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Rolf Seelmann-Eggebert - Der Hofberichterstatter

Rolf Seelmann-Eggebert feiert das 60. Thronjubiläum der Queen (Pfingstmontag, 28.5., 19.00 Uhr, ARD und So., 3.6., 15.00 Uhr, ARD)

Von Petra Esselmann 3. Mai 2012, 17:34

Unterhält seit Jahrzehnten die Zuschauer mit seinen Königskenntnissen: ARD-Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert. © NDR / seelmannfilm / Gisela Kraus

Unterhält seit Jahrzehnten die Zuschauer mit seinen Königskenntnissen: ARD-Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert. © NDR / seelmannfilm / Gisela Kraus

Beinahe möchte man ihn selbst schon mit einem 'von' vor dem Doppelnamen ansprechen - so sehr ist Rolf Seelmann-Eggebert für die deutschen Fernsehzuschauer inzwischen mit den Königsfamilien verbunden. Dazu wirkt der 'Commander of the British Empire' selbst ganz vornehm, wenn er seine Anekdoten über Königs in wohlfeile Worte packt. Man könnte stundenlang zuhören. Für seine Live-Berichterstattung während der Hochzeit von Kate und William im vergangenen Jahr bekam der ARD-Adelsexperte den Deutschen Fernsehpreis. In diesem Jahr gibt es das 60. Thronjubiläum der Queen zu zelebrieren.

Seelmann-Eggebert, der im Februar sein 75. Lebensjahr vollendete, ist natürlich dabei: mit einem Porträt ('Elizabeth II. - Die diamantene Queen' am Pfingstmontag, 28.5., 19.00 Uhr, ARD) und live in London beim 'Fest für die Queen - Schiffsparade zum 60. Thronjubiläum' (So., 3.6., 15.00 Uhr, ARD). Am Samstag, 16.6., kommentiert er erneut live die 'Geburtstagsparade für die Queen' (11.40 Uhr, ARD).

teleschau: Ihr Ruf als Adelsexperte beschränkt sich nicht allein auf unser Land - sogar die BBC soll Sie schon um Rat gefragt haben. Was wollen die von dem deutschen Kollegen über ihre eigenen Traditionen wissen?

Rolf Seelmann-Eggebert: Ich wurde mal angerufen von jemandem, der wissen wollte, wie eine bestimmte Figur im Ablauf der Geburtstagsparade für die Queen aussieht.

teleschau: Wussten Sie die Antwort gleich?

Seelmann-Eggebert: Nun gut, das konnte ich ihm erzählen (lacht). Ich meine, wie viele Paraden habe ich begleitet? Seit 1978 jede!

teleschau: Bringen Sie sich von Anlässen wie der Prinzenhochzeit im letzten Jahr eigentlich Souvenirs mit?

Seelmann-Eggebert: Ja, aber nur die üblichen. Auf unserem Tassenbord hier im Büro stehen ein paar, auf denen zum Beispiel Victoria zu sehen ist - und William und Kate. Das schon.

teleschau: Am 3. Juni werden Sie die große Schiffsparade zu Ehren der Queen live moderieren. Haben Sie noch Lampenfieber?

Seelmann-Eggebert: Das muss man ein bisschen haben. Bei Live-Übertragungen weiß man nie, was passiert. Wenn zum Beispiel plötzlich ein Gewitter über uns hereinbrechen sollte, ist es gut, irgendwie gerüstet zu sein. Ich setze mich vorher hin und überlege: Was erzähle ich, wenn eine Bootsparade eigentlich das Gebot der Stunde ist und dann nicht so stattfindet wie geplant? Abgesehen davon ist es gut, dass ich einen Kollegen neben mir haben werde, der von Schifffahrt und Booten viel versteht. Ich werde mich eher um Fragen kümmern wie: Welches Verhältnis hat die Königin zu Wasser und zu Schiffen?

teleschau: Nämlich?

