Internet Reportagen
Der Marktwert im Web
Ratings als Ego-Schmeichler
Von Christina Freko 4. Mai 2012, 11:19

Der Rating-Service 'Klout' misst den Einfluss, den man in Sozialen Netzwerken ausübt. © klout.com
Nur 30 Facebook-Freunde? Fast ein wenig unsozial! Um die 100 Bekanntschaften? Dieser Mensch freundet sich vermutlich nur mit Leuten an, die er auch persönlich kennt. Mehr als 200 Verlinkungen? Hier könnte es sich um einen Freunde-Sammler handeln, der seinen sozialen Status im Netz an der Anzahl seiner Bekanntschaften misst. Der Rating-Service 'Klout' (www.klout.com) führt diese vermeintliche Skala nun ad absurdum: Mittels ausgefuchster Algorithmen errechnet er, wieviel Einfluss ein Facebook-, Google+- oder Twitter-User tatsächlich im Netz hat.

Wer den Grad seiner Wichtigkeit im Web herausfinden will, meldet sich einfach mit seinem Facebook- oder Twitter-Account auf der Plattform an. Andere Netzwerke wie Blogs, Flickr oder Google+, in denen man auch noch aktiv ist, lassen sich dem 'Klout'-Profil nach der Anmeldung hinzufügen. Nun berechnet der Dienst anhand von Parametern wie Freundeszahl, Reaktionen auf Beiträge und eigener Aktivität im Sozialen Netz den Einfluss auf die Webgemeinde auf einer Skala von eins bis 100. Durchschnitt ist laut 'Klout' ein Score von 20.
Alle, die diesen Wert nicht erreichen, sollten keinesfalls Social-Web-Selbstmord begehen und ihre Profile löschen.

Der vermeintlich geringe Einfluss könnte darauf zurückzuführen sein, dass solche Nutzer bedachter mit ihren Social-Media-Accounts umgehen als diejenigen, die hohe Ratings erreichen. Vermutlich posten sie nicht am laufenden Band Belanglosigkeiten wie 'Guten Morgen' oder 'Gehe jetzt schlafen', die eine ansehnliche Menge Kommentare erhalten. Oder aber sie suchen sich sehr genau aus, mit wem sie auf welche Weise im Web interagieren.
Das kann nicht nur zum persönlichen Seelenfrieden beitragen, sondern auch manch unliebsame Überraschung verhindern - besonders, wenn es um Bewerbungen oder den Berufsalltag geht.

Während laut Bericht des US-Magazins 'Wired' ein hoch qualifizierter Manager einen Posten aufgrund eines niedrigen 'Klout'-Werts nicht erhielt, wurden leistungsfähige Bewerber wegen peinlicher Facebook-Profile erst gar nicht zum Gespräch eingeladen.
Um solche Pannen zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Privatsphäre-Einstellungen im Sozialen Netzwerk sorgsam zu prüfen. Grundsätzlich sollte ein Facebook- oder Google+-Profil nur für die Freunde voll einsehbar sein. Auch wer Zugriff auf welche Posts hat, kann inzwischen in beiden Netzwerken sehr fein justiert werden.

Möchte man seinen 'Klout'-Wert steigern, ist es ratsam, gut zu überlegen, was man an die Pinnwand heftet. Qualitativ hochwertige Posts, die zu angeregten Diskussionen führen, können helfen - zu viele Belanglosigkeiten wirken gegebenenfalls schnell abschreckend. Auch durch das eigene Kommentarverhalten lässt sich das Rating beeinflussen: Je öfter man seinen Senf irgendwo dazugibt, desto mehr Punkte werden eingestrichen.
'Klout' ist nicht das einzige Portal, das den Einfluss im Web misst. Auch 'PeerIndex' (www.peerindex.com) und 'Kred' (kred.com) analysieren, inwieweit die eigene Netzaktivität andere User beeinflusst.
Nach einem ähnlichen Prinzip wie 'Klout' werten sie die Social-Media-Profile eines Surfers aus und attestieren ihm Expertise in verschiedenen Bereichen - beispielsweise Musik, Wein oder Internet.
Ob eine derartige Klassifizierung den Einzelnen wirklich glücklicher macht? Im Endeffekt ist ein solcher Wert lediglich Bauchpinselei. Viel wichtiger ist es doch, dass eine konstruktive Auseinandersetzung mit den Menschen, die auch im Alltag präsent sind, stattfindet. Deren Feedback sagt weit mehr aus als jedes virtuelle Rating.
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