Film Star Portrait
Mark Wahlberg - Der Schmuggler mit dem Teddybär
Mark Wahlberg spielt die Hauptrolle in 'Contraband' (Kinostart: 15.03.)
Von Claudia Nitsche 8. Mär 2012, 10:45

Mark Wahlberg, das ehemalige Unterwäsche-Model, der einstige böse Bube des HipHops, hat sich in geduldiger Fleißarbeit zum anerkannten Schauspieler in der Hollywoodgemeinde hochgearbeitet © 2012 Universal Pictures
Nur wenige Stunden nach der Oscarverleihung empfing Mark Wahlberg in Berlin die Journalisten zu Interviews für seinen Schmuggler-Thriller 'Contraband' (Kinostart: 15.03.). 'Natürlich war ich trotzdem dort', sagt er und schüttelt seinen schwarzen Anzug zurecht, zupft am Revers und blickt kurz auf seine schmale Krawatte. Sein mit dem Ansatz eines Schmunzelns entgegnetes 'Ich hab's gerade noch geschafft' bleibt der einzige Witz im Verlauf des Gesprächs.

Als Mitproduzent von 'Contraband' entschied er sich für die Vermarktung des eigenen Films und verzichtete dafür auf die große Bühne bei der alljährlichen Verleihung im Kodak Theatre auf dem Hollywood Boulevard.
Zweimal war Mark Wahlberg schon nominiert, 2006 für seine Rolle in Martin Scorseses 'The Departed' und 2010 für das schweißtreibende Boxerdrama 'The Fighter'. Und doch setzt der 40-Jährige ein Gesicht auf, als hätte er noch nie etwas Spannenderes gehört als die Zusammenfassung der TV-Übertragung, die er sich sogleich erzählen lässt.

'So ein Stummfilm', sagt er in Anspielung auf den Gewinner 'The Artist', 'wäre nichts für mich'.
Apropos Stille: Der Regisseur Baltasar Kormákur, in der Originalgeschichte ('Reykjavik - Rotterdam: Tödliche Lieferung') der Hauptdarsteller, stammt aus Island, und die Menschen aus dem hohen Norden sind ja nicht für ihre Gesprächigkeit bekannt. Doch bei Kormákur scheinen da eher die spanischen Wurzeln durchzuschimmern. 'Und wie viel der gesprochen hat', erinnert sich Wahlberg. 'Es macht großes Vergnügen, ihm zuzuhören.

Er ist ein intelligenter Mann, der so talentiert ist, dass wir im Juni wahrscheinlich einen weiteren Film miteinander drehen werden.' ('2 Guns' mit Denzel Washington)
Zu dem ungewöhnlichen Rollentausch erklärt der Schauspieler: 'Die einzige Befürchtung, die ich hatte, war, dass wir zu viel vom Original kopieren. Aber das hat sich als haltlos erwiesen, das Gegenteil war der Fall.' Wahlberg spielt einen Schmuggler, der sich zum bürgerlichen Beruf entschlossen und seine Kriminellenkarriere beendet hat. Allerdings muss er jemandem aus der Patsche helfen und einen gewagten Coup in Panama ausführen.

Gedreht wurde an Originalschauplätzen in New Orleans und eben in Mittelamerika. Einschränkungen habe es da keine gegeben, antwortet Wahlberg mit einem Schulterzucken und unbeweglicher Mine. 'Wir waren völlig frei, durften mit Maschinengewehren schießen, unsere Verfolgungsjagden mit den Autos durchziehen, unsere Hubschrauber flogen durch die Luft, das hat niemanden gestört. Wir haben da gemacht, was wir wollten.'
Was das Thema Schmuggel angeht, da präsentiert sich der raue, körperliche Typ ganz sachlich als Geschäftsmann. Er kennt sich da gut aus.

'Von den Ladungen auf den riesigen Containerschiffen kann man realistisch betrachtet ein Prozent kontrollieren. Der Hafen von Los Angeles ist der zweitgrößte Hafen der USA und der viertgrößte der Welt. Was da alles geschmuggelt wird, von Menschen bis Drogen, kann man sich vorstellen. Ich habe mit meiner Produktionsfirma darüber gerade eine TV-Dokumentation gedreht.'
Ein Terminkalender ist für den Mann, der einst krimineller Jugendlicher, dann Rapper und Unterwäschemodel war, bevor er sich zum erfolgreichen Schauspieler entwickelte, derzeit unabdingbar.
Sechs Filme mit ihm stehen in der Warteschlange, warten auf den Startschuss beziehungsweise den letzten Pinselstrich, bevor sie in die Öffentlichkeit dürfen.
Der ungewöhnlichste von allen ist sicherlich die Komödie 'Ted' von Seth MacFarlane mit dem umwerfenden 'Black Swan'-Vamp Mila Kunis und auch mit Giovanni Ribisi, der in 'Contraband' eine Meisterleistung seiner Schauspielkunst zeigt. 'Ted' präsentiert Wahlberg von einer ungewohnten Seite. Obwohl er Mila im Bett hat, ist seine Beziehung zu einem Teddybär intensiver als man es bei einem Mann seines Alters vermutet. 'Dieser John ist ein Kerl, der als Junge keine Freunde hatte und oft verprügelt wurde.' Bis hierhin schon eine echte Herausforderung für Wahlberg, der früher eine fixe Hand hatte, was Schlägereien anging. Jener John jedenfalls ist so alleine, dass er sich wünscht, dass sein Teddy zum Leben erwacht. Was er dann tatsächlich auch tut. 'Vor allem der Teddy selbst ist eine Attraktion! Er ist berühmt, darf zu 'Letterman' und in die 'Tonight Show', obwohl er sich immer total daneben benimmt, Frauen beleidigt und Gras raucht.'
Seth MacFarlane ist für derben Humor bekannt, Wahlbergs erster Gedanke über die Story war: 'Was für eine bescheuerte Idee, aber wenn man das richtig macht, wird 'Ted' cool und nicht albern. Nach 30 Seiten hatte ich vergessen, dass es um einen Teddy geht. Ständig rutschen die beiden in neue Schlamassel rein.' Was für Wahlberg einen ungewohnten Ausflug Richtung Komödie bedeutet, könnte ein Monsterhit werden, wenn der Rest der Bad-Taste-Komödie so witzig ist wie die ersten gezeigten Ausschnitte. Alleine die Szene, in der Wahlberg 57 White-Trash-Mädchennamen runterrattert, ist eine Aufnahme für die Ewigkeit. Soll einer sagen, die Rapvergangenheit bringe nichts fürs Filmgeschäft. Geplant ist der Start für Juli.
Wer sich dann doch nicht so umstellen mag, wartet eben, bis die patriotische Produktion 'Lone Survivor' über eine missglückte Navy-Operation in die Kinos kommt oder Michael Bays 'Pain and Gain', den Wahlberg ab nächsten Monat dreht. Darin spielt er einen Bodybuilder, der beim Kidnapping nicht sonderlich reüssiert. 'Oder auf das Drama mit Russell Crowe', ergänzt Wahlberg. Stimmt, 'Broken City' soll im Januar starten, aber bis dahin gibt es in Wahlbergs Kalender wohl noch einiges zu notieren. Kaum vorstellbar, wie er noch Zeit findet für seine Familie, die immerhin vier Kinder einschließt. 'Die Familie ist die Wiege des Glücks', sagt der vierfache Vater, während er aufsteht, um sich zu verabschieden.
© 2012 teleschau - der mediendienstMark Wahlberg mag's aufregend
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