Seelmann-Eggebert: Da kann man viel erzählen im Hinblick auf ihre lange Zeit als Oberkommandierende auf der 'Britannia', dem Schiff, von dem sie mit großer Wehmut Abschied genommen hat. Da fallen mir eine Menge Geschichten ein, die ich zum Teil auch miterlebt habe. Ich war auch ein paarmal auf der 'Britannia' im Zusammenhang mit Staatsbesuchen. Auch andere Schiffsreisen hatten eine historische Bedeutung für Elizabeth, zum Beispiel eine, die sie als 13-jähriges Mädchen machte, und an deren Ende sie ihren künftigen Mann Philip kennenlernte. Der ging damals auf eine entsprechende Kadettenschule.

teleschau: Sie haben die Queen auch 1965 bei ihrem ersten Staatsbesuch in Deutschland erlebt. Welchen Eindruck hat sie damals auf Sie gemacht?

Seelmann-Eggebert: (lacht) Das war ein ganz indirekter Eindruck. Ich war damals beim Radio, und wir probierten eine neue Technik aus. Wir hatten UKW-Sender und freuten uns, dass wir die Königin mit Ausnahme von einigen silberrauschenden Ausfällen tatsächlich vom Flughafen in Hannover bis in die Innenstadt verfolgen konnten. Der Rundfunk war mobil, das war ein großer Fortschritt! Damit ist mein erster Queen-Eindruck verbunden.

teleschau: Und heute?

Seelmann-Eggebert: Später hatte ich von ihr den Eindruck, dass sie in früheren Jahren eingeschworen war, die Rolle der Queen zu spielen und sich wohl auch selbst immer wieder fragte: 'Wie muss ich sein, wenn ich Queen bin?' Heutzutage hat sie die Rolle so verinnerlicht, dass sie schlechterdings die Queen ist. Mit diesem Selbstverständnis traut sie sich auch, der Öffentlichkeit alle ihre Gesichter zu zeigen. Sie hat eine sehr lebendige Mimik. Sie kann Stimmen imitieren - jedenfalls weiß die Familie zu berichten, dass sie all ihre Premierminister nachmachen kann. Ein bisschen davon verrät sie auch, wenn sie heute irgendwo auftritt - da guckt sie auch mal ganz spontan bestürzt drein, etwa, wenn bei einem Rennen ein Pferd stolpert. Was sie nicht zeigt, sind Tränen. Eine Königin weint nicht. Das hat man nur einmal so ein bisschen gesehen, als sie sich von ihrer sehr geliebten 'Britannia' verabschieden musste.

teleschau: Bei dem Porträt 'Die diamantene Queen' arbeiteten Sie erneut mit Ingo Zamperoni zusammen. Sollte er ebenfalls eine Karriere als Adelsexperte anstreben - welche goldene Regel geben Sie ihm mit auf den Weg?

Seelmann-Eggebert: Es ist ja ein sehr individuelles Geschäft, das wir betreiben. Man muss sich zunächst überlegen, ob man sich tatsächlich zumuten will, den Versuch zu unternehmen, an die Leute selbst heranzukommen. Das erschien mir immer wichtig, insbesondere in den ersten Jahren. Das ist mir auch gelungen, aber es wird immer schwieriger.

teleschau: Wie war das damals bei Ihnen?

Seelmann-Eggebert: Als ich zu Anfang der 80-er damit anfing, war das viel einfacher. Aber es hat sich verändert, dadurch, dass nun viele Medien die Königshäuser haben wollen und sie auf den Titelbildern eine große Rolle spielen. Das ist eine Grundentscheidung: Will man sich ernsthaft mit ihnen auseinandersetzen und auch mal versuchen, 'from the lion's mouth' etwas zu hören? Das ist etwas anderes, als sie immer nur aus der Ferne zu bewundern.

teleschau: Wie geht man auf Königshäuser zu?

