TV Star Portrait
Sepp Schauer - Die Zwiebel im Wurstsalat
Sepp Schauer freut sich über die 1.500. Folge der ARD-Serie 'Sturm der Liebe' (Mi., 28.03., 15.10 Uhr)
Von Anna Julia Höhr 8. Mär 2012, 15:16

Schauspieler, Ur-Bayer, Ex-Kneipenwirt: Sepp Schauer hat viele Facetten. Die Rolle des Alfons Sonnbichler gibt ihm immer wieder die Chance, diese auch zu zeigen. © ARD / Ralf Wilschewski
'Sturm der Liebe' ohne Sepp Schauer? Unmöglich! Seitdem am 26. September 2005 die erste Folge des ARD-Nachmittagserfolgs (montags bis freitags, 15.10 Uhr) ausgestrahlt wurde, ist der inzwischen 62-jährige Schauspieler als Chefportier Alfons Sonnbichler unverzichtbar an der Rezeption des Fünf-Sterne-Hotels 'Fürstenhof'. Das sieht der gebürtige Münchner nicht anders: 'Der Alfons gehört zu 'Sturm der Liebe' wie die Zwiebeln zum Wurstsalat.' Die Fans werden ihm da nicht widersprechen - Alfons und seine Ehefrau Hildegard (Antje Hagen) zählen nicht nur zu den Urgesteinen, sondern auch zu den absoluten Lieblingen der Serie.

Klar, dass die beiden auch in der 1.500. Folge 'Sturm der Liebe', die das Erste am Mittwoch, 28. März, zeigt, eine gewichtige Rolle spielen. Was die Zuschauer erwartet, will Schauer nicht verraten. Davon abgesehen erweist sich der sympathische Ur-Bayer im Interview jedoch als ausgesprochen redselig.
teleschau: Herr Schauer, wenn man Sie heute an die Rezeption eines Hotels stellen würde - hätten Sie den Laden im Griff?
Sepp Schauer: Sie meinen, weil ich schon seit über sechs Jahren einen Chefportier spiele?
teleschau: Genau. Sie haben sich doch sicher viel Wissen angeeignet.
Schauer: Das stimmt tatsächlich.

Und nach einer kurzen Einarbeitungszeit wäre ich wahrscheinlich wirklich in der Lage dazu. Man müsste mir die Technik ein bisschen erklären. Auf Menschen zuzugehen, ist kein Problem für mich. Ich hatte ja viele Jahre Wirtshäuser.
teleschau: Vermissen Sie die Kneipenwirt-Zeiten manchmal?
Schauer: Es war eine schöne Zeit. Damals. Heute ist das Gastronomiegeschäft eine verdammt harte Nummer. So wie ich das früher handhabte - das Wirtshaus haben, nebenbei Theater spielen und ein bisschen was drehen - so würde das heute gar nicht mehr funktionieren. Heute muss man sich ganz auf eine Sache konzentrieren - oder es ganz sein lassen.

teleschau: Könnten Sie sich dennoch vorstellen, eines Tages wieder an die Theke zurückzukehren?
Schauer: Sicher. Das wäre alles andere als ein Beinbruch. Aber momentan bin ich mit meinem Schauspieler-Dasein sehr zufrieden.
teleschau: Wie wurden Sie denn vom Kneipenwirt zum Schauspieler?
Schauer: Ich kam zur Schauspielerei wie die Jungfrau zum Kind. Ein Bekannter vom Theater entdeckte mich in meiner Kneipe. Ich hatte damals keine Scheu, mich vor 20 Leuten an der Theke zum Clown zu machen. Am Theater selbst schaute ich mir dann viel von meinen Kollegen ab. Eine Schauspielschule besuchte ich nie - dazu war ich mit 30 Jahren einfach zu alt.

