Internet Reportagen


Mehr Volksnähe durch Facebook?

Was Politiker im Sozialen Netzwerk treiben

Von Christina Freko 26. Apr 2012, 19:03

Per Twitter gab Piratin Marina Weisband ihre Verlobung bekannt. © Twitter

Per Twitter gab Piratin Marina Weisband ihre Verlobung bekannt. © Twitter

'He did it', war im Internet zu lesen, daneben prangte das Bild eines Verlobungsrings. Der steckte am Finger von Vorzeige-Piratin Marina Weisband, weshalb die Nachricht vom Kurznachrichtendienst Twitter ausgehend die Runde in den Leitmedien machte - zum Verdruss der Verfasserin: 'Liebe Qualitätsmedien. Meine Verlobung ist für die Meisten hochgradig irrelevant. Nutzt doch den Platz für etwas politische Bildung', kommentiert sie die Berichterstattung auf ihrem Facebook-Account. Die Piratin ist nicht die Einzige, die die Vor- und Nachteile von Sozialen Netzwerken kennt. Aber wie gehen Politiker anderer Parteien mit dem Social Web um?

Auch auf Facebook ist Marina Weisband sehr aktiv. © Facebook

Auch auf Facebook ist Marina Weisband sehr aktiv. © Facebook

Letzten Sommer warnten Politiker noch vor Facebook-Partys. Nun macht es CSU-Chef Horst Seehofer wie einst die 16-jährige Thessa: Er lädt alle seine Facebook-Freunde - derzeit immerhin rund 5.500 Menschen - zu einer Party in die Münchener Nobel-Disco P1 ein. 'Ich freue mich sehr darüber, dass wir auf meiner Facebook-Seite direkt miteinander in Kontakt sind und meine Fangemeinde jeden Tag wächst. Jetzt möchte ich möglichst viele von Euch persönlich kennenlernen', schreibt der feierfreudige Bayer. Die Reaktionen seiner Anhänger sind gespalten: Während die einen ihr Glück kaum fassen können ('Horsti!

Horst Seehofer lud über Facebook zu einer Party ein. Wenn das mal kein böses Erwachen gibt ... © Facebook

Horst Seehofer lud über Facebook zu einer Party ein. Wenn das mal kein böses Erwachen gibt ... © Facebook

Mir gefällt jeder, der Freibierrunden schmeißt!'), halten die anderen die Aktion für einen schlechten Witz ('Wer hat den Account gehackt?'). Auch sonst gibt sich der bayerische Landesvater volksnah: So postet er neben aktuellen Meldungen zu seinen politischen Geschäften beispielsweise Eindrücke von seinem Aufenthalt im Kloster Waldsassen oder drückt dem FC Bayern München die Daumen für den Champions-League-Sieg.

Seine CDU-Kollegin, Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, hat es hingegen derzeit nicht nur im echten Leben schwer beim Volk. Auch auf ihrem Facebook-Profil tobt eine heiße Debatte um das Betreuungsgeld.

Auch im Sozialen Netzwerk muss Kristina Schröder wegen des Betreuungsgeldes Verbalattacken über sich ergehen lassen. © Facebook

Auch im Sozialen Netzwerk muss Kristina Schröder wegen des Betreuungsgeldes Verbalattacken über sich ergehen lassen. © Facebook

'Mein politisches Ziel ist, dass die Eltern wählen können, welches Betreuungsangebot sie nutzen wollen', proklamiert Frau Schröder in einem Post. Während die Ministerin von einigen Usern noch höflich darauf hingewiesen wird, dass sie in einer Traumwelt lebe, machen andere ihrer Empörung Luft: 'Liebe Frau Schröder, wo ist die Möglichkeit zu wählen, wenn man schon ein Jahr auf den Kita-Platz warten muss', fragt beispielsweise eine Kommentatorin. Eine Antwort bleibt die Politikerin schuldig. Vielleicht würden ein paar unpolitischere Postings ihre Facebook-Gemeinde gelegentlich milder stimmen?

Claudia Roth sorgt mit ihren Postings regelmäßig für Diskussionen. © Facebook

Claudia Roth sorgt mit ihren Postings regelmäßig für Diskussionen. © Facebook

Auch Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Grünen, ist nicht gut auf die Familienministerin zu sprechen. 'Frau Schröder, machen Sie Platz für eine echte Frauenministerin', fordert sie in ihrem Facebook-Profil. Überhaupt veröffentlichte Frau Roth neben vielen politischen Aussagen und Bildern vom Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen in letzter Zeit einige Aufrufe zum Protest gegen Kristina Schröder - was die Leserschaft mit einem regelrechten Shitstorm gegen Frau Roth selbst quittierte. Da bringt auch das Foto von ihr im Borussia-Dortmund-Fanshop keine Sympathiepunkte. Eine der Reaktionen: 'Der arme Kloppo...muss er dich jetzt ertragen?

Mehr als 125.000 User finden Angela Merkels Facebook-Auftritt gut. © Facebook

Mehr als 125.000 User finden Angela Merkels Facebook-Auftritt gut. © Facebook

?'

An die Grenzen des Erträglichen scheinen auch einige der mehr als 125.000 User zu stoßen, denen Angela Merkels Facebook-Profil gefällt. 'Wenn diese Dame von dem, was sie so daherquasselt, richtig Ahnung hätte, ginge es diesem Land deutlich besser. Aber Politik war ja leider fast immer so gestaltet, das der Normalo da möglichst wenig von versteht', poltert ein erboster Kommentator.

Wie ihre Kollegen geht auch die Kanzlerin nicht auf die Äußerungen ihrer Follower ein, sondern postet munter, aber recht unpersönlich, was sie beruflich gerade macht: Sie pendelt zwischen Demografietagung und Interviews, die sich um den Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen oder die Schuldenbremse drehen. Nur zu besonderen Anlässen lässt sie sich dazu hinreißen, ihre Fans direkt anzusprechen: 'Ich wünsche allen meinen Unterstützern bei Facebook ein Frohes Osterfest!' Danke, Angela.

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