DVD Reportagen


'Playboy sein ist wohl nicht mehr modern'

Rolf Eden, Deutschlands letzter Playboy, wird in 'The Big Eden' porträtiert

Von Claudia Nitsche 3. Mai 2012, 14:18

'Ich bin Playboy Number One', meint Rolf Eden - und könnte damit durchaus Recht haben. © Perter Dörfler

'Ich bin Playboy Number One', meint Rolf Eden - und könnte damit durchaus Recht haben. © Perter Dörfler

In seinem Berliner Büro empfängt Rolf Eden seine Besucher in einem rosa Strickpullover und blauem Anzug mit auffallend hübschem Einstecktuch. Er setzt sich, nicht ohne seinem Gegenüber ein Bonbon angeboten zu haben, an seinen Schreibtisch, der voller Bilder steht. Eden deutet auf eins. 'Das sind einige meiner Kinder', sagt er. Insgesamt hat er sieben, der inzwischen 82-Jährige war immer ein Partylöwe. Er besaß bis 2002 das 'Big Eden'. In den Zeiten, in denen die Mauer noch stand, war es die bekannteste Disco von Berlin. Dann hat Eden, der letzte Playboy des Landes, sein Geld mit Immobilien gemacht.

Ein Mann macht sein Leben zum Paradies: Peter Dörfler porträtiert in seinem Dokumentarfilm The Big Eden, der jetzt auf DVD erscheint, einen mittlerweile 82-jährigen Playboy, der nicht erwachsen werden will: Rolf Eden. © Senator

Ein Mann macht sein Leben zum Paradies: Peter Dörfler porträtiert in seinem Dokumentarfilm 'The Big Eden', der jetzt auf DVD erscheint, einen mittlerweile 82-jährigen Playboy, der nicht erwachsen werden will: Rolf Eden. © Senator

Vielleicht hatte er wirklich nur Glück, wie er immer wieder behauptet. Vielleicht steckt auch mehr dahinter. Peter Dörfler versucht in seinem Dokumentarfilm 'The Big Eden' (2011), der jetzt auf DVD erscheint, dahinterzukommen. Rolf Eden, ein 1930 geborener Mann jüdischer Abstammung, fragt im Interview als Erstes: 'Was kann ich für Sie tun?' - Das sagt, auch wenn das mancher nicht glauben mag, viel über seine Lebenshaltung.

teleschau: Herr Eden, wie oft sind Sie denn noch hier in Ihrem Büro?

Rolf Eden: Jeden Tag, zwischen 30 Minuten und einer Stunde. Arbeiten ...

Das ist die erste Frau, mit der ich zusammenlebe, sagt Rolf Eden über Brigitte. Beinah hätten sie sogar geheiratet. © Perter Dörfler

'Das ist die erste Frau, mit der ich zusammenlebe', sagt Rolf Eden über Brigitte. Beinah hätten sie sogar geheiratet. © Perter Dörfler

(er winkt ab) Ich war immer viel beschäftigt, aber ich habe nie viel gearbeitet.

teleschau: Sie hatten mal fünf Clubs gleichzeitig.

Eden: Ja, aber ich hatte für jeden Laden fantastische Geschäftsführer. Außerdem habe ich täglich geguckt, was die machen und die Rechnungen kontrolliert. Die wussten, dass ich alles weiß.

teleschau: Sie sind also ein ernstzunehmender Geschäftsmann.

Eden: Na logo.

teleschau: Erstaunlich: Im Film behaupten viele Damen, dass Sie nicht erwachsen geworden und in der Pubertät stecken geblieben seien.

Eden: Das will ich ja, ich will in der Pubertät bleiben.

Ich war immer viel beschäftigt, aber ich habe nie viel gearbeitet, fasst Rolf Eden seine Karriere zusammen. Ihm gehörten mehrere Diskotheken. © Rainer Adolph / adolphpress

'Ich war immer viel beschäftigt, aber ich habe nie viel gearbeitet', fasst Rolf Eden seine Karriere zusammen. Ihm gehörten mehrere Diskotheken. © Rainer Adolph / adolphpress

teleschau: Aber solche Aussagen bedeuten, dass Frauen, die Ihnen nahe stehen, Sie nicht ernst nehmen.

