TV Star Portrait


Ottfried Fischer - Ein Kirchen-Botschafter von Gewicht

Ottfried Fischer kehrt am Freitag, 11.5., 20.15 Uhr (ARD), als 'Pfarrer Braun' zurück

Von Rupert Sommer 19. Apr 2012, 09:00

'Es sind noch keine Wunderheilungen durch mich bekannt geworden', scherzt Ottfried Fischer über seine Pfarrerrolle. © ARD Degeto / Jacqueline Krause-Burberg

'Es sind noch keine Wunderheilungen durch mich bekannt geworden', scherzt Ottfried Fischer über seine Pfarrerrolle. © ARD Degeto / Jacqueline Krause-Burberg

Er ist einer der beliebtesten Stars der ARD: Ohne Ottfried Fischer wäre die 'Pfarrer Braun'-Reihe nicht vorstellbar. In der neuen Folge 'Ausgegeigt', die am Freitag, 11. Mai, 20.15 Uhr, im Ersten ausgestrahlt wird, spielt der 59-jährige Ur-Bayer wieder seinen ganzen Lausbubencharme aus. Die Zukunft der Reihe steht allerdings auf unsicheren Beinen: Wegen der massiven Budget-Überziehungen bei der Produktionstochter ARD Degeto steht noch nicht fest, ob und wann ein neuer Film gedreht wird. Und dass Hansi Jochmann im aktuellen Fall nicht mehr mitspielt, hat Ottfried Fischer auch nicht gerade beglückt, wie er im Interview durchblicken lässt.

Wir sind der Tropfen der Veränderung, der das Fass zum Überlaufen bringt: Ottfried Fischer ist für seine satirischen Rundumschläge gefürchtet. © BR / Sessner

'Wir sind der Tropfen der Veränderung, der das Fass zum Überlaufen bringt': Ottfried Fischer ist für seine satirischen Rundumschläge gefürchtet. © BR / Sessner

teleschau: Herr Fischer, Ihr neuester 'Pfarrer Braun'-Film spielt in Mittenwald. Wie fühlt es sich an, wenn es mal wieder zurück in die bayerische Heimat geht?

Ottfried Fischer: Wir waren letztes Jahr in Murnau, diesmal in Mittenwald. Murnau ist kultureller, Mittenwald ist bayerischer. Man muss halt aufpassen, dass man in der Lüftlmalerei nicht verschwindet. Ansonsten waren die Mittenwalder sehr kooperativ - man hat uns bei den Dreharbeiten geholfen, wo es nur ging.

teleschau: Früher hieß die Devise immer: Die Schauspieler kommen, sperrt die Töchter weg und holt die Wäsche rein ...

Man erwartet von einer Pfarrerserie, dass man etwas über einen Beruf erfährt, von dem man so gut wie nichts weiß, sagt Ottfried Fischer. © ARD Degeto / Reiner Bajo

'Man erwartet von einer Pfarrerserie, dass man etwas über einen Beruf erfährt, von dem man so gut wie nichts weiß', sagt Ottfried Fischer. © ARD Degeto / Reiner Bajo

Fischer: Es ist nicht so, dass mir die Töchter zugeführt werden - außer zum Segnen. Auch die Wäsche wird nicht mehr abgehängt. Im Gegenteil: Die Leute sind sehr interessiert und schauen viel zu, wenn wir drehen. Wir gaben Mittenwald oft den einen oder anderen echten Frühschoppen-Anlass - der ging dann bis spät in die Nacht hinein, weil wir so lang drehten. Wer neugierig war, hatte einfach nicht mehr damit aufgehört, den Frühschoppen auszudehnen, um uns beobachten zu können.

Gundi war eine sehr bayerische Lösung, und es war bezaubernd, mit ihr zu arbeiten. Ich bin allerdings der Meinung, dass die gewollt klischeehafte Figur der Hansi Jochmann besser funktioniert und lustiger ist, sagt Fischer über die aktuelle Zusammenarbeit mit Gundi Ellert (im Bild). © ARD Degeto / Jacqueline Krause-Burberg

'Gundi war eine sehr bayerische Lösung, und es war bezaubernd, mit ihr zu arbeiten. Ich bin allerdings der Meinung, dass die gewollt klischeehafte Figur der Hansi Jochmann besser funktioniert und lustiger ist', sagt Fischer über die aktuelle Zusammenarbeit mit Gundi Ellert (im Bild). © ARD Degeto / Jacqueline Krause-Burberg

teleschau: Freuen Sie sich eigentlich noch oder wird's mit den Jahren eher anstrengend, wenn Sie nicht wirklich unerkannt über die Straße gehen können?

