Internet Reportagen
Vielleicht weiß Dr. Google Rat?
Der Teufelskreis der 'Cyberchondrie'
Von Christina Freko 10. Mai 2012, 17:48

Nicht nur über Google, auch über einschlägige Websites lassen sich Informationen über Symptome und mögliche Erkrankungen gewinnen. © www.netdoktor.de
Kochrezepte, Hotelempfehlungen, Reiseziele, Veranstaltungstipps - Informationen zu diesen und einer Vielzahl weiterer Themen lassen sich schnell und einfach über Google finden. Inzwischen ist die Suchmaschine auch ein gefragter Ratgeber beim Einordnen von Krankheitssymptomen. Allerdings sind die Ergebnisse, die der Algorithmus ausspuckt, breit gefächert: Eine Sehstörung kann nicht nur von Unterzuckerung herrühren, sondern auch auf Netzhautablösung oder gar einen Schlaganfall hindeuten. Während die meisten Surfer bei solchen Suchergebnissen vermutlich nicht direkt in Panik ausbrechen, werden andere dadurch regelrecht krank.

Die sogenannten 'Cyberchonder' verwenden einen nicht unerheblichen Teil ihrer Zeit darauf, jede Regung ihres Körpers genau zu beobachten und Google mit möglichen Krankheitssymptomen zu füttern - obwohl sie in den meisten Fällen körperlich gesund sind. Häufig ist bereits eine generelle Angst vor schweren Erkrankungen vorhanden, was die Betroffenen nicht selten sehr belastet. 'Ich bin es so leid, mir mein Leben zu zerstören, mein Leben ist nur anstrengend, und das selbst gemacht', klagt Userin Charly im Forum auf www.psychic.de.

Das Nachschlagen von Krankheitsanzeichen ist keine Erfindung des Web 2.0. Vor dem digitalen Zeitalter gab es Gesundheitslexika, die sich in den Schrankwänden zahlreicher Wohnzimmer fanden. Die Wälzer arbeiten mit Symptomlisten und verweisen auf entsprechende Einträge. Das Internet wäre nicht das Internet, hätte es sich dieses Prinzip nicht zunutze gemacht: Auf www.netdoktor.de etwa lassen sich nach demselben Muster mögliche Erkrankungen ermitteln.

Dort finden sich Diagnosen in den Ergebnislisten, die alles andere als beruhigend auf labile Menschen wirken können - auch wenn Gehirntumore, Netzhautablösung oder Migräne als mögliche Ursachen einer Sehstörung sehr sachlich und ausführlich erläutert werden.
Webgemeinschaften wie das 'Psychic'-Forum bringen viel Verständnis für Betroffene wie Charly auf und raten vor allem eines: Dr. Google meiden. 'Ich hab mich selbst mit dem Googeln krank gemacht und hab es mir nun zum Großteil abgewöhnt, nach Symptomen zu googeln', gesteht Masterp.
Nicht selten empfehlen die Community-Mitglieder auf Basis eigener Erfahrungen auch den Gang zum Psychologen, um die Angststörung, die der Ausgangspunkt für den Teufelskreis ist, in den Griff zu bekommen.
'Mein Tipp, wenn man doch mal etwas unbedingt wissen möchte - jemanden bitten, für einen zu googeln und die Informationen 'gefiltert' wiederzugeben', meint Frida in ihrem Forenbeitrag. Mit diesem cleveren Trick lässt sich zumindest eine drohende Panikspirale umgehen. Darüber hinaus sollte der mit dem Googeln Beauftragte die jeweiligen Quellen genau auf ihre Seriosität untersuchen: Auch bei medizinischen Themen gilt - wie überall im Web - dass (vermeintliches) Wissen oft ungeprüft weitergegeben wird.
Generelle, fundierte Informationen zu Krankheiten wie Arthrose oder Diabetes beziehungsweise zu medizinisch relevanten Themen wie Fruchtbarkeit oder Hörtests bietet www.gesundheitsinformation.de. Der Auftritt wird vom 'Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen' (www.iqwig.de) betrieben und bezieht seine Inhalte aus wissenschaftlichen Quellen. Bei akuten Beschwerden oder ernsthaften Bedenken bezüglich der festgestellten Symptome hilft jedoch nur ein Gang zum Arzt.© 2012 teleschau - der mediendienst

