Literatur Kritiken


Buch Kritik: Sinnsucht - Mein Lauf in die Nüchternheit von Johannes Nathschläger

Von Oliver 15. Jun 2012, 22:31

Johannes Nathschläger trinkt mit 13 Jahren zum ersten Mal Alkohol. Zwei Jahre später gehört der Rausch zu seinem Leben. Mit 19 Jahren verzichtet Johannes Nathschläger zum ersten Mal auf Alkohol. Hier entdeckt er nun den Sport für sich und widmet sich der Leichtathletik und nimmt an verschiedenen Wettkämpfen teil. Mittlerweile ist er abhängiger denn je, auch wenn es ihm möglich ist Wochen und manchmal Monate dem Alkohol zu entsagen. Sein soziales Leben sowie seine Gesundheit könnten als Ruinen an diese Abhängigkeit erinnern - als einziges. Er wird von der Frage nach dem Sinn des Lebens gequält und irgendwann entdeckt er die Lehren des Arztes und Psychiaters Viktor Frankl für sich. Ab jetzt beginnt sein längster Wettkampf: der Lauf in die Nüchternheit.

Für einen Alkoholiker ist es schwer zu erkennen wann man abhängig ist und wann man noch auf dem schmalen Grat dazwischen tanzt oder besser gesagt torkelt. Ich persönlich kann es mir nicht vorstellen so zu enden oder gar süchtig durch Alkohol zu werden, allerdings haben dies schon ganz andere Personen von sich behauptet. Und, was ist letzten Endes aus denen geworden? Richtig, Schnapsleichen, die sich selbst versucht haben zu konservieren.

Johannes Nathschläger beschreibt in seinem Buch "Sinnsucht - Mein Lauf in die Nüchternheit" sein Leben in, mit und weg vom Alkohol detailgetreu. Auch wie die Frau, die Verwandten - allen voran seine Eltern aber auch die Schwiegereltern und sicherlich einige mehr darunter gelitten haben. Das ihm sein Verhalten an mancher Stelle unangenehm, peinlich und selbst asozial erscheint kann man dem Autor hoch anrechnen. Nicht jeder Süchtige hat den Schneid für eine derartige Selbstbeurteilung und wenn doch, dann werden die Personen noch abhängiger von der Flasche. Einige Male unterliegt der Autor in dieser Situation.

Wie auf dem Buchrücken steht: " [...] und nimmt den längsten und schwierigsten Weg seines Lebens in Angriff: den in die Nüchternheit." so empfinde ich es auch. Ich würde sogar soweit gehen, das man als (ex-)Alkoholiker diesen Weg bis zum Ende des Lebens gehen muss. Keine Pause, kein Verschnaufen. Meine Meinung dazu. Ich finde, es gibt kein ex-Alkoholiker, ex-Abhängiger und so weiter. Warum ist einfach erklärt: ich denke, es ist immer ein Kampf für ehemalige Süchtige nicht wieder zu dem vorherigen oder einem anderen Suchtmittel zu greifen.

Ein Buch, das nicht nur für (ex-)Alkoholiker interessant sein dürfte oder solche die mehr oder weniger (in)direkt davon betroffen sind. Ein weiteres literarisches Mahnmal in Sachen Sucht.

Kommentiere diesen Artikel

Ihre Meinung!

comments powered by Disqus

Mehr in Literatur

Sinnsucht - Mein Lauf in die Nüchternheit

Buch Information

Autor: Johannes Nathschläger
Erscheinungsdatum: 2012-06-15
Verlag: Monsenstein und Vannerdat

Detail Informationen zu diesem Buch

Dieses Buch bestellen


Mehr in Literatur