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Matthias Opdenhövel - Ein glücklicher Moderator

Matthias Opdenhövel moderiert die neue Abendshow 'Opdenhövels Countdown' (Do., 12.04., 20.15 Uhr, ARD)

Von Eric Leimann 19. Mär 2012, 08:56

Hoffnungsträger im Ersten: Nachdem Matthias Opdenhövel schon als Sportmoderator überzeugen konnte, soll er jetzt auch in Sachen 'Showtime' aufgebaut werden. © WDR / Thomas Leidig

Hoffnungsträger im Ersten: Nachdem Matthias Opdenhövel schon als Sportmoderator überzeugen konnte, soll er jetzt auch in Sachen 'Showtime' aufgebaut werden. © WDR / Thomas Leidig

Einige sagen, Matthias Opdenhövel sähe bieder aus. Andere erkennen ein verschmitztes Grinsen mit Anarcho-Appeal hinter den Brillengläsern des gebürtigen Ostwestfalens. Im Sommer 2011 wechselte Opdenhövel von ProSieben zur ARD, um dort die 'Sportschau' und andere Leibesübungen wie Skispringen zu moderieren. Nun bekommt das 41-jährige Kind des Privatfernsehens seine erste große Abendshow im Ersten. Mit 'Opdenhövels Countdown' ist der Vater zweier Söhne - zehn und drei Jahre alt - vollends im Ersten angekommen. Aber darf er auch so bleiben, wie er ist?

Darf sich auf einen arbeitsintensiven ARD-Sommer 2012 gefasst machen: Matthias Opdenhövel reist zur Euro 2012, moderiert Spielshows am Abend und dürfte auch bei der Olympiade in London mit von der Partie sein. © WDR / Willi Weber

Darf sich auf einen arbeitsintensiven ARD-Sommer 2012 gefasst machen: Matthias Opdenhövel reist zur Euro 2012, moderiert Spielshows am Abend und dürfte auch bei der Olympiade in London mit von der Partie sein. © WDR / Willi Weber

teleschau: Fühlt es sich anders an, wenn man eine große Abendshow fürs öffentlich-rechtliche statt fürs private Fernsehen moderiert?

Matthias Opdenhövel: Nein, das glaube ich nicht. Man macht Fernsehsendungen mit - im besten Fall - begeisterungsfähigen Menschen. Denen ist es egal, welches Senderlogo die Show bei Ausstrahlung oben rechts auf dem Bildschirm hat.

teleschau: In 'Opdenhövels Countdown' müssen sich vier Kandidaten gegenseitig ausstechen, ehe einer um den Jackpot spielt. Das alles unter extremem Zeitdruck. Haben Sie sich von 'Schlag den Raab' inspirieren lassen?

Sucht keinen Supermann wie bei Schlag den Raab. Bei Matthias Opdenhövels neuer Spielshow können auch Kandidaten im reiferen Alter gewinnen. © WDR / Thomas Leidig

Sucht keinen Supermann wie bei 'Schlag den Raab'. Bei Matthias Opdenhövels neuer Spielshow können auch Kandidaten im reiferen Alter gewinnen. © WDR / Thomas Leidig

Opdenhövel: Nein, die Show ist ganz anders. Unsere vier Kandidaten spielen abwechselnd im Team und gegeneinander, um einen großen Jackpot von maximal 100.000 Euro zu erspielen. Es gibt auch keinen Moderator, der gegen diesen einen Kandidaten antritt. Das einzig Vergleichbare ist der Zeitdruck. Aber das ist ja für eine Spielshow nichts Ungewöhnliches.

teleschau: Sie mischen physische Aufgaben mit Wissensspielen. Ist Ihr optimaler Kandidat wie bei Raab ein Superhirn mit dem Körper eines Modellathleten?

Opdenhövel: Man muss sicher keine 80 Triathlons in den Beinen haben, um bei uns mitzumachen.

