TV Star Portrait
Felix Eitner - Komödiant vor Landschaft
Felix Eitner spielt in 'Heiter bis tödlich - Alles Klara' (ab 05.04., donnerstags, 18.30 Uhr, im Ersten)
Von Eric Leimann 7. Mär 2012, 18:17

Felix Eitner, ehemaliger 'Polizeiruf 110'-Kommissar, ermittelt ab sofort im Harz. © ARD / Marion von der Mehden
Schauspieler Felix Eitner wuchs im Schwarzwald auf, lebt mit der Familie im Allgäu und drehte zuletzt sechs Monate im Harz. Konfrontiert mit dem topografischen Triple, mit der Idee, ihn zum Experten für deutsche Gebirgs-Landschaften stilisieren zu wollen, entgegnet der Hauptdarsteller der neuen Vorabendserie 'Alles Klara' trocken: 'Ich bin also ein Provinzschauspieler!'
Klar ist, Felix Eitner hat deutlich mehr Humor als sein Kommissar Paul Kleinert. Der läuft ziemlich gestresst durch Quedlinburg, eilt übers Kopfsteinpflaster, ignoriert das schmucke Fachwerk und muss sich die ganze Zeit mit der detektivisch begabten Aushilfssekretärin Klara kabbeln.

Gespielt wird sie von Wolke Hegenbarth, der anderen Hauptdarstellerin der Serie.
Felix Eitner, 45 Jahre alt, ist einer der begabtesten Komödianten unter den deutschen TV-Gesichtern. Das muss man erwähnen, denn nicht immer waren Eitners Rollen explizit komisch. Zum 'Polizeiruf 110' aus Schwerin stieß er 2006, um an der Seite des überzeugten Ost-Kommissars Uwe Steimle den nicht allzu willkommenen Wessi zu geben. Man kabbelte sich ebenfalls - allerdings auch dann, wenn die Kamera aus war. Schließlich wurde das Team nach nur zwei Jahren ausgewechselt, was Eitner in vielen Interviews bedauerte.
Auch Felix Eitners neues Serienprojekt ist nicht ganz ohne.

Nachdem die im Herbst 2011 mit viel Hoffnung gestarteten 'Heiter bis tödlich'-Krimis der ARD von Anfang an hinter den Quotenerwartungen zurückblieben, fürchtet Eitner nun auch einen schweren Stand für sein Harzprojekt 'Alles Klara'.
Dass Felix Eitner nicht der gestresste Typ aus der Serie ist, ist nach wenigen Minuten klar. Der Zungenschlag stellt auf badisch-gemütlich, sobald die Rede vom Schwarzwald ist. In Freiburg ist er geboren, im nahen Bollschweil aufgewachsen.

Auf der einen Seite reckt der Schauinsland seine Kappe in die Luft, in der anderen Blickrichtung liegt Ehrenkirchen, dort baut man die regional typische Rebsorte Gutedel an: Wein aus dem Markgräflerland, auf dessen Etiketten 'von der Sonne verwöhnt' steht. Wenn Eitner von seiner Heimat erzählt, outet er sich zwar nicht als Provinzschauspieler, aber als Provinzliebhaber. Dabei war er nie einer, der die Veränderung scheute. Es gab viele Umzüge. Nach Köln wegen des Zivildienstes. Nach Düsseldorf wegen einer dort ansässigen freien Theater- und Clownsgruppe.
Ja, tatsächlich - Felix Eitner ist ausgebildeter Clown.

An der Essener Folkwang-Schauspielschule belegte er das Hauptfach Pantomime. Zwischenzeitlich ging Eitner nach Paris, um bei dem berühmten Jacques Lecoq dessen Reise in den 'poetischen Körper' mitzumachen. Eine Erfahrung, von der er heute noch schwärmt: 'Ich bin auch deshalb Schauspieler geworden, weil ich mich gern bewege und mit dem Körper arbeite. In Paris habe ich noch mal einen ganz anderen Zugang zu diesem Beruf gefunden. Da haben wir mit alten Masken und Elementen der Commedia dell'Arte gearbeitet.