teleschau: Gab es in Ihrer Familie andere Schauspieler, die Sie auf Ihrem Weg begleiteten?
Schauer: Überhaupt nicht. Bei uns in der Familie gab es keine Künstler. Deswegen konnte ich mir anfangs auch nur schwer vorstellen, dass man wirklich von dem Geld, das man als Schauspieler verdient, leben kann.
teleschau: Haben Sie noch Kontakt zu den Kollegen vom Theater?
Schauer: Immer wieder, ja. Das ist ein Grund, warum ich so gerne in meiner Heimatstadt München lebe: Ich verliere meine alten Bekannten nicht aus den Augen und kann mit ihnen immer mal wieder an der Isar spazieren gehen.

teleschau: Was schätzen Sie denn noch an München?
Schauer: Wissen Sie, das kann man als Einheimischer nur schwer sagen. Wenn man in einer Stadt wirklich wohnt, dann ist alles so selbstverständlich. Die schönen Bauwerke sind eben einfach da. Was mir aber immer bewusst ist, ist dieses wunderbare Lebensgefühl, das hier allgegenwärtig ist: Man nimmt sich seine Brotzeit, setzt sich in den Biergarten, trinkt seinen Spezi und genießt den Tag.
teleschau: Zählt für Sie auch das Argument, dass man so schnell in den Bergen und an verschiedenen Seen ist?
Schauer: Das ist bestimmt nicht alles, was München auszeichnet.
Nürnberg ist auch nicht nur schön, weil man so schnell in München ist.
teleschau: In München stehen Sie seit 2005 auch für 'Sturm der Liebe' vor der Kamera. Hätten Sie gedacht, dass Sie jemals die 1.500. Folge feiern werden?
Schauer: Nein. Mit diesem Erfolg konnte man nicht rechnen: Mein erster Vertrag war auf 100 Folgen angelegt.
teleschau: Und dann ging es einfach immer weiter und weiter?
Schauer: Ja, die Serie wurde wieder und wieder verlängert. Das ist schon der Wahnsinn.
teleschau: Stand für Sie immer sofort fest, dass Sie auch weiterhin mit an Bord sein möchten?
Schauer: Anfangs nicht, da bin ich ganz ehrlich. Weil ich mir nicht sicher war, wie sich die Rolle entwickelt. Außerdem herrschte zu Beginn noch nicht diese Wohlfühl-Atmosphäre, die wir heute am Set haben, die stellte sich erst im Lauf der Jahre ein. Und natürlich musste ich mich auch erst mit dem Gedanken anfreunden, dass ich durch 'Sturm der Liebe' nicht mehr viel Zeit für andere Projekte haben würde.
teleschau: Damit haben Sie heute kein Problem mehr?
Schauer: Nein. Kleine Projekte sind ja durchaus möglich. Mit meiner Lebensgefährtin (Schauspielerin und Autorin Corinna Binzer, d. Red.) veranstalte ich zum Beispiel immer wieder kabarettistische Lesungen, bei denen ich in die Rolle des grantigen Sepp Sturm schlüpfe. Und ganz abgesehen davon gibt mir der Alfons immer wieder die Chance, neue Facetten von mir zu zeigen. Das ist in diesem Ausmaß in einem Spielfilm gar nicht möglich.
teleschau: Wie erklären Sie sich den großen Erfolg von 'Sturm der Liebe'?
Schauer: Ich nehme an, die Beliebtheit hat damit zu tun, dass wir Geschichten für ältere und für jüngere Leute erzählen. Und ich glaube, dass die Zuschauer sehen können, dass es bei uns im Team absolut stimmt.
teleschau: Haben sich im Lauf der Jahre denn schon richtige Freundschaften entwickelt?
Schauer: Mit Antje Hagen verbindet mich definitiv eine große Freundschaft. Grundsätzlich tun sich aber vor allem die jüngeren Kollegen zusammen. Viele von ihnen kommen nicht aus München und sind froh, wenn sie am Abend etwas zusammen unternehmen können. Bei mir ist das anders: Ich als Münchner gehe abends nach Hause und bin wirklich daheim.