Seelmann-Eggebert: Es ist gut, wenn man seine Schularbeiten macht, das heißt: sich viel mit der Geschichte der Familie auseinandersetzen und auch mal mit ein paar Leuten reden, die die Könige selbst kennen. Sich Zeit dafür lassen. Man kann es doch auch schaffen, Einblick ins Innere zu bekommen, wenn man ein bisschen Vertrauen gewonnen hat in den Familien.

teleschau: Sie wurden ja eher durch Zufall zum 'Adelsexperten', als Korrespondent in London. Was hat Sie daran so fasziniert, dass Sie sich darauf spezialisiert haben?

Seelmann-Eggebert: Ich habe den Eindruck, dass die Monarchien, die wir hier in Europa haben - um die anderen habe ich mich nicht so sehr gekümmert - nur dann Bestand haben, wenn sie auch mit der Zeit gehen. Sie haben es ganz gut im Griff, so ist mein Eindruck jedenfalls, doch als aktuell wahrgenommen zu werden.

teleschau: Gibt es etwas, das Sie in Ihrer Zeit als Afrika-Korrespondent gelernt haben, das Ihnen auch als Adelsexperte weiterhilft?

Seelmann-Eggebert: Es wird Sie wundern, aber für Themen, die etwas mit Entwicklungsländern allgemein zu tun haben, aber auch speziell mit Afrika, kann man überall in den Königshäusern sehr interessante Gesprächspartner finden - auch in den Familien. Als ich mein erstes und einziges Interview mit Prinzessin Anne führte, 1985, sprach ich mit ihr lange über Laktationsperioden in Afrika. Auch sonst nutzte ich Gelegenheiten, Royalty in Afrika zu erleben, wie zum Beispiel mit Prinz Philip. Meine eigenen Erfahrungen in Afrika haben mir schon manches Mal Gesprächsstoff gegeben.

teleschau: War das jenes Interview mit Prinzessin Anne, bei dem während der Aufbauarbeiten in den Prinzessinnen-Gemächern eine Vitrine zu Bruch ging?

Seelmann-Eggebert: Richtig.

teleschau: Was war das für ein Gefühl?

Seelmann-Eggebert: Das war natürlich hochnotpeinlich. Wir wussten, dass sie gerade dabei war, sich umzuziehen. Sie war vom Reiten gekommen und hatte ihre Privatgemächer betreten. In einem dieser Privatgemächer bauten wir auf für das Interview. Auf eine bis heute nicht geklärte Art und Weise zersprang plötzlich diese Kristallwand, hinter der ihre Trophäen standen, in tausend Stücke. Ich dachte: Du lieber Gott, da geht die Welt unter!

teleschau: Und dann?

Seelmann-Eggebert: Der Kollege von der Pressestelle wählte gleich die richtige Telefonnummer, schon erschien eine Putzkolonne, die das in Sekundenschnelle auffegte. Ich bin nicht sicher, ob die Prinzessin je davon erfahren hat. Dazu rechnete ich natürlich fest damit, dass ich vom Buckingham Palast eine Rechnung bekommen würde - habe ich aber nie.

teleschau: Einer Ihrer Fans hat Sie bei Facebook als Bundespräsident vorgeschlagen ... Wie würde Ihnen das gefallen, so auf der anderen Seite?

Seelmann-Eggebert: Normalerweise werde ich gefragt, ob ich selbst König sein möchte. Da sage ich: Unter gar keinen Umständen, allenfalls der jüngere Bruder des Thronfolgers, nach dem Motto 'viele Rechte, wenig Pflichten'! Da ich für das Amt des Bundespräsidenten etwas übrig habe, würde es mir etwas schwerer fallen, eine Begründung dafür zu finden, warum ich es nicht machen will (lacht). Ich oute mich ja immer gerne als guter Republikaner - in Deutschland jedenfalls. Aber ich bin gerne auf der anderen Seite des Tisches, so wie ich das tue, und nicht auf der Seite, wo die Herrschenden sitzen. Das war eigentlich immer schon so.

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