Gamers Kritiken
Port Royale 3
Krämerseelen in der Karibik
Von Herbert Aichinger 8. Mai 2012, 13:48

'Port Royale 3' setzt die Segel Richtung Händlerregal. © Kalypso Media
Nach acht Jahren Flaute verfrachtet Entwickler Gaming Minds PC-Spieler erneut in die Karibik des 16. Jahrhunderts. In der Wirtschaftssimulation 'Port Royale 3' sollen sie es zu Wohlstand, Ru(h)m und Ehre bringen - und nebenbei das Herz einer zickigen Gouverneurstochter erobern.
Händler oder Abenteurer? Bereits eingangs hat man die Wahl, welche spielerische Schlagseite 'Port Royale 3' bekommen soll. Als Krämerseele lernt man die ersten Kniffe des komplexen Warenwirtschaftssystems kennen, errichtet seine eigenen Produktionsbetriebe und überwindet Warenengpässe durch geschickt angelegte Handelsrouten zwischen den Städten der Karibik.
Das Ziel: die heruntergewirtschafteten Cayman-Inseln wieder aufblühen lassen und einen Palast für die Verehrte aus dem Boden stampfen. Wer sich hingegen lieber als Abenteurer verdingt, stellt sich beim Versuch, die Geliebte aus den Fängen eines Entführers zu befreien, dem Kampf mit marodierenden Piraten und baut eine schlagkräftige Flotte auf.
Erfreulich: Egal, für welche 'Karriere' man sich auch entscheidet - man bleibt nicht stur auf eine Spezialisierung festgelegt, sondern kann im Grunde frei entscheiden, ob man sich gerade mehr der eigenen Güterproduktion oder dem Schutz der Küstenregionen widmen möchte.

Freibeuter liefern sich heftige Seeschlachten mit ruchlosen Piraten, organisieren Handelsblockaden und kapern gut geschützte Handelskähne der Kolonialmächte - müssen aber mit entsprechenden Reaktionen rechnen.
Freiheit bedeutet auch für den Spieler alles in der Karibik - und so wendet man sich nach den beiden Kampagnen, die durchaus als 15-stündige Einführung verstanden werden dürfen, dem endlosen Sandkastenspiel zu, in dem man seine Ziele ganz allein selber bestimmt.
Wie die Vorgängerversionen punktet auch 'Port Royale 3' mit einem ausgefeilten Warenwirtschaftssystem.

Jede der rund 60 Städte in der virtuellen Karibik kann fünf Warentypen selbst herstellen und muss die restlichen 15 Güter importieren. Das hält zum einen den Schiffsverkehr in Schwung, zum anderen ist man gezwungen, auch entlegene Regionen anzusteuern, in denen beispielsweise Tabak oder Kakao wachsen.
Zudem beeinflussen Seuchen oder Insektenplagen die Produktion und bringen die Wirtschaft mancherorts zeitweise in ernsthafte Schwierigkeiten. Auch Angebot und Nachfrage lassen die Preise schwanken, sodass man sich ständig über die besten Angebote auf dem Laufenden halten muss, um effizient zu wirtschaften.

Lagerverwalter entlasten den Spieler zwar bei Routineaufgaben. Trotzdem gilt es, das eine oder andere Mal nachzuhelfen, um Handelsrouten zu optimieren.
Als nicht ganz so gelungen erweist sich die Steuerung zu Wasser und zu Lande: Seekämpfe erfordern keine großen taktischen Finessen - trotz zu beachtender Windrichtungen und Untiefen. Problematisch wird jedoch die Kontrolle der computergesteuerten Begleitschiffe, die nicht immer das tun, was ihnen der Spieler mit seinen wenigen Einflussmöglichkeiten befiehlt.

Etwas hakelig ist auch das Bauen ausgefallen, in dem man immer erst das jeweilige Gebäude finden und anklicken muss, statt verfügbare Optionen einfach aus einem Menü auszuwählen. Deutlich leichter in der Handhabe, aber ohne taktische Eingriffsmöglichkeiten gestaltet sich die Eroberung von Städten.
Fazit: 'Port Royale 3' knüpft direkt an die große Tradition von 'Patrizier' und den eigenen Vorgängern an, ohne am Spielprinzip große Änderungen vorzunehmen.

Übel nimmt man das dem Entwickler Gaming Minds nicht, denn schon nach wenigen Minuten stellt sich wieder die alte Faszination am Bauen und Handeln ein, die einen wochenlang in seinen Bann ziehen kann. Aber eine optische Auffrischung wäre über die Detailansicht der Städte hinaus toll gewesen. Denn die meiste Zeit über brütet der Spieler über einer detailarmen Übersichtskarte, die viel Flair kostet.
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