Eden: Das ist mir doch egal. Wichtig ist nur, dass die Damen sexy sind, Geschäfte mache ich mit anderen. Was die Leute über mich denken, ist so unwichtig.

teleschau: Der Film ist schon eine Weile fertig: Ist Brigitte, die Sie darin als Ihre Lebensgefährtin vorstellen, noch immer Teil Ihres Lebens?

Eden: (zeigt ihr Bild auf dem Schreibtisch) Das ist die erste Frau, mit der ich zusammenlebe. Sie ist seit sieben Jahren in meinem Leben und seit einem Jahr wohnen wir zusammen.

Rolf Eden freut sich über den fertigen Dokumentarfilm: Ich bin dankbar, dass er mein Leben zeigt, dass etwas übrig bleibt, wenn ich in 30 Jahren tot bin. © Rainer Adolph / adolphpress

Rolf Eden freut sich über den fertigen Dokumentarfilm: 'Ich bin dankbar, dass er mein Leben zeigt, dass etwas übrig bleibt, wenn ich in 30 Jahren tot bin.' © Rainer Adolph / adolphpress

teleschau: Wer ist noch auf den Bildern auf Ihrem Schreibtisch abgebildet?

Eden: Das ist Marion, die war meine Freundin vor zehn Jahren. Hier mein Sohn. Das ist Uschi, mit ihr war ich vor 30 Jahren zusammen. Die ist heute 50 und sieht noch immer so gut aus. Auf dem Foto sind meine Kinder, nicht alle, aber ein paar.

teleschau: Wie ist das mit den Kindern, wenn sie Kontakt wollen: Müssen sie auf Sie zugehen, oder machen Sie das auch?

Eden: Hin und wieder, an Geburtstagen zum Beispiel. Wir treffen uns schon, haben aber keine Papa-Kinder-Beziehung.

teleschau: Sie gelten als der letzte Playboy des Landes ...

Eden: Es gibt keine anderen.

Es stört ihn nicht, wenn andere meinen, er sei in der Pubertät steckengeblieben - im Gegenteil: Das will ich ja, ich will in der Pubertät bleiben, erklärt Rolf Eden. © Peter Dörfler

Es stört ihn nicht, wenn andere meinen, er sei in der Pubertät steckengeblieben - im Gegenteil: 'Das will ich ja, ich will in der Pubertät bleiben', erklärt Rolf Eden. © Peter Dörfler

Ich bin Playboy Number One.

teleschau: Wo bleibt die nachfolgende Playboy-Generation?

Eden: Playboy sein ist unter den jungen Leuten wohl nicht mehr modern. Aber ich habe mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Es gab noch einen: Das war Gunter Sachs, der letztes Jahr leider gestorben ist. Aber Sachs war über 30 Jahre verheiratet; wenn man verheiratet ist, kann man kein Playboy mehr sein.

teleschau: Aber Sie wollten Brigitte vor einigen Jahren auch heiraten.

Eden: Ja, aber ich hatte in letzter Sekunde Glück. Fünf Tage vor der Trauung hat sie sich gegen den Filou entschieden (lacht).

teleschau: Aber wieso wollten Sie?

Eden: Damit sie eine Sicherheit hat, wenn mir was passiert, und sie schön viel Geld erbt. Ich dachte, ich könnte sowas ja mal probieren, hätte mich ja wieder scheiden lassen können. Aber jetzt läuft es gut, ohne Pflichten.

teleschau: Nachdem Sie zu Hause gestürzt waren, zog Brigitte bei Ihnen ein. Hat es da bei Ihnen Klick gemacht?

Eden: Was Klick? Nein, ich habe mich gefreut, dass ich wieder Glück hatte. Als ich zur Routineuntersuchung bei meinem Arzt war, schickte der mich sofort ins Krankenhaus. Da haben sie dann zweimal Blut rausgeholt aus meinem Kopf. Wäre ich nicht zum Arzt gegangen, wäre ich jetzt tot. Ich war ja in meinem Leben bisher nie krank.

teleschau: Die negativen Sachen schieben Sie immer weg, gehen nicht zu Beerdigungen …

Eden: Alles, was traurig ist, weg, ja (macht eine wegwischende Handbewegung). Ernsthaft nachdenken, das schieb ich auch weg, das brauch ich nicht. Ich will jeden Tag richtig schön leben und keine Sachen, die mir nicht gefallen, denken oder machen.

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