DVD Kritiken
Anonymus - DVD
Nur eine Fußnote
Von Greta Riedel 8. Mai 2012, 13:50

In 'Anonymus' vertritt Roland Emmerich die These, Shakespeare sei nicht der Autor seiner Werke. © Sony
'Hamlet', 'Romeo und Julia', 'Der Sommernachtstraum' - was, wenn diese großen Stücke der Weltliteratur gar nicht von William Shakespeare stammen? Wenn der Meisterdramatiker gar keiner war? Roland Emmerich entwirft in 'Anonymus' (2011) eine große historische Verschwörung: Shakespeare war eigentlich Analphabet und nur ein Strohmann für den weitaus berühmteren Autor der bekannten Werke. Dabei kommt der 'Independence Day'-Regisseur ganz ohne Effekte aus und setzt dafür auf überwiegend unblutig endende Wortgefechte. Der spannende Kostümfilm wurde zuletzt mit sechs Deutschen Filmpreisen ausgezeichnet.

Im Kino wollten ihn hierzulande jedoch nicht einmal 230.000 Besucher sehen. Nun erscheint er auf DVD und Blu-ray Disc.
Roland Emmerich und Drehbuchautor John Orloff stellen Edward de Vere, den 17. Earl of Oxford, als wahren Autor von 'Hamlet' und Co. vor. Als Adeliger und obendrein Vertrauter von Königin Elizabeth (Joely Richardson, später Vanessa Redgrave) ziemt es sich für ihn nicht, Stücke zu schreiben. So veröffentlicht er zunächst anonym, bevor sich der tumbe Schauspieler William Shakespeare (Rafe Spall) als Autor feiern lässt.

Dass de Vere in verschiedenen Zeitebenen von zwei verschiedenen Darstellern - Jamie Campell Bower in jungen und Rhys Ifans in alten Tagen - verkörpert wird, ist jedoch eine Herausforderung für den Zuschauer.
An Shakespeare lässt der Film gutes Haar: Er erklärt ihn zum einfältigen Analphabeten, zum geltungssüchtigen Lügner, zum gierigen Erpresser, zum kaltblütigen Mörder. Vor allem aber degradiert er den großen Dramatiker zur Randfigur, zu einer Fußnote in der Biografie des unglücklichen Earl of Oxford.

Und die erscheint, so wie Emmerich sie inszeniert, in puncto Intrigen- und Wendungsreichtum nicht weniger ergiebig als die Dramen, deren Urheberschaft zur Diskussion steht.
Auf Blu-ray Disc präsentiert sich 'Anonymus' mit ausgezeichneter Optik. Die Farben sind kräftig, die Kontraste hervorragend. Selbst in dunklen Szenen sind die Details auf BD klar erkennbar, während die DVD in schattigen Bereichen etwas schwammig wirkt. Neben dem Bild überzeugt auch der Ton der BD. Der exzellente Surroundmix sorgt für eine gute Atmosphäre, die Effekte sitzen und Dialoge sind immer verständlich. Dem DVD-Ton mangelt es bisweilen an Wucht.

Der Bonusteil beinhaltet auf Blu-ray Disc etwas umfangreichere Features. Auf beiden Disc gibt es eine Dokumentation über die Zweifel am echten Shakespeare, die einen kurzen wissenschaftlichen Abriss und Hintergrundinfos bietet.
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