teleschau: Wenn Sie Ihre jüngeren Kollegen so beobachten, wären Sie dann manchmal auch gerne wieder so jung?
Schauer: (lacht) Also 25 möcht' ich nicht mehr sein. Aber 40 wär' ich manchmal schon gerne wieder.
teleschau: Warum denn ausgerechnet 40?
Schauer: Das ist für einen Mann ein tolles Alter: Man hat sich die Hörner abgestoßen und steht trotzdem noch voll im Saft (lacht).
teleschau: Heißt das, dass Sie mit der überschrittenen 60 hadern?
Schauer: Eigentlich nicht. Ich bin heute noch entspannter als früher und genieße es sehr, zu wissen, dass die Dinge nicht so heiß gegessen werden, wie man sie kocht. Mich bringt kaum mehr etwas aus der Ruhe.
teleschau: Auch nicht der berufliche Stress?
Schauer: Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Und andere Leute gehen doch auch arbeiten. Die sitzen auch nicht im Büro und haben den Finger in der Nase. In meinem Fall kommt natürlich dazu, dass ich mich nach Drehschluss noch mit den Texten auseinandersetzen muss. Aber die Lernerei wird mit der Zeit zur Routine.
teleschau: Was machen Sie denn, wenn Sie doch mal Freizeit haben?
Schauer: Ich spiele Golf und fahre Motorrad. Oder besser: Ich bin viele Jahre Motorrad gefahren. Derzeit liegt das auf Eis.
teleschau: Wieso?
Schauer: (seufzt) Es fällt mir fast ein bisschen schwer, das zu erzählen. Ich verkaufte meine geliebte Harley Davidson letztes Jahr an einen Bekannten, von dem ich weiß, dass er sie gut behandelt. Bei mir stand die Maschine in den letzten Jahren nur noch herum, weil mir mein Rücken immer wieder Probleme machte und ich keine Zeit zum Fahren hatte. Und ein Motorrad ist eben ein Fahrzeug - und kein Stehzeug.
teleschau: Sie konzentrieren sich derzeit also ganz aufs Golfen. Wie ist es denn um Ihr Handicap bestellt?
Schauer: Kennen Sie sich mit dem Sport aus? Mein Handicap liegt derzeit bei 17. Das ist ganz in Ordnung. Vor sechs Jahren lag es allerdings noch bei 14,6. Ich habe mich also verschlechtert, schiebe das aber natürlich auf die fehlende Zeit zum Trainieren (lacht).
teleschau: Wie werden Sie in Ihrer Freizeit denn wahrgenommen? Werden Sie auf der Straße eher Alfons oder eher Sepp genannt?
Schauer: Das lässt sich ganz einfach zusammenfassen. Ich wohne in Unterhaching, da bin ich für alle der Sepp. Überall sonst bin ich meistens der Alfons.
teleschau: Stört Sie das?
Schauer: Ach was. Die Leute sehen mich ja jeden Tag als Alfons in ihrem Wohnzimmer. Schwierig wird es nur, wenn sie verwundert wissen möchten, wo denn die Hildegard ist, wenn ich mit meiner Lebensgefährtin unterwegs bin (lacht).
teleschau: Nicht, dass der Alfons der Hildegard am Ende untreu geworden ist!
Schauer: Genau das befürchten manche wohl tatsächlich. Ich sage dann immer, dass ich der Zwillingsbruder vom Alfons bin (lacht).
teleschau: Fragen die Leute Sie manchmal auch nach dem Rezept für eine glückliche Ehe? Alfons ist mit Hildegard immerhin schon über 30 Jahre verheiratet.
Schauer: Die meisten Menschen bringen eher ihre Begeisterung darüber zum Ausdruck. Und ich persönlich kann zum Thema Ehe ja auch nicht viel sagen, weil ich nie verheiratet war.
teleschau: Wollten Sie bewusst nie vor den Traualtar treten?
Schauer: Absolut. Ich war immer so beschäftigt mit dem Wirtshaus und mit der Schauspielerei. Das empfand ich weder für die Ehe noch für Kinder als gute Voraussetzung. Mit meiner Lebensgefährtin bin ich schon seit zwölf Jahren zusammen. Wir sind auch ohne Trauschein glücklich.
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