Psst, ein Fan von Borussia Mönchengladbach. Matthias Opdenhövel behauptet, seine Liebe vor der Kamera verbergen zu können. © WDR / Willi Weber

Psst, ein Fan von Borussia Mönchengladbach. Matthias Opdenhövel behauptet, seine Liebe vor der Kamera verbergen zu können. © WDR / Willi Weber

Eine gute körperliche Grundkonstitution ist aber von Vorteil. Man sollte vielleicht nicht unbedingt die letzten zehn Jahre nur in Puschen auf dem Sofa verbracht haben. Trotzdem kann man bei uns auch im hohen Alter noch erfolgreich mitspielen. Supermänner sind nicht gefragt.

teleschau: Wie ist Ihr Verhältnis zu Stefan Raab nach dem Wechsel zur ARD?

Opdenhövel: Da ist alles ganz entspannt. Er freut sich für mich und ich mich für ihn. Wir sind nach wie vor befreundet und sehen uns regelmäßig, da wir ja auch beide in Köln leben.

Es grinst das Honigkuchenpferd: Matthias Opdenhövel darf sich bei der ARD einen Kindheitstraum erfüllen und die Sportschau moderieren. © WDR / Fulvio Zanettini / Thomas Leidig

Es grinst das Honigkuchenpferd: Matthias Opdenhövel darf sich bei der ARD einen Kindheitstraum erfüllen und die 'Sportschau' moderieren. © WDR / Fulvio Zanettini / Thomas Leidig

Das passiert natürlich nicht ständig, da sowohl er als auch ich relativ viel arbeiten und eine Familie haben.

teleschau: Wie viele 'Opdenhövels Countdown'-Sendungen machen Sie?

Opdenhövel: Wir zeichnen erst mal drei Sendungen vor der Sommerpause auf. Die zeigen wir etwa im Vierwochenrhythmus. Danach reise ich zur Fußball-Europameisterschaft, und dann machen wir wahrscheinlich noch mal zwei oder drei Sendungen. Das Ziel sind fünf bis sechs Shows pro Jahr. Im Sommer moderiere ich noch 'Brot und Spiele', eine große Eventshow an einem Samstagabend im Ersten, die von Brainpool produziert wird.

Prominente Kandidaten bewegen sich da im Ambiente des alten Roms. Gladiatorenkämpfe, Wagenrennen und so weiter. Das wird auch eine Hommage an die Olympischen Spiele in diesem Sommer sein.

teleschau: Werden Moderatoren überbewertet? Oder ist ihre Arbeit - vielleicht gerade in der Unterhaltung - sogar unterbewertet?

Opdenhövel: Wie meinen Sie das?

teleschau: Ist das Moderieren einer großen Abendshow Kunst?

Opdenhövel: Nein, es ist eine Form von Arbeit. Eine Arbeit, die man möglichst authentisch erledigen sollte, sonst ist es schlechte Arbeit. Manche schaffen es, Shows so zu moderieren, als würde man das alles locker aus dem Ärmel schütteln. Das ist dann auch ein bisschen Kunst. Der große Rudi Carrell sagte mal: 'Wenn es so aussehen soll wie aus dem Ärmel geschüttelt, dann muss man vorher etwas hinein getan haben.'

teleschau: Sie sind ein Kind des privaten Fernsehens und bekannt für Ihre freche Schnauze. Muss man im Ersten anders moderieren?

Opdenhövel: Ganz sicher nicht. Man wollte mich haben, und es gab von den Verantwortlichen der ARD nur eine Vorgabe: Ich sollte rein gar nichts an mir ändern. Das war mir auch sehr recht. Ich kann das nämlich auch nur so und nicht anders.

teleschau: Sie wechselten im Mai letzten Jahres zur ARD. Warum eigentlich?

