Gamers Kritiken
UEFA Euro 2012
Lücken im Kader
Von Sixten Lehmann 26. Apr 2012, 14:15

'UEFA Euro 2012' ist kein eigenständiges Spiel, sondern eine Erweiterung für 'FIFA 12'. © EA
Der Anpfiff zur virtuellen Euro-2012-Euphorie erfolgt früh - vielleicht zu früh: Gut anderthalb Monate vor der Eröffnungsfeier der UEFA Europameisterschaft bringt EA eine Download-Erweiterung für seine Fußballsimulation 'FIFA 12' auf den Markt, die mit 20 Euro zwar recht günstig ausfällt, aber auch weniger bietet als versprochen. Von den insgesamt 53 Nationalmannschaften sind momentan nur etwas mehr als die Hälfte auch mit Originalspielern besetzt. Beim Rest fehlen schlicht die Lizenzen. Besonders bitter: Selbst das Gastgeberland Ukraine läuft mit abgewandeltem Kader auf.
Aus dem Bayern-Abräumer Anatoliy Tymoshchuk wurde beispielsweise kurzerhand A. Tomaschuk, der auch optisch nur bedingt wiederzuerkennen ist.
Von der 'FIFA'-Fan-Gemeinde gab's deshalb kurz nach dem Verkaufsstart die gelbe Karte für EA. Der Publisher reklamiert die verworrene Rechtesituation - schließlich hätte man jede Verbandslizenz einzeln erwerben müssen, was sich nicht gerechnet hätte. Wirtschaftlich mag das Argument durchaus nachvollziehbar sein - angesichts der Entscheidung, das Spiel zur EM als Erweiterung und nicht wie bei den Turnieren zuvor als eigenständiges Vollpreisprodukt auf den Markt zu bringen.

Aber Authentizität und Begeisterung für eines der größten Sportspektakel in diesem Jahr sieht anders aus.
Entscheidend ist allerdings auf dem Platz. Und da zeigt sich 'UEFA Euro 2012' ähnlich souverän wie das grandiose 'FIFA 12', über dessen Menü die Erweiterung nach der Installation auch angesteuert und gestartet wird.
Die Spielmodi des Addons halten ein paar Überraschungen bereit - schöne und böse. So lässt sich zwar das zwar EM-Turnier originalgetreu nachspielen. Das gilt jedoch nur für die Endrunde. Die Qualifikationsrunden und Play-Off-Spiele wurden dagegen ersatzlos gestrichen.

Ebenso ärgerlich: Nur ein Team lässt sich übernehmen. Sofa-Duelle mit Freunden fallen also flach. Online darf man in immerhin in bunt zusammengewürfelten Gruppen um die EM-Krone kämpfen.
Als Trost für die fehlende Qualifikation hat sich EA den motivierenden 'Expeditionsmodus' ausgedacht. Darin tingelt man mit einem selbst erstellten 'FIFA 12'-Kicker nebst Zufallstruppe durch ganz Europa und fordert jedes der 53 Länder mehrfach zum Bolzduell. Gewinnt man, darf man sich aus dem Kader der gegnerischen Mannschaft einen Profi aussuchen - beim ersten Sieg steht die Reservebank zur Auswahl, beim zweiten oder dritten ein Stammspieler.

So baut man sich nach und nach seine Wunschmannschaft zusammen und sammelt obendrein Bilder für eine große, virtuelle Fotocollage.
Ebenfalls neu und werbefinanziert: der Live-Dienst 'Challenges'. Darin lassen sich - mit freundlicher Unterstützung von einem prominenten Brauselimonade-Hersteller - besondere Momente der Qualifikation oder des Turniers nachspielen. Alle paar Tage will EA nachlegen. Zum Testzeitpunkt gab's die 'Spanische Wende in Granada', in der man in 30 Minuten das Spiel gegen Tschechien zu drehen hat.
Technisch leistet sich 'UEFA Euro 2012' wie 'FIFA 12' kaum Schwächen, dafür ein paar atmosphärische Sonderheiten.

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