Fischer: Jeder Mensch, der von einem anderen erkannt wird, hat manchmal auch das Erlebnis, dass es ihm lästig ist. Im Großen und Ganzen ist es aber immer ganz nett, wenn es jemanden gibt, der einen kennt. Zum einen ist es der Preis des Erfolges, zum anderen ist es nüchtern betrachtet auch eine schöne Bestätigung dessen, was man geleistet hat. Für einen Schauspieler ist es immer sehr wichtig, dass ihn die Leute mögen.

teleschau: Sie haben scherzhaft vom Segnen gesprochen. Gehen Sie mittlerweile so in der Pfarrer-Rolle auf?

Fischer: Es sind noch keine Wunderheilungen durch mich bekannt geworden. Allerdings kamen immer dann, wenn wir uns zum Drehen in der Diaspora aufhielten, also überall dort, wo es wenig Katholiken gibt, schon die Pfarrer der benachbarten Gemeinden herbei, um mit mir Hände zu schütteln. Ich glaube, sie sehen mich dann schon als eine Art Amtsbruder an. Außerdem saß ich schon einmal mit Kardinal Lehmann auf einer Podiumsdiskussion, wo er dem Pfarrer Braun eine sehr hohe Authentizität attestiert hat. Wenn solche Filme gut ankommen und gut gemacht werden, dann nützt das auch der Kirche.

teleschau: Als Kabarettist gehen Sie ja durchaus streng mit der Kirche um. Wie erklären Sie sich eigentlich, dass Pfarrer oder die Nonnen aus 'Um Himmels Willen' im deutschen Fernsehen ungebrochen Hochkonjunktur haben?

Fischer: Das gibt mir auch immer wieder zu denken. Es hat, glaube ich, damit zu tun, dass der Beruf des Pfarrers immer etwas geheimnisvoll wirkt. Man erwartet daher von einer Pfarrerserie, dass man etwas über einen Beruf erfährt, von dem man so gut wie nichts weiß.

teleschau: In den Fernsehnachrichten der letzten Jahre erfuhr man viel über Pfarrer und kirchliche Institutionen, was man vielleicht sogar wusste, aber lange Zeit geheim hielt oder nicht darüber sprach - etwa bei den Missbrauchsskandalen.

Fischer: Die Institution Kirche hat viele Fehler gemacht. Bei der Schadensbegrenzung war sie ganz schwach. Bei der Schadensregulierung war sie noch schwächer. Man hatte nämlich an alles gedacht, nur an die Opfer am wenigsten. Ich stehe allerdings schon auf dem Standpunkt, dass nicht der Zölibat allein schuld an der Kinderschändung hat. Es ist bekannt, dass 70 Prozent der Kindesmisshandlungen aus der unmittelbaren Umgebung hervorgehen. Das können nicht nur zölibatäre Priester sein. Aber wo so etwas vorgefallen ist, muss man rigoros aufklären. Und die Opfer müssen beschützt und - so weit das überhaupt noch geht - entschädigt werden. Das Materielle ist nicht alles, aber eben sehr wichtig: Die Kirche hat erst dann eingelenkt, als sie sich mit amerikanischen Schadensersatzforderungen konfrontiert sah.

teleschau: Wäre die Missbrauchsdebatte aus Ihrer Sicht eigentlich auch einmal ein Thema für 'Pfarrer Braun', oder würde das den Rahmen der doch eher leichtgewichtigen Reihe sprengen?

Fischer: Es würde schon gehen. Wir haben zum Beispiel bei 'Die Gärten des Rabbiners' einen wie ich finde sehr guten Film über Christen- und Judentum gemacht, der frei von schlechtem Gewissen agierte und bei dem wir nicht immer nur von der Betroffenheits- oder Moralkeule, wie Walser sagen würde, eingeschüchtert worden waren. Damals hat ein ernstes Thema im unterhaltsamen Gewand funktioniert. Vielleicht könnte es mit dem Missbrauchsthema auch gelingen: Dafür bedarf es aber eines sehr guten Buchs und einer gewissenhaften Umsetzung. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass Niveau in der Unterhaltung nicht schadet. Das habe ich in meinem bisherigen Berufsleben stets zu beweisen versucht.

teleschau: Im neuen Film ist ja in der Fiktion in Ihrem eigenen Pfarrershaushalt etwas passiert. Warum spielte denn Hansi Jochmann, die Haushälterin von Pfarrer Braun, nicht mehr mit?