Opdenhövel: Das Angebot stimmte. Sie wollten mich für den Sport und die Unterhaltung - das hat mich gereizt. Bei der 'Sportschau' bin ich dann auch gleich eingestiegen. Zuvor hatte ich Fußball auch bereits viele Jahre neben den Unterhaltungssendungen bei 'Arena' und 'Liga Total' moderiert. Die breite Öffentlichkeit hat das gar nicht mitbekommen, dass ich schon lange etwa die Hälfte meiner Arbeitszeit mit Sport verbrachte.

teleschau: Nun dürfen Sie zur Euro 2012 fahren. Kann man also sagen: Gerade rechtzeitig gewechselt?

Opdenhövel: Ich bin dann ja schon ein Jahr da. Aber ich gebe zu: Früher musste ich mir mühevoll Karten für ein solches Großevent besorgen, heute renne ich da mit einem Pass um den Hals rum. Das ist schon toll. Ich freue mich darauf wie ein kleines Kind. Dennoch ist es natürlich vor allem Arbeit. Die versuche ich, sehr gut vorbereitet anzugehen.

teleschau: Sie sind großer Fan von Borussia Mönchengladbach und haben dort sogar mal als Stadionsprecher gearbeitet. Können Sie ein Spiel Ihres Teams überhaupt journalistisch neutral moderieren?

Opdenhövel: Einen guten Sportjournalisten zeichnet aus, dass er sein Fansein in den eigenen vier Wänden belässt. Wenn die Sendung losgeht, ist man objektiv (lacht). Nein, das geht schon ganz gut. Ich kenne übrigens keinen Reporterkollegen im Fußball, der privat nicht Fan irgendeines Klubs wäre. Das ist doch eigentlich logisch. Man macht den Job doch vor allem, weil man eine Leidenschaft hat. Anders geht es auch nicht.

teleschau: Haben Sie bei Borussia eine Dauerkarte?

Opdenhövel: Nein, das würde sich für mich nicht lohnen. Weil ich eigentlich samstags nie kann. Da habe ich selber eine Sport-Sendung oder stecke in den Vorbereitungen für eine Show.

teleschau: Zurück zur Unterhaltung mit einer Frage an jemanden, der mit preisgekrönten Shows des Privatfernsehens bekannt wurde. Funktioniert Show heute anders als vor 20, 30 oder 40 Jahren?

Opdenhövel: Nein, nicht wirklich. Vielleicht geht man insgesamt ein höheres Tempo. Aber die Mischung aus Quiz und physischen Spielen gab es schon immer im TV. Das war mal eine Zeit lang nicht so in Mode, da trennte man die Genres lieber und der Quiz- oder Wissensanteil war sehr viel populärer. Seit einiger Zeit erleben Spielshows ein Comeback. Gerade die Mischung, wie wir sie haben, interessiert heute wieder viele Leute. Insofern kann man sagen: Das geht schon ein bisschen zurück zu den Ursprüngen.

teleschau: Haben Sie Vorbilder unter den Showmastern Ihrer Kindheit?

Opdenhövel: Nein, eigentlich nicht, denn ich habe sie alle gerne geguckt: Carrell, Kulenkampff, nur für Frankenfeld war ich etwas zu jung. Ich mochte aber auch Thoelke und Rosenthal. Wenn ich gesehen habe, heute am Donnerstag um 19.30 Uhr kommt 'Dalli, Dalli', dann wusste ich vorher, dass ich einen guten Abend habe. Dann konnte ich ganz entspannt um 21 Uhr ins Bett gehen und am nächsten Tag deutlich lockerer eine Lateinarbeit schreiben. Das wäre anders gewesen, hätte ich diese Ablenkung am Abend zuvor nicht gehabt.

teleschau: Wollten Sie damals schon Showmaster werden?

Opdenhövel: Nein, das war ganz weit weg. Aber ich wollte damals bereits Sportreporter werden. Da habe ich unter der Dusche Interviews geführt, bei denen ich Harry Valérien und Karl-Heinz Rummenigge in einer Person war. Sie können mir glauben, ich lebe hier meinen Traum und bin sehr glücklich mit meinem Job.

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