Kino Kritiken


Die Kunst zu lieben

Reden ist Gold

Von Andreas Fischer 10. Mai 2012, 13:41

'Die Kunst zu lieben' ist eine redselige Lektion über die Unwägbarkeiten von Lust und Liebe. © Camino Filmverleih

'Die Kunst zu lieben' ist eine redselige Lektion über die Unwägbarkeiten von Lust und Liebe. © Camino Filmverleih

Sie lieben sich, oder auch nicht. Sie schlafen miteinander, oder auch nicht. Sie begehren sich, oder auch nicht. Vor allem aber reden sie viel über die Liebe in all ihren Facetten. Mal philosophisch, mal belanglos; mal ernsthaft, mal unfreiwillig komisch; mal einsilbig, mal geschwätzig: 'Die Kunst zu lieben' ist eher ein episodischer Essay, denn eine klassische Romanze. Regisseur Emmanuel Mouret ('Küss mich bitte!', 2007) erhebt die Liebe zu einer Kunstform, die sich partout nicht meistern lassen will.

Die Liebe ist so etwas wie ein französisches Nationalheiligtum - und Paris ihr Epizentrum.

Nirgendwo sonst auf der Welt beschäftigen sich die Menschen so intensiv und offen mit großen Gefühlen, mit sexueller Anziehungskraft, mit emotionalen Unsicherheiten wie in der Metropole an der Seine. Zumindest ist das im Kino so. Der französische Film war immer schon ein Refugium für die Liebe in ihren verschiedensten Facetten, über die ausführlich diskutiert werden muss: 'Die Kunst zu lieben' ist da nicht anders.

Ja: Es wird viel palavert in Mourets Film - passend dazu mischt sich ein Erzähler aus dem Off immer wieder als Kommentator ein. Aber, und das kann wohl nur ein legitimer Erbe Eric Rohmers (und Woody Allens), es wird nie langweilig.

Isabelle (Julie Dépardieu, links) sehnt sich nach einem Mann: Gut, dass Amélie (Judith Godrèche) gerade einen übrig hat. © Camino Filmverleih

Isabelle (Julie Dépardieu, links) sehnt sich nach einem Mann: Gut, dass Amélie (Judith Godrèche) gerade einen übrig hat. © Camino Filmverleih

Weil sich die Liebe einfach keine Pause gönnt und eine ständige Herausforderung für Mourets halbes Dutzend Protagonisten ist: Sie alle würden gerne lieben (auch körperlich), können es aber nicht - weil sie sich nicht darauf einlassen wollen.

Im Mittelpunkt des Episodenfilms steht Isabelle (Julie Dépardieu). Sie sehnt sich nach langer Abstinenz mal wieder nach Sex, scheut sich aber, jemanden anzusprechen. Eine Bekannte bietet ihr daraufhin den eigenen Mann an. Boris (Laurent Stocker) hingegen verzehrt sich nach Amélie (Judith Godrèche), aber seine - bislang platonische - Freundin will partout nicht mit ihm ins Bett.

Achille (Fraçois Cluzet) war kurz vorm Ziel, doch dann knöpft seine schöne Nachbarin (Frédérique Bel) die Bluse einfach wieder zu. © Camino Filmverleih

Achille (Fraçois Cluzet) war kurz vorm Ziel, doch dann knöpft seine schöne Nachbarin (Frédérique Bel) die Bluse einfach wieder zu. © Camino Filmverleih

Sie hat aber einen Plan, wie sie Boris befriedigen kann: Und der heißt Isabelle.

Regisseur und Drehbuchautor Emmanuel Mouret begleitet seine Abenteurer in ihrem Dschungel aus Gefühlen und Verlangen und erteilt dabei Lektionen in Liebesdingen. Die sind mal wichtig und mal nichtig, aber meistens gut beobachtete Alltäglichkeiten, in denen es immer wieder um die Körperlichkeit geht: 'Wo die Gefahr fehlt, schwindet die Lust.' Oder: 'Die Lust ist wankelmütig.

Das Ende der Anonymität: Irgendwann geht das Licht doch an und Isabelle (Julie Dépardieu) und Boris (Laurent Stocker) sehen, mit wem sie im Bett sind. © Camino Filmverleih

Das Ende der Anonymität: Irgendwann geht das Licht doch an und Isabelle (Julie Dépardieu) und Boris (Laurent Stocker) sehen, mit wem sie im Bett sind. © Camino Filmverleih

' Manchmal muss man einfach auch 'Geduld' haben, wie Alt-Weiberheld Achille (François Cluzet) bei seinem Werben um die schöne Nachbarin (Frédérique Bel) in einem köstlichen Nebenstrang erfährt.

Darüber wird vor allem: geredet. Statt expliziter Szenen gibt es bei Mouret abgedunkelte Hotelzimmer und leise Andeutungen. Und viel Musik, weil, so postuliert es der Erzähler zu Beginn, 'es keine Liebe ohne Musik geben kann'.

In seinem schwierigen Unterfangen, die Liebe zu erklären, mag Mouret manchmal etwas dick auftragen und ein bisschen zu viel Pathos bemühen.

Mit gezielten Seitensprüngen wollen William (Gaspard Ulliel) und Vanessa (Élodie Navarre) die Ehrlichkeit in ihrer Beziehung retten. © Camino Filmverleih

Mit gezielten Seitensprüngen wollen William (Gaspard Ulliel) und Vanessa (Élodie Navarre) die Ehrlichkeit in ihrer Beziehung retten. © Camino Filmverleih

Aber er konterkariert die Künstlichkeit mancher Situationen mit lebensnaher Komik und herrlichen Absurditäten des Alltags.

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Film Information

Starttermin: 2012-05-17
Regisseur: Emmanuel Mouret
Genre: Komödie
Bewertung: überzeugend

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