TV Star Portrait
Andreas Pietschmann - Vom Fast-Fußballgott zum TV-Jesus
Andreas Pietschmann spielt Jesus im TV-Zweiteiler 'Ihr Name war Maria' (So., 27., und Mo., 28. Mai, 20.15 Uhr, BR-alpha)
Von Anna Julia Höhr 11. Mai 2012, 13:37

Im TV-Zweiteiler 'Ihr Name war Maria' (So., 27., und Mo., 28.5., 20.15 Uhr, BR-alpha) ist Andreas Pietschmann als Jesus zu sehen. © BR / Tellux-Film GmbH / Angelo Turetta
Irgendetwas hatte Andreas Pietschmann an sich. Irgendetwas, das den italienischen Regisseur Giacomo Campiotti an seine Vorstellung von Jesus erinnerte. War es ein Blick? War es Pietschmanns Stimme? Oder doch seine Statur? Der Schauspieler kennt die Antwort selbst nicht. Er weiß nur, dass er es dem Filmemacher zu verdanken hat, dass er im internationalen TV-Zweiteiler 'Ihr Name war Maria' (So., 27., und Mo., 28.5., 20.15 Uhr, BR-alpha) Jesus spielen durfte - obwohl er sich eigentlich für den Part des Josef bewarb.

Dass er das einmalige Angebot annehmen würde, stand für den 43-jährigen Lebensgefährten von Jasmin Tabatabai sofort fest: 'Wann bekommt man als Schauspieler schon mal die Chance, Jesus zu spielen?'
Vermutlich nicht allzu oft. Von daher war es dem aus Serien wie 'GSG9 - Die Spezialeinheit' oder Spielfilmen wie 'Sonnenallee' bekannten Darsteller auch wichtig, die Chance zu nutzen. Pietschmann bereitete sich intensiv auf seine Rolle in der Bibelverfilmung vor, las das Neue Testament und verglich die einzelnen Evangelien miteinander. Er wollte sich Wissen aneignen. So viel wie nur möglich.

Denn: 'Je mehr man weiß, desto mehr kann man in eine Rolle einfließen lassen. Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, die Originaltexte aus der Bibel mit Persönlichkeit zu füllen. Ich wollte nicht klingen, als würde ich gerade auf der Kanzel stehen und wie ein Pfarrer zur Gemeinde sprechen.'
Zum ersten Mal als Jesus verkleidet sah sich Pietschmann dann am Set in Tunesien. Von seinem Spiegelbild war er überrascht - im positiven Sinne: 'Ich war extrem verwundert, dass ich in ein Gesicht blickte, das meiner Vorstellung von Jesus entsprach. Es passte einfach.

' Um sich in seine Rolle zu verwandeln, saß der Akademikersohn täglich zwei Stunden in der Maske, ließ sich schminken und das Haar verlängern. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat: Pietschmann sah als Jesus genauso aus, wie es sich der Regisseur gewünscht hatte.
Dass die Dreharbeiten mitunter sehr emotional werden würden, war dem Schauspieler von Anfang an bewusst: 'Ich war froh, dass Alissa Jung (spielt Maria, d. Red.) und ich so gut harmonierten. Wir waren beide sehr offen und ließen unseren Emotionen freien Lauf.' Besonders bewegend war für Pietschmann eine Szene, in der er selbst gar nicht viel spielen musste.

'Als Maria den toten Jesus auf ihrem Schoß liegen hatte, berührte mich das schon sehr', erinnert sich der ehemalige Romanistik- und Anglistik-Student, der selbst an Gott glaubt und in seiner Kindheit oft mit Religion in Berührung kam.
'Ich wuchs in einer katholischen Familie auf, war Messdiener und machte das volle Programm mit. Ich hatte aber das Glück, all das auf keine indoktrinierende Art und Weise zu erleben', erzählt Pietschmann.

Jemand, der gelegentlich mit Gott hadert, ist der geborene Würzburger nicht: 'Natürlich gibt es Momente, in denen man unglücklich ist, aber glücklicherweise blieb mir in meinem Leben bislang großes Leid erspart, das mich vielleicht in diese Situation gebracht hätte.'
Andreas Pietschmanns Glaube an Gott wurde auf besondere Weise gestärkt, als er mit 19 Jahren einen schweren Autounfall fast unbeschadet überlebte: 'Es fühlte sich an, als hätte jemand auf mich aufgepasst.

' Der Unfall weckte einen unglaublichen Tatendrang in ihm - Pietschmann fühlte sich in der Pflicht, etwas aus seinem 'zweiten Leben' zu machen und kam in Sachen Zukunftsplanung in die Gänge. Er ging nach Frankreich, nahm ein Studium auf und spielte währenddessen immer wieder Theater. Mit 24 Jahren bewarb er sich an der Westfälischen Schauspielschule in Bochum, wurde angenommen und schmiss daraufhin sein Studium: 'Ich war ein echter Spätzünder, der in seiner Jugend nicht die Schauspielerei, sondern nur Fußball im Kopf hatte.'
Andreas Pietschmann, der Fast-Fußballgott?
Immerhin spielte der Bayern-Fan mit den Kickers Würzburg in der dritten Liga, galt als großes Talent. Doch er hatte nicht den Biss, ernst zu machen mit der Fußballkarriere. Eine Tatsache, die ihm gelegentlich zu schaffen macht, wie der sympathische Wahlberliner lachend gesteht: 'Natürlich träume ich manchmal davon, Fußballprofi zu sein. Wenn ich ein Spiel wie das Champions-League-Halbfinale der Bayern gegen Madrid sehe zum Beispiel. Wer wäre da nicht gerne Bastian Schweinsteiger, der den entscheidenden Elfer versenkt?'
Wenn er über Fußball spricht, wird Pietschmann ganz euphorisch, seine Stimme überschlägt sich fast. 'Ich liebe Fußball einfach und gehe auch sehr gerne ins Stadion. Da hat man einfach den besten Überblick über das Spiel und kann es viel besser analysieren als vor dem Fernseher.' Dass er fest daran glaubt, dass die deutsche Nationalmannschaft Europameister wird, ist für ihn Ehrensache: 'Ich traue es den Jungs absolut zu und finde, dass sie es total verdient hätten. Auch wenn wir natürlich in einer wirklich schweren Gruppe sind. Aber ich bin grundsätzlich ein Optimist. Bei mir ist das Glas immer mindestens halb voll.'
Seit vor fast drei Jahren seine Tochter Helena Leyla geboren wurde, hat Pietschmann nicht mehr ganz so viel Zeit für das sportliche Hobby. Das nimmt er allerdings gerne in Kauf: 'Ich bin wahnsinnig froh, Vater zu sein. Meine Tochter hat mein Leben sehr verändert. Es war aber keine Veränderung von null auf 100, da ich ja zuvor auch schon mit Jasmin und ihrer Tochter Angelina zusammenlebte. Meine Frau und ich können uns durchaus weiteren Nachwuchs vorstellen.' Meine Frau? Ja, so nennt Andreas Pietschmann seine Verlobte Jasmin Tabatabai schon jetzt, obwohl die beiden vielbeschäftigten Schauspieler noch nicht vor den Traualtar getreten sind: 'Ich finde, dass eine gemeinsame Familie sehr viel mehr verbindet als eine Unterschrift auf dem Standesamt. Und die Hochzeit wird ja auch folgen - wenn wir denn endlich mal die Zeit dafür finden.'
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