 16-GB-Variante schlägt mit satten 50 Euro zu Buche. Schwacher Trost: Viele Händler bieten beim Kauf einer Vita eine kleine Speicherkarte gratis an.
Ein zweiter, nur schwer zu öffnender Slot ist für die sogenannten Vita-Cards reserviert - Flash-Speicherkarten, auf denen fernab der Online-Distribution Spiele an den Handel ausgeliefert werden. Sie ersetzen die ungeliebten UMDs des Vorgängers und versprechen laut Sony höchste Sicherheit gegenüber Raubkopiereren - aber offenbar keine spürbaren schnelleren Ladezeiten. Bis das Rennspiel 'Wipeout 2048' in die Puschen kommt, vergehen locker 20 Sekunden. Rund 30 Spiele werden zum Start der Konsole angeboten, die zwischen 30 und 50 Euro kosten.
Ebenfalls neu wurde die Benutzeroberfläche gestaltet. Sämtliche Apps und Anwendungen - darunter auch ein etwas umständlicher Web-Browser, der HTML5 und Java, aber kein Flash beherrscht - werden als Blasen dargestellt, per Fingertipp gestartet und per Wischbewegung beendet. Ein Dutzend 'Bubbles' passen auf einen Bildschirm und lassen sich nach langem Drücken verschieben. Zentrale Anlaufstelle ist dabei der 'Inhaltsmanager'. Mit ihm lassen sich Fotos, Filme und Musik vieler, aber längst nicht aller gängigen Formate (MOV- und AVI-Videos werden nicht unterstützt) sowie online gekaufte Spiele zwischen Vita und der PS3 beziehungsweise einem Rechner hin- und herschieben. Das nötige PC-Programm steht auf der offiziellen PlayStation-Seite zum Download bereit. Wer Probleme bei der Datenübertragung hat, sollte als Erstes den Multifunktionsanschluss der Vita checken: Der Stecker passt auch falsch herum in den Slot - das PlayStation-Logo sollte nach vorne zeigen.
Total vernetzt sind Vita-Besitzer dagegen über vorinstallierte Anwendungen wie Skype, Facebook und die Sony-eigene 'Near'-Funktion, die es Besitzern des 3G-Modells erlaubt, andere Vita-Spieler in der Nähe ausfindig zu machen und diese zu einem kleinen Duell herausfordern.
Fazit: Mit der Vita liefert Sony ein Technik-Paket an, das aufgrund seiner leistungsstarken Hardware und innovativer Bedienungsansätze zukunftsweisend für den mobilen Gaming-Bereich ist. Die Grafik sucht derzeit ihresgleichen. Und die Möglichkeit, Vita und PS3 auf alle erdenklichen Arten miteinander zu verbinden, um etwa plattformübergreifendes Spielen zu realisieren oder das Steuerspektrum von PS3-Titeln durch die Vita-Nutzung via 'Remote Play' zu erweitern, ist mehr als viel versprechend. Der fehlende interne Speicher und die veralteten Kameras dürften vielen Usern dagegen sauer aufstoßen. Aber vielleicht korrigiert Sony das bereits bei der ersten Modellpflege.© 2012 teleschau - der mediendienstWird die Vita zu Hackers Liebling?
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