Gamers Kritiken
Der Fall John Yesterday
Comic für Erwachsene
Von Herbert Aichinger 3. Mai 2012, 17:33

Trotz des wenig innovativen Rätseldesigns und der Kürze des Spiels gehört 'John Yesterday' zu den Adventure-Highlights der letzten Zeit © Crimson Cow
Mit dem 'Fall John Yesterday' verlangen die Pendulo Studios und Publisher Crimson Cow Adventure-Spielern einiges ab - nicht wegen eines übertrieben hohen Schwierigkeitsgrads, sondern vielmehr aufgrund der unkonventionellen Erzählstruktur. Durch Rückblenden, Erinnerungsfetzen und atmosphärisch intensive Spielszenen hangelt man sich von einem Cliffhanger zum nächsten und will unbedingt alle drei unterschiedlichen Enden sehen …
Und wieder brennt es in einem U-Bahn-Schacht - ein weiterer Obdachloser wurde Opfer einer geheimnisvollen Mordserie, von der man in der Stadt allerdings kaum Notiz nimmt.
Nur eine Gruppe von ehrenamtlichen Helfern wie Henry White und der schwergewichtige Samuel Cooper, die den wohltätigen 'Kindern des Don Quichote' angehören, kümmern sich um die Stadtstreicher und warnen sie vor den Anschlägen der unbekannten Gewalttäter. Als Henry sich in einen U-Bahnschacht vorarbeitet, gerät er jedoch selbst in Lebensgefahr ...
John Yesterday, ein Sektenforscher, der bei einem Suizidversuch durch eine Quecksilbervergiftung sein Gedächtnis verloren hat, kommt erst im zweiten Kapitel ins Spiel.

Er ist auf der Jagd nach einem mysteriösen Orden des Fleisches und versucht, Stück für Stück seine Erinnerung wiederzuerlangen. Satanisten, Ritualmorde, ungewöhnliche Charaktere und das fehlende Wissen um die eigene Vergangenheit: 'Der Fall John Yesterday' bringt ideale Voraussetzungen mit für eine Story voller unerwarteter Wendungen - und tatsächlich erlebt der Spieler in dem mit fünf bis sechs Stunden reiner Spielzeit etwas kurz geratenen Abenteuer eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der sich die anfangs etwas unzusammenhängend erscheinenden Ereignisse am Ende doch zu einem packenden Gesamterlebnis zusammenfügen.

Der Grafikstil mit seinen detailarmen Comic-Zeichnungen mag zunächst etwas karg wirken, verleiht dem Spiel aber sein ganz eigenes, düsteres Flair. Gekonnt unterstrichen wird die Atmosphäre durch die hervorragend agierenden Synchronsprecher, die sowohl für die Protagonisten als auch für den Erzähler immer genau den richtigen Ton treffen. Gegenstände lassen sich per Maus untersuchen - dabei öffnet sich ein kleines 'Bild im Bild' mit einer Detailansicht, die den Comic-Charakter der Grafik noch verstärkt. Hier gibt es dann jeweils die Möglichkeit, ein Objekt mit der Lupe näher zu betrachten, es mitzunehmen oder zu manipulieren.

Die Rätsel gestalten sich größtenteils sehr logisch und kommen mit sehr wenigen Items aus, die gelegentlich miteinander kombiniert werden müssen, um beispielsweise mit einer Blechdose ein Schloss knacken zu können. Das Inventar erweist sich dabei als eines der wenigen Ärgernisse von 'John Yesterday', da das Aufnehmen eines Gegenstands durch Hochziehen mit gedrückter Maustaste doch sehr ungewohnt und fehleranfällig ist.

Auch die Hotspotanzeige ist keine wirkliche Hilfe beim Lösen der Rätsel: Die kleinen Kreise, die die wichtigen Stellen auf dem Bildschirm markieren, sind sehr unscheinbar und verschwinden außerdem zu schnell wieder. Wer jedoch gar nicht mehr weiterkommt, klickt auf die Lampe im Icon-Menü und ruft so recht umfangreiche Hinweise ab. Gespeichert wird übrigens automatisch - sehr komfortabel. Als Spieler steuert man je nach Situation mal John, mal Henry oder Cooper.

Trotz des wenig innovativen Rätseldesigns und der Kürze des Spiels gehört 'John Yesterday' zu den Adventure-Highlights der letzten Zeit - und das liegt vor allem an der außergewöhnlich spannend inszenierten und detailliert ausgearbeiteten Horror-Story.
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