'
Eitner, ein drahtiger, eher kleiner Mann, kann Rollen diesen Funken 'positives HB-Männchen' geben, der bei anderen Schauspielern schnell im Chargieren endet. Bei Eitner erinnert es tatsächlich ein bisschen an den großen Louis de Funès. Nicht jeder überzeugt in einer Knallkopp-Rolle wie der Degeto-Komödie 'Für immer 30' (2011), in welcher ein in die Jahre kommender Macho-Werber aufs Abstellgleis gerät, um sich nach der Entlassung als 30-jähriger Jungspund mit Perücke und Szeneklamotten noch einmal auf den eigenen, frei gewordenen Job zu bewerben.

Klassisches Schauspiel - das mit dem Sprechen - hat Felix Eitner dann aber auch noch gelernt. In München auf der Otto-Falckenberg-Schule.
Damals war der Exil-Schwarzwälder bereits mit seiner heutigen Frau zusammen, die er in Essen kennengelernt hatte. Das Paar wurde früh Eltern, die Tochter ist heute 19. 'Keine einfache Zeit war das damals', sagt Felix Eitner. 'Ich war in München auf der Schauspielschule, meine Freundin und das Kind lebten immer noch in Essen.' Schließlich ließ sich die Kleinfamilie in Memmingen im Allgäu nieder, weil Eitners Frau - ebenfalls ausgebildete Schauspielerin - dort ein Engagement erhielt.

Heute lebt die Familie immer noch im Allgäu, mit etwas Abstand folgten der Tochter noch zwei Söhne, heute acht und zehn Jahre alt.
Felix Eitners Film- und TV-Karriere kam Mitte der 90-er in Fahrt. Für Friedemann Fromms 'Brüder auf Leben und Tod' erhielt er 1996 den begehrten Max Ophüls-Preis als bester Nachwuchsschauspieler. 2001 war er als Fluchthelfer in 'Der Tunnel' dabei, 2005 setzte es einen Bambi an der Seite von Heike Makatsch in 'Margarete Steiff', deren Bruder er verkörperte. Felix Eitner muss nicht den Clown markieren, um zu überzeugen. Er ist ein durchaus vielseitiger, hintergründiger Vertreter seines Fachs.

Was immer bleibt, ist die Ernsthaftigkeit, mit der er an jede seiner Aufgaben herangeht. Auch wenn Felix Eitner nun erst mal am Vorabend sein Glück versucht, kann man sich mit ihm zum Beispiel sehr ernsthaft über die hintergründige Komik jener schwer überzustreifenden Handschuhe unterhalten, mit denen ein Kommissar seinen Tatort untersucht.
Dass er nun nur noch 45 statt 90 Minuten Zeit hat, seine Fälle zu lösen, empfindet Eitner nicht als Nachteil: 'Man muss schärfere Konturen setzten. Dadurch wird es aber nicht automatisch schlechter.

Weil 'Alles Klara' eine Komödie sein darf, habe ich auch die Möglichkeit, Dinge zu erhöhen und zu verdichten. Ich muss es klarer zeichnen, aber ich darf es auch klarer zeigen.' 16 Folgen 'Alles Klara' drehte Felix Eitner zwischen Juli und Dezember 2011 im Harz ab. 'Dabei war ich noch nie so lange von zu Hause fort wie für diese Arbeit', berichtet er. Mit dem Auto sind es 630 Kilometer von Quedlinburg bis zum Haus im Allgäu. Aufgrund seines intensiven Drehplans sei die Familie deutlich zu kurz gekommen, sagt Eitner, auch wenn Frau und Kinder während der Sommerferien mal vier Wochen zu Harztouristen wurden.
Lust auf Erfolg und eine zweite Staffel hat der neue Vorabend-Kommissar dennoch. Auch wenn er den Druck auf die 'Heiter bis tödlich'-Formate im Ersten nicht ganz abstreifen kann. 'Es belastet mich schon ein bisschen. Ich habe die Sorge, dass man uns nicht genug Zeit gibt, bis sich so ein Format etabliert. Heute bekommt ja niemand mehr Zeit in unserer Branche.' Immerhin - 'Alles Klara' ist eine Serie, die mit Felix Eitner und Wolke Hegenbarth zwei begabte, auch körperlich sehr präsente Hauptdarsteller zu bieten hat. Und wer weiß - vielleicht wird Gebirgsfacharbeiter Felix Eitner am Ende tatsächlich zum Glücksfall für 'Heiter bis Tödlich'.
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