Gamers Reportagen
'Kunst ist nicht immer pädagogisch'
'Crysis 2'-Ehrung stürzt Deutschen Computerspielpreis in die Krise
Von Bernd Fetsch 28. Apr 2012, 10:24

'Crysis 2' wurde unter Protest von Unions-Politikern zum 'Besten Deutschen Spiel' gekürt. Entwickler Crytek erhielt als Gewinn 50.000 Euro. © EA
Für so manchen konservativen Politiker ist es ein Skandal, für Avni Yerli, Chef des Frankfurter Entwicklerstudios Crytek, eine 'kleine Revolution': Mit 'Crysis 2' wurde am 26. April in Berlin erstmals ein Ego-Shooter - politisch, aber unkorrekt gerne auch als 'Killerspiel' bezeichnet - mit dem Deutschen Computerspielpreis gekürt. Erstmals sei es einem Entwickler aus Deutschland gelungen, Fachwelt und Publikum weltweit technologisch, qualitativ und ökonomisch zu begeistern, begründete die Jury ihre Entscheidung. Nun entbrennt eine Diskussion: Können Ballerspiele, die sich ausschließlich an ein erwachsenes Publikum richten, auch kulturell wertvoll sein?

Oder müssen die Kriterien für die Vergabe des mit 50.000 Euro dotierten Hauptpreises überarbeitet werden?
Bereits im Vorfeld der Verleihung polterte der medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen, dass man sich von der Entscheidung distanziere. Allein die Nominierung von 'Crysis 2' sei nicht vereinbar mit dem Beschluss des Bundestages gewesen, der den Computerspielpreis 2007 in erster Linie für 'qualitativ hochwertige sowie kulturell und pädagogisch wertvolle Computerspiele' ins Leben rief. 'Sogenannte Killerspiele dürfen nicht honoriert werden, auch wenn sie technisch noch so ausgereift sind.

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Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) zeigte sich angesichts der harschen Kritik 'irritiert' über das Vorgehen und ließ in einer Stellungnahme verlautbaren: 'Die Ausrichter können es nicht hinnehmen, dass die unabhängige Jury beschädigt wird' - zumal die Öffnung der Kategorie einvernehmlich durch die Verbände und den Kulturstaatsminister Bernd Neumann vereinbart worden sei.
Zwar sagte der CDU-Mann bei der Preisverleihung unter großem Applaus der Anwesenden: 'Wir haben eine unabhängige Jury, und das ist gut so.

' Allerdings ist Neumann mit der Entscheidung, ein Spiel für Erwachsene auszuzeichnen, nicht gerade glücklich. Sie gebe Anlass, über die Kriterien bei der Vergabe nachzudenken. Gegenargumente kommen ausgerechnet aus den eigenen Reihen: Thomas Jarzombek, Unionsabgeordneter und Mitglied der aus Politikern, Journalisten, Pädagogen, Forschern und Branchenvertretern zusammengesetzten Jury, verwies auf die Anlage des Preises: Es sollen künstlerisch anspruchsvolle, pädagogisch wertvolle und den Standort Deutschland stärkende Titel gekürt werden.

Nur manchmal widersprechen sich diese Kriterien eben, wie Jarzombek im Interview mit 'Spiegel Online' betont: 'Kunst ist nicht immer pädagogisch.' Und 'Crysis 2' sei zwar nicht pädagogisch wertvoll, setze aber mit seinem Soundtrack von Hans Zimmer und seiner Grafik, die auch in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut entstand, eben Maßstäbe in der Kunst.
' Alle Preisträger im Überblick:Bestes Jugendspiel: 'Harveys Neue Augen' (Daedalic)
Bestes Nachwuchskonzept aus Schüler- und Studentenwettbewerb: 'About Love, Hate and the Other Ones', Kunsthochschule Kassel, Kassel
Bestes Serious Game: 'Vom fehlenden Fisch - Die geheimnisvolle Welt der Gemälde', Kunsthalle Bremen
Bestes Browsergame: 'Drakensang Online', Bigpoint
Bestes Kinderspiel: 'The Great Jitters: Pudding Panic', kunst-stoff GmbH
Bestes mobiles Spiel: 'Das Verrückte Labyrinth HD', Ravensburger Digital GmbH
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