TV Reportagen
Geld alleine macht nicht glücklich
WDR startet Familien-Comedy 'Die LottoKönige' (ab 29.04., sonntags, 21.45 Uhr)
Von Wilfried Geldner 30. Mär 2012, 13:29

Eine schrecklich nette Familie aus Essen samt Nachbarn, von links: Friseuse Elfie Hack (Friederike Kempter), Lottopsychologe Dr. Rüdiger Rössler (Oliver Wnuk), Mutter Claudia König (Sandra Borgmann), Vater Rudi König (Waldemar Kobus), Sohn Theo König (Max von der Groeben) und Oma Helga König (Beate Abraham). © WDR / Thomas Kost / Eyeworks Fiction & Film
Ne, jetzt nich', oder? Musste es gleich ein Lottogewinn sein, musste der Jackpot mit zwölf Millionen Euro geknackt werden, um eine Familienserie 'aus dem wahren Leben' in Gang zu setzen? Hätten es nicht acht- oder neunhunderttausend auch getan? Was werden die Fussbroichs dazu sagen, die wie die Königs aus einer Genossenschaftssiedlung stammen (wenn auch aus einer Kölner)? Einfach Alltag geht nicht mehr, es muss schon ein schöner Goldbatzen sein, der die Zuschauer vor der Glotze hält?

- Tatsächlich tun sich die 'LottoKönige', die jetzt sechsmal sonntags, um 21.45 Uhr, die Tradition der guten alten Familienserie im Dritten Programm des WDR hochhalten, ein bisschen schwer, bis sie in die alltäglichen Gänge gelangen. Mit Friederike Kempter, Oliver Wnuk, Sandra Borgmann und Waldemar Kobus wurden namhafte Hauptdarsteller für die Rückkehr des WDR zur fiktionalen Comedy am Sonntagabend verpflichtet.
Man fühlt sich ohnehin stark in die 80er-Jahre zurückversetzt, als die TV-Familienserie noch einmal fröhliche Urständ' feierte.

Dialektgenau und einigermaßen authentisch sollte die neue Ruhrpottserie sein, die Leute sollten zumindest partiell so reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Kein leichtes Spiel, bedenkt man, dass der Stoff ursprünglich aus Österreich kommt - eine ins Ruhrspezifische übertragene Adaption der dortigen 'Lottosieger'.
Macht nichts. Es ist ja durchaus lustig, wenn die Familie sozusagen der Schlag trifft, weil sie im Lotto gewonnen hat. Da muss - auf Anraten des Lottopsychologen - der Gewinn vor der Nachbarschaft mit allen Kräften verheimlicht werden.

Und überhaupt: Was es in solchen Fällen des überraschenden Geldgewinns, von anschließender Verwahrlosung bis zum Suizid, nicht schon alles gegeben hat! - Die Königs aus Essen-Steele sind vor solcherlei Schicksal gefeit. Viel zu bodenständig und sparsam. Auch wenn Mutter Claudia, weil sie so gar nicht weiß, wohin mit dem Geld, im örtlichen Kaufhaus erst mal Holzenten (für den künftigen Gartenteich) und sonstigen Unsinn kauft.
Rot-Weiß-Essen-Fan Rudi König denkt dagegen schon mal an einen hauseigenen Safe - man weiß ja nicht, ob das Geld heutzutage auf der Bank sicher ist.

Selbst den vor lauter Freude schon aufgekündigten Job bettelt Geldbote Rudi (Waldemar Kobus) reumütig bei der Chefin zurück.
Es ist nicht zu verheimlichen, dass dieser Rudi doch mächtig in Richtung Al Bundy und dessen 'schrecklich netter Familie' geht, dass Waldemar Kobus diese rührend engstirnige Vorlage aber auch mit Ruhr-Charme beinahe erreicht, während seine Angetraute (Sandra Borgmann) an der Sex-Vorgabe doch immer etwas zu knabbern hat. Am stärksten wirkt die Serie, wenn sie den Lottogewinn vergisst. Wenn etwa Vater Rudi der Berufswunsch des Abiturienten-Sohnes schwer zu schaffen macht, der ausgerechnet Musical-Star werden will.

Schon sieht er ihn als 'singende Lokomotive' ein Oval umkreisen. Dabei hat er ihn doch damals Theo, nach 'Theo gegen den Rest der Welt' alias Müller-Westernhagen, genannt.
Im Ganzen aber ist man von den Niederungen des Alltags weit entfernt, es wird eher auf Witze und fertige Gags gesetzt (Buch: Stephan Pächer, René Förder). Die Autoren nutzen das Geld als Folie, als Traum vom Glück. In Wahrheit bleibt dieser Traum immer noch eine schöne Utopie. Nicht nur im Ruhrgebiet weiß man eben, dass Geld alleine keineswegs glücklich macht. Aber es unterhält.
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