Fischer: Sie hatte einen Bandscheibenvorfall und konnte leider zu Drehbeginn nicht antreten.

teleschau: Das heißt aber nicht, dass Gundi Ellert sie für immer ersetzen wird? Wissen Sie denn überhaupt, wie es mit der Reihe weitergehen wird?

Fischer: Gundi war eine sehr bayerische Lösung, und es war bezaubernd, mit ihr zu arbeiten. Ich bin allerdings der Meinung, dass die gewollt klischeehafte Figur der Hansi Jochmann besser funktioniert und lustiger ist. Die Qualität eines 'Pfarrer Braun'-Films liegt ja darin, dass wir ganz absichtlich mit Klischees spielen.

teleschau: Es gab ja einigen Wirbel um die auftraggebende Produktionsgesellschaft ARD Degeto, viele Projekte liegen momentan auf Eis. Wann wird denn wieder ein neuer 'Pfarrer Braun'-Film gedreht?

Fischer: Ich weiß nicht, wie lange der Wirbel andauert und wann er sich legen wird - in festen Zusagen oder Absagen. Wir haben noch keine Angaben darüber, wann wir weiterdrehen werden. Ich vermute, dass es wie immer von der Quote abhängt. Je mehr Zuschauer wir erreichen, desto schneller wird es weitergehen. Ich finde, 'Pfarrer Braun' befindet sich auf einem Unterhaltungsniveau, wie es die ARD gut gebrauchen könnte.

teleschau: Die Filme stehen und fallen ja auch mit Ihnen. Haben Sie denn noch Freude an Ihrer Rolle - und an den Drehbüchern?

Fischer: Ich habe bis jetzt bei allen 'Pfarrer Braun'-Filmen eifrigst an den Drehbüchern mitgearbeitet und meine eigene Note eingebracht. Das hat sich auch gelohnt. Immerhin hat es dazu geführt, dass man mir die Rolle auch wirklich glauben kann. Ich denke, das ist wichtiger, als wenn mir eine möglichst originelle Leistung als Charakterdarsteller gelingt.

teleschau: Wie steht es denn um Ihre Energien? Es ist ja immer wieder zu lesen, dass Sie mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben und trotzdem ein volles Programm bestreiten.

Fischer: Ich komme bestens durch. Wegen mir ist noch nie ein Drehtag ausgefallen. Es liegt keinerlei Vermutung vor, dass meine Gesundheit sich verschlechtern könnte. Ich tue, was ich tun will - fröhlich vor mich hin, bei guter Laune und vollster Kraft. Noch vor wenigen Jahren hatte ich unter anderem mit 'Der Bulle von Tölz' bis zu zwölf Filme im Jahr gedreht. Heute habe ich viel mehr Zeit, die einzelnen Dinge ruhig und gut zu machen. Früher bin ich nur geradelt - und musste zusehen, dass ich einen Film nach dem nächsten fertig bekomme.

teleschau: Trotzdem sind Sie auch viel als Kabarettist unterwegs - und treten teilweise an Orten auf, von denen man vermuten müsste, dass man dort gar nicht mehr hin müsste.

Fischer: Ich gehe eben doch hin. Genau das macht meiner Meinung nach Kabarett aus - dass man eben zu den Leuten kommt. Ich trete viel an kleineren Bühnen mit 200 bis 300 Zuschauern auf - es macht mir viel Spaß den direkten Kontakt zum Publikum zu haben. Für Kabarett, das etwas erreichen und vermitteln will, ist das die ideale Konstellation. Zum Glück liegen die Auftrittsorte in Bayern nicht so weit auseinander. Da kann ich gemütlich hin- und in der Nacht wieder nach Hause fahren. Ein schonender Umgang mit mir selbst.

teleschau: Welche Wunder haben Sie bei der Verbesserung der Welt durch Ihre Kabarett-Auftritte bewirkt?

Fischer: (lacht) Wir sind der Tropfen der Veränderung, der das Fass zum Überlaufen bringt. Kabarett ist dafür gut, dass man jemandem zuhört, der in klaren Worten ausdrücken kann, was man selbst denkt. Dann fühlt das Publikum sich wohl dabei, und es wird ein gelungener Abend.

teleschau: Sehen Sie es eigentlich mit aufkommender Eifersucht, dass Bayern mit Christian Ude den ersten Kabarettisten als Landesvater bekommen könnte?

Fischer: Wenn es so kommt, dann haben wir auf einem ganz geschickten Weg, über das Hintertürchen der Macht, viel erreicht. Der wankelmütige Herr Seehofer wird gegen Ude verlieren. Gleichzeitig wird es wieder sehr schwierig - fürs Kabarett. Es ist schon besser, wenn die beiden Welten getrennt